Recycling-Baustoffe: Regierung plant große Bau-Reform

Foto: ninelutsk / envatoelements

Die Bundesregierung will die Kreislaufwirtschaft am Bau deutlich ausbauen und setzt dabei auf Recycling-Baustoffe, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ein neues Aktionsprogramm soll Rohstoffe sichern, Baukosten stabilisieren und den Einsatz recycelter Materialien erleichtern. Die Bauwirtschaft begrüßt wichtige Reformen, warnt jedoch vor ungelösten Problemen beim Abfallstatus von Recycling-Baustoffen und fordert weitere Schritte zum Bürokratieabbau. 

Der Bausektor zählt zu den rohstoffintensivsten Wirtschaftszweigen Deutschlands. Entsprechend groß ist das Potenzial, Materialien aus Rückbau und Sanierung künftig stärker wiederzuverwenden. Nach Ansicht der Bundesregierung sollen Gebäude künftig stärker als Rohstofflager betrachtet werden. Daher wurde die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen gestärkt und gestern ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Im Mittelpunkt stehen der verstärkte Einsatz von Recycling-Baustoffen, die Sicherung von Rohstoffen sowie eine stärkere Digitalisierung entlang des gesamten Gebäudelebenszyklus. 

Kreislaufwirtschaft durch Digitalisierung und KI 

„Was wir heute verbauen, soll morgen kein Abfall sein“, erklärt Bundesbauministerin Verena Hubertz. „Gebäude sind Rohstofflager mit einem nutzbarem Materialwert, das müssen wir viel stärker berücksichtigen.“ Mit dem Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie wolle die Bundesregierung erreichen, dass Baumaterialien künftig stärker im Kreislauf geführt und wiederverwendet werden. Dadurch würden die Rohstoffversorgung gesichert, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt, das Klima geschützt und zugleich die Baukosten stabilisiert. Besonders im Fokus stehen dabei digitale Werkzeuge. Laut Hubertz sollen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) künftig helfen, Materialströme transparenter zu machen und den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes besser planbar zu gestalten. Gleichzeitig kündigte die Bundesregierung an, den rechtlichen Rahmen weiterzuentwickeln und Innovationen gezielt zu fördern.

Bauwirtschaft begrüßt Reform der Ersatzbaustoffverordnung

Während die Bauwirtschaft wichtige Signale für mehr Ressourceneffizienz und Bürokratieabbau begrüßt, sieht sie bei zentralen Fragen noch erheblichen Nachbesserungsbedarf. So bewertet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) insbesondere die geplante Überarbeitung der Ersatzbaustoffverordnung als wichtigen Schritt. Diese Regelung gilt bislang als eine der größten Hürden für den verstärkten Einsatz von Recycling-Baustoffen im Tiefbau. „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesregierung die Ersatzbaustoffverordnung endlich nachbessern will“, betont ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Die bürokratischen Hürden und die Rechtsunsicherheit im Tiefbau haben den Einsatz von Recycling-Baustoffen oft eher gelähmt als gefördert.“ Darüber hinaus begrüßt die Bauwirtschaft die Absicht des Bundes, Nachhaltigkeitskriterien im öffentlichen Bauwesen stärker auf Kreislauffähigkeit auszurichten. Dadurch könnte die Nachfrage nach recycelten Baustoffen deutlich steigen.

Streitpunkt bleibt der Abfallstatus von Recycling-Baustoffen

Trotz der positiven Signale sieht der ZDB eine entscheidende Schwachstelle im Aktionsprogramm. Aus Sicht der Branche fehlt weiterhin eine rechtssichere Regelung, wann aufbereitete mineralische Baustoffe ihren Abfallstatus verlieren und als reguläre Produkte gelten. „Solange Sekundärbaustoffe bis zu ihrem Einbau rechtlich das Stigma des ‚Abfalls‘ tragen, wird es weiterhin erhebliche Akzeptanzprobleme auf dem Markt geben“, warnt Pakleppa. Auch die geplanten digitalen Instrumente wie Digitale Produktpässe oder ein Circular Economy Information Ecosystem bewertet die Bauwirtschaft differenziert. Sie könnten Prozesse vereinfachen, dürften aber nicht zu zusätzlichen Dokumentationspflichten führen. Nach Auffassung des ZDB müssen digitale Lösungen vor allem mittelständische Bauunternehmen entlasten und den Bürokratieabbau tatsächlich in der Praxis spürbar machen. Mit dem Aktionsprogramm setzt die Bundesregierung wichtige Impulse für mehr Kreislaufwirtschaft am Bau. Ob daraus ein echter Durchbruch für Recycling-Baustoffe entsteht, dürfte jedoch maßgeblich davon abhängen, wie konsequent die angekündigten Reformen in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Was bremst die Kreislaufwirtschaft am Bau wirklich aus?

Kommentare

0 0 Bewertungen
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse Übersicht 2026

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2026 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.