Der Stellenabbau in der Bauwirtschaft setzt sich fort. So sank auch im Juni erneut die Zahl offener Jobs. Dabei bleibt vor allem im Wohnungsbau die Lage angespannt. Während der Tiefbau von Infrastrukturprojekten profitiert, bremsen fehlende Aufträge und Genehmigungen den Hochbau aus. Damit Betriebe wieder mehr Personal einstellen können, fordert die Bauwirtschaft eine rasche Umsetzung staatlicher Investitionen. Bis dahin dominiert eher Zurückhaltung den Arbeitsmarkt der Baubranche.
Die Zahl der offenen Stellen in der Bauwirtschaft ist im Juni erneut zurückgegangen. Wie die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, verzeichneten die Unternehmen 15.100 gemeldete offene Stellen für Fachkräfte im Bauhauptgewerbe. Das entspricht einem Minus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den Bauingenieuren aus: Hier sank die Zahl der gemeldeten Stellen um 23,3 Prozent auf 3.413. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) macht dafür vor allem die noch immer schwache Auftragslage verantwortlich. „Die aktuellen Aufträge am Markt scheinen noch nicht ausreichend zu sein, um über ein deutliches Aufstocken des Personals nachzudenken“, erklärt HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. „Schließlich beurteilen immer noch 38 Prozent der von ifo befragten Bauunternehmen ihren Auftragsbestand als zu klein, im Wohnungsbau ist es sogar jeder zweite.“ Zwar haben sich die Auftragseingänge im ersten Quartal leicht entspannt, doch reiche diese Entwicklung nach Einschätzung des HDB nicht aus, um wieder auf breiter Front neue Mitarbeiter einzustellen. „Die Unternehmen werden erst wieder im größeren Umfang Personal suchen und einstellen, wenn die von der Bundesregierung beschlossenen Mittel in die Umsetzung kommen“, so Müller. „Da reicht die leichte Entspannung bei den Auftragseingängen im ersten Quartal nicht aus.“
Offene Stellen am Bau: Hochbau verliert, Tiefbau legt zu
Im Vergleich der Sparten zeigt sich ein gemischtes Bild. Während im Hochbau die Zahl der offenen Stellen um 3,2 Prozent sank, konnte der Tiefbau sogar ein Zuwachs von 4,1 Prozent realisieren. Die Ursachen sind laut Müller naheliegend: „Die Entwicklung im Hochbau ist kein Wunder, schließlich liegen die Wohnungsbaugenehmigungen in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 41 Prozent unter dem Niveau von 2021. Da fällt der leichte Anstieg zum Vorjahr von 3,7 Prozent kaum ins Gewicht. Demgegenüber profitiert der Tiefbau seit vergangenem Jahr von Großprojekten im Bahn- und Kabelleitungsbau.“
Personalsicherung bleibt Priorität
Trotz der verhaltenen Einstellungsbereitschaft versuchen die Unternehmen, ihre vorhandenen Fachkräfte zu halten. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer gaben 70 Prozent der Betriebe an, ihr Personal möglichst konstant zu halten. Nur rund zehn Prozent planen einen Stellenabbau. Die Unternehmen hoffen nun auf die angekündigten Investitionsmittel der Politik, um ihre Personalpläne wieder ausweiten zu können. Bis dahin bleibt der Arbeitsmarkt der Bauwirtschaft von Zurückhaltung geprägt.

















