Mit der Besetzung der Ministerposten für Verkehr sowie Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nimmt die neue Bundesregierung Kontur an – und weckt Hoffnung auf einen dringend benötigten Impuls für die Bauwirtschaft. Verena Hubertz (SPD) und Patrick Schnieder (CDU) übernehmen zwei Schlüsselressorts in einer Zeit großer Herausforderungen. Die Wohnungsbaukrise, ein Sanierungsstau bei der Infrastruktur sowie bürokratische Hürden prägen die Agenda. Die Bauwirtschaft stellt hohe Erwartungen und signalisiert zugleich ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Am Montag wurde der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung offiziell unterzeichnet. Mit der Ernennung der zukünftigen Bundesministerinnen und -minister kann das neue Kabinett nun seine Arbeit aufnehmen. Auch für die Bauwirtschaft rückt damit der politische Neustart näher, denn auch die bedeutenden Ressorts wie Verkehr sowie Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen wurden neu besetzt. Die Baubranche blickt mit hohen Erwartungen auf die kommenden Wochen – denn die Herausforderungen im Wohnungsbau und bei der Infrastruktur dulden keinen Aufschub. „Damit sind die für die Bauwirtschaft wichtigsten Ressorts sehr gut aufgestellt“, betont Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), und lobt die Ernennung der Personalien ausdrücklich. Besonders Hubertz gilt als technisch aufgeschlossen und fachlich versiert. Ihre Erfahrungen als Startup-Unternehmerin und als stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit Zuständigkeit für Bauen, Wohnen und Klima unterstreichen ihre Kompetenz. Auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW betont die Relevanz ihres Amtsantritts und verweist auf die Komplexität des Themas Wohnen, das „mehr als 100 Tage“ zur Einarbeitung erfordere.
Erwartungen an Hubertz: Wohnraumschaffung beschleunigen
Die Immobilienbranche sieht in der neuen Ministerin eine treibende Kraft für Reformen. Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), spricht von einer „großen Chance für schnelle Verbesserungen“. Besonders im Fokus: die Einführung eines § 246e Baugesetzbuch, mit dem Wohnraum schneller realisiert werden kann. Darüber hinaus fordern Branchenvertreter eine Vereinfachung von Baustandards, die rechtliche Absicherung des Gebäudetyps E und eine zügige Novellierung des Baugesetzbuches. Der Koalitionsvertrag enthält laut GdW bereits „viele gute Punkte für das bezahlbare Wohnen“. Entscheidend sei nun die Umsetzung.
Verkehrsinfrastruktur am Limit – Investitionen gefordert
Auch der neue Verkehrsminister steht unter Zugzwang. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erinnert an die Vollsperrung der Ringbahnbrücke in Berlin als mahnendes Beispiel für den Zustand der Verkehrsinfrastruktur. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller fordert „wegweisende Entscheidungen“ sowie überjährig gesicherte Investitionen. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bietet dafür Spielräume – allerdings nur, wenn Planungsprozesse beschleunigt und Genehmigungen vereinfacht werden.
Bauwirtschaft zeigt Kooperationsbereitschaft
Unisono betonen alle relevanten Verbände ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. „Die neue Regierung hat somit ordentlich was zu tun, das ist gut so und wir werden tatkräftig mitanpacken“, betont Müller. Die Erwartung ist klar: weniger Bürokratie, mehr Tempo, mehr Wohnraum. Ob der politische Neustart gelingt, werden die ersten 100 Tage entscheiden.

















