Private zahlen besser als öffentliche Auftraggeber

, 11.06.2012 , Jennifer Brandt
Foto: Michael Staudinger / pixelio.de

Dass es um die Zahlungsmoral am Bau nicht gut bestellt ist, ist seit Jahren bekannt. Umso bedauerlicher ist es, dass gerade bei den öffentlichen Auftraggebern in den letzten Jahren keine großartige Verbesserung eingetreten ist. Die Zeche dafür zahlen am Ende die Bauunternehmen. Dennoch ist positiv hervorzuheben, dass die privaten Auftraggeber durchaus schneller zahlen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Zu diesen Ergebnissen kam eine aktuelle Umfrage des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) unter den Mitgliedsbetrieben.

Die Umfrage des ZDB macht ganz klar deutlich, dass die Schere zwischen der Zahlungsmoral der öffentlichen und privaten Auftraggeber stark auseinandergeht. Während nur 37 % der befragten Betriebe die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand als gut oder sehr gut bezeichnen würde, sind es immerhin 64 Prozent, die bei privaten Auftraggebern diese Aussage treffen würden. Auch hinsichtlich befriedigender und schlechter bis sehr schlechter Einschätzung liegen die privaten Auftraggeber unter den befragten Betrieben vorn: 38 % sehen die öffentliche Hand als befriedigend, 25 % bewerten die Zahlungsmoral als schlecht oder sehr schlecht. Im Vergleich dazu sind die Zahlen bei den privaten Klienten wesentlich besser, denn nur 36 % beurteilen die Zahlungsmoral hier mit befriedigend oder schlecht. Sehr schlecht benennt sie kein Unternehmen.

Wenn es um die Einhaltung von Zahlungsfristen grundsätzlich geht, lässt sich eine ähnliche Tendenz zwischen öffentlichen und privaten Auftraggebern erkennen. 28 % der befragten Firmen sagten, dass die Zahlungsfrist von zwei Monaten bei der Schlussrechnung in 50 bis 100 % aller Fälle von der öffentlichen Hand überschritten wird. Bei privaten Kunden sind es gerade mal etwas über 10 %, die diesen Zeitraum überschreiten. In mehr als 67 % solcher Fälle wird die Frist sogar einen Monat verzögert, in 17 % sind es sogar bis zu 6 Monate. Immer noch gut 3 % der öffentlichen Auftraggeber zahlen sogar erst nach über 6 Monaten. Im Vergleich dazu: fast 45 % der privaten Auftraggeber zahlen innerhalb einer Woche nach Ablauf der Zahlungsfrist.

Auch bei den Zahlungen von Abschlagsrechnung zieht sich der negative Trend der öffentlichen Hand weiter durch. Zwar zahlen etwa 43 % der öffentlichen Auftraggeber mehr oder weniger pünktlich - bei den privaten sogar etwa 68 % - dennoch werden von den öffentlichen Auftraggebern in 50 bis 100 % der Fälle 18 Werktage Frist überschritten. In mehr als 53 % dieser Fälle müssen die Unternehmen sogar einen Monat oder länger auf ihr Geld von der öffentlichen Hand warten. Die privaten Auftraggeber dagegen, zahlen in etwa 65 % der Fälle binnen einer Woche nach Fristablauf der Abschlagszahlung.

Aufgrund der oben ausgeführten Umstände macht der ZDB nochmals deutlich, dass die Umsetzung der Zahlungsverzugsrichtlinie für die Bauwirtschaft nicht akzeptabel ist, solange sie dadurch benachteiligt wäre. Es darf nicht sein, dass die Bauunternehmen als unfreiwillige Kreditgeber genutzt werden. Grundsätzlich soll die Zahlungsverzugsrichtlinie zwar dazu beitragen, die Zahlungsfristen zu verkürzen und so die Zahlungsmentalität auch automatisch zu verbessern, indem man die Europäische Richtlinie 2011/7/EU in deutsches Recht umsetzen möchte. Der Gesetzesentwurf stellt dies aber bisher keinesfalls sicher, denn eine Umkehrung des Ziels wäre der Fall. Gewerbliche Auftraggeber hätten mit Abnahme und Bezahlung dann insgesamt 90 Tage Zeit, was einem 3-moantigen Kredit gegenüber den beauftragten Betrieben gleichkommt.