Preisspirale bei Baumaterial - Baugewerbe befürchtet Einbruch

News | Frank Kessler | 14.04.2021
Preisspirale bei Baumaterial - Baugewerbe befürchtet Einbruch
Foto: Roland Riethmüller

Seit Ende letzten Jahres verzeichnet das Baugewerbe deutliche Preissteigerungen bei Holz, Stahl und Dämmstoffen. Die Gründe dafür sind Materialengpässe durch die weltweite Pandemie. So wurde schon im ersten Halbjahr 2020 wegen des Einbruchs der Nachfrage die Produktion vielfach heruntergefahren. Aufgrund der erholten Konjunktur in China ist die Nachfrage schneller gewachsen als Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten.

Gegenüber September 2020 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in der Branche Preiszuwächse bei Holz um rund 15-20 Prozent, bei Dieselkraftstoff um 20 Prozent, bei Mineralölerzeugnissen um 15 Prozent und bei Betonstahl um sogar fast 30 Prozent zu verzeichnen. Der Grund für die derzeitige Preisentwicklung vom Baumaterial ist die Corona-Krise. ”Im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Pandemie wurden im ersten Halbjahr 2020 infolge des Nachfrageeinbruchs weltweit Produktionskapazitäten heruntergefahren”, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa. “Insbesondere mit dem Anspringen der Konjunktur in China im dritten Quartal 2020 wuchs die Nachfrage schneller, als weltweit die Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten." Weiterhin betont er, dass zudem der Wintereinbruch in den USA die Wiederaufnahme der Produktion im vierten Quartal erheblich erschwert habe.

Die starke Baukonjunktur begünstigt steigende Preise von Baumaterial

Bei den in Deutschland und Europa produzierten und verbrauchten mineralischen Baustoffen sind keine Schwankungen bei der Preisentwicklung festzustellen. Der stetige Aufwärtstrend der Einkaufspreise für Sand, Kies, Zement und Beton liegt an der starken Baukonjunktur. Deshalb fordert Pakleppa vor diesem Hintergrund, Gips, Sand und Kies vermehrt wieder in Deutschland abzubauen. So könne es schließlich nicht sein, dass Baustoffe importiert werden, obwohl im eigenen Land große Mengen mineralischer Baustoffe verfügbar seien. Außerdem müsse das Recycling von mineralischen Baustoffen in Schwung kommen. Eine wichtige Vorbildfunktion haben die öffentlichen großen Auftraggeber. Die Folge wäre, dass Deutschland ganz gut stehen würde.

Baugewerbe fordert den verstärkten Abbau heimischer Baustoffe

Diese Forderung unterstützt auch der Hauptgeschäftsführer der Bauverbände Nordrhein-Westfalen, Hermann Schulte-Hiltrop. Er betont, dass NRW reich an Kies und Sand sei. Doch die Rohstoffvorkommen seien nur eingeschränkt verfügbar. Außerdem würden Folgegenehmigungen nur verzögert erteilt werden. Aufgrund dieser Engpässe sei zu befürchten, dass die Bauwirtschaft ausgebremst werde, obwohl in Deutschland genügend Mengen verfügen wären. Hier müsse dringend gehandelt werden. Nur so können Materialengpässe und Preissteigerungen verhindert werden. Das gehe aber nur, wenn auch in Deutschland wieder Gips, Sand und Kies abgebaut werden würde.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Josef Widmann am 15.04.2021 )

Bezüglich Holz ist die Lage äußerst beschönigend dargestellt: KVH (Konstruktionsvollholz) konnte man im September 2020 noch für unter 300€/m³ bekommen. Momentan liegen die Preise bei uns bei 570€/m³ (07.04.2021) außerdem werden keinerlei zusagen bezüglich Lieferterminen gemacht => Lieferung nach Möglichkeit und dann nur noch zum Tagespreis. Die Gründe hierfür sind nicht nur die anspringenden Konjunkturen in den USA UND China. Sie sind zum teil auch hausgemacht. Das Holz für einen Dachstuhl wurde noch vor 30 Jahren beim ortsansässigen Säger bestellt und dann vom Zimmerer verarbeitet. Heute dürfen nur noch überwachte und zertifizierte Baustoffe eingesetzt werden. Die Investitionen hierfür konnten kleinere Sägereien nicht aufbringen und stellten den Betrieb ein. Diese Kapazitäten fehlen jetzt. Und zwar in dem Maße, dass das Holz welches in unseren Wäldern geschlagen werden muss, momentan gar nicht verarbeitet werden kann. Die "Geiz ist geil" Mentalität funktioniert halt immer nur in Zeiten, in denen es ohnehin läuft. Aber die Gefahr in Abhängigkeiten zu geraten wird realer, wie man jetzt bitter erkennen muss.

  (Geschrieben von Herbert am 15.04.2021 )

So etwas habe ich in meinen 40 Jahren nicht miterlebt. Baustoffhändler sind panisch, Baustellen steigen während des Bauprozesses noch auf ein anderes Baumaterial um & die Sägewerke stopfen sich still und heimlich die Taschen voll.

Vielleicht passiert jetzt aber ein Umdenken zum Thema Regionalität. Das Ökologische und Nachhaltige eines Massivholzbaus wird relativiert durch die langen Transportwege aus Rumänien, Tschechien & anderen europäischen & asiatischen Ländern. Das sind viele 1.000km, die so ein Holz mittels LKW oder Schiff zurücklegt. Es muss ein funktionierendes System geschaffen werden, um ehrlichen Klimaschutz zu betreiben.

 

HB

  (Geschrieben von Michel Schwarz… am 15.04.2021 )

Ich schliesse mich Herr Josef Widmann an. Sehr schön beschönigt geschrieben. Mir fehlt in diesem Bericht der zusammenhang zum Handelskrieg mit Kanada. Die USA bezieht Aktuell kein Holz in Kanada und kauft sich mit sehr guten Preisen in Europa ein. Das verursacht zusätzlich Materialknappheit und Engpässe. Grundsätzliche wäre genügend da aber so kann man auch die Inflation künstlich in die Höhe treiben zum leid der kleinen KMU`s.

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