Nur Sanierung Bestandsbau lindert Wohnungsnotstand

News | Roland Riethmüller | 07.05.2018 Bild zu: Nur Sanierung Bestandsbau lindert Wohnungsnotstand
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Steigende Immobilienpreise und wachsende Mieten in Großstädten und Ballungsgebieten zwingen zum Umdenken. Die Förderung vom Wohnungsneubau kann die Nachfrage decken, doch ist das tatsächlich die Lösung? Experten bezweifeln, dass damit nachhaltig der Wohnungsnotstand überwunden werden kann. Dabei ist die wahre Lösung so naheliegend. Denn das wahre Potential liegt in der Sanierung vom Bestandsbau.

Seit über zehn Jahren steigen unaufhörlich die Immobilienpreise in Deutschland. Dadurch können sich immer weniger Mensch Eigentum leisten. Aber auch die Mieten ziehen von Jahr zu Jahr empfindlich an. Besonders in Großstädten mit hoher Nachfrage nach Wohnraum macht sich dies bemerkbar. “Wenn dieser Trend anhält, dann werden wir in deutschen Städten das sehen, was wir bisher nur aus internationalen Mega-Citys kennen: vierstellige Mieten für eine schäbige 2-Zimmer-Wohnung”, befürchtet Jürgen Steinhauser von der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH. Das kann sicher nicht die Vision der Zukunft sein, doch welche Gegenmaßnahmen sollte man ergreifen?

Neubau löst nicht die Probleme im bezahlbaren Wohnungsbau

Am Naheliegendsten ist der Neubau von Wohnungen. Der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden. Zusätzlich plant die Politik die unmittelbare Besteuerung von unbebauten Grundstücken, um für die Eigentümer Anreize für eine Bebauung zu schaffen. Doch der schlichte Neubau von Wohnungen wird das Problem des Mangels an bezahlbarem Wohnraum nicht lösen, weiß Steinhauser. Denn neu errichteter Wohnungsbau ist in der Regel teurer als ein Altbau. Und auch wenn das Instrument Mietpreisbremse nicht wie im gewünschten Umfang greift, für den Neubau gilt sie gar nicht erst. Der Neubau könnte folglich die angespannte Situation in den Ballungsgebieten entlasten, allerdings nur zugunsten der Besserverdiener, die es sich leisten können. “Neubau ist wichtig – keine Frage – doch er ist nicht das Wundermittel, um die Krise zu lösen”, erklärt Steinhauser.

Statt Wohnungsneubau sollte eher die Sanierung gefördert werden

Doch wie kann dann darüber hinaus der Wohnungsnotstand gelindert werden? Steinhauser verweist auf die kluge Verwaltung bestehender Immobilien - ein Instrument, das kostengünstiger für den Staat, die Investoren und Mieter ist, jedoch oft übersehen wird. So führen der verbesserte Vor-Ort-Service, die Sanierung von Leerständen und die optische Aufwertung der Immobilien dazu, dass die Anzahl der Schmuddelimmobilien zurückgeht und sich die Nachfrage besser verteilt. “Dabei ist nicht die Rede von Luxussanierungen, sondern von normaler Objektpflege, um die Immobilien für die breite Mittelschicht attraktiv zu machen”, erklärt Steinhauser und empfiehlt, vor der Fokussierung von Neubauten erst einmal die Sanierung bestehenden Wohnraums zu fördern. “Nur so können wir langfristig bezahlbaren Wohnraum schaffen.”

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