Rohr frei bis 2030 - Rohrleitungsbau mit besten Aussichten

News | Frank Kessler | 02.03.2021
Rohr frei bis 2030 - Rohrleitungsbau mit besten Aussichten
Foto: Roland Riethmüller

Die Umsätze im Rohrleitungs- und Kabelleitungstiefbau werden in den Jahren 2020 bis 2024 im Durchschnitt um 12,8 Prozent pro Jahr steigen und erreichen schätzungsweise 15,3 Milliarden Euro. Das sind die erfreulichen Aussichten, die eine aktuelle Studie über die Zukunft im Rohrleitungsbau ermittelt hat. Getrieben wird dieses Wachstum nicht zuletzt von den längst überfälligen Investitionen der Städte und Gemeinden in Deutschland.

Trotz der angespannten allgemeinen Wirtschaftslage entwickelt sich die Baukonjunktur in Deutschland sehr positiv. Vor allem im Bereich Rohrleitungsbau wird ein deutliches Umsatzplus erwartet. Das prognostiziert die Münchner Unternehmensberatung S&B Strategy in ihrer Kurzstudie "Rohr frei bis 2030". In der Entwicklung der einzelnen Branchensegmente sieht sie allerdings deutliche Unterschiede.

Unterschiedliches Wachstum im Kabelleitungstiefbau und Rohrleitungstiefbau

Demnach werden die Umsätze im Segment Kabelleitungstiefbau besonders stark wachsen: Hier lagen sie im Jahr 2020 bei 2,6 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2024 werden sie laut der Prognose mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 20,3 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro steigen. Getrieben wird dieses Wachstum durch den Glasfaserausbau sowie den Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Rohrleitungstiefbau ist das deutlich umsatzstärkere Segment im Rohrleitungsbau. Der Umsatz wächst in den kommenden Jahren aber weniger stark. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Rohrleitungstiefbau 6,8 Milliarden Euro. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 9,4 Prozent wird der Umsatz bis zum Jahr 2024 auf 9,8 Milliarden Euro ansteigen. Wachstumstreiber sind laut der Studie in diesem Segment die Sanierungen der alten Infrastruktur sowie Energiewende-Projekte, für die beispielsweise Fernwärmerohre benötigt werden.

Die Märkte im Rohrleitungsbau sind sehr unterschiedlich

Im Rohrleitungstiefbau sehen die Studienautoren Eintrittsbarrieren durch hohe regulatorische Anforderungen. Durch sie herrschen in diesem Segment eine geringere Wettbewerbsintensität sowie ein geringerer Preisdruck als beim Kabelleitungstiefbau, wo die Verhältnisse anders sind. Da der Glasfaserausbau in den letzten Jahren verstärkt dereguliert wurde, sind im Kabelleitungstiefbau neue Akteure auf dem Markt aufgetaucht. Das hat einen Preisdruck verursacht. Viele Aufträge für den Rohrleitungsbau dürfte der aufzulösende Investitionsstau der Städte und Gemeinden bringen. Er liegt laut Angaben der Unternehmensberater bei 160 Milliarden Euro. Die größte Herausforderung ist deshalb nicht eine mangelnde Nachfrage. Laut S&B Strategy-Partner Christoph Blepp sei es vielmehr schwierig, überhaupt ein Unternehmen mit freien Kapazitäten für Aufträge zu finden. Denn der Fachkräftemangel macht sich im Rohrleitungsbau trotz gute Jobchancen bei bester Bezahlung ganz besonders bemerkbar.

Eine weitergehende Professionalisierung birgt Chancen

Unterschiede sieht S&B Strategy auch in den Anforderungen öffentlicher und privater Auftraggeber an Akteure im Rohrleitungsbau. Da bei den öffentlichen Projekten meist Ausschreibungspflicht herrscht, sei der Preis ein zentrales Kriterium bei der Entscheidung für einen Anbieter. Dagegen zählen bei privaten Aufträgen eher "Verfügbarkeit, Anwendungs-Know-how und ein breites Angebotsportfolio in Planung und Ausführung". Bei komplexen Neubauprojekten dominieren laut S&B Strategy "Anbieter mit breitem Produkt- und Serviceportfolio und überregionaler Projekterfahrung". Ein großes Wachstumspotenzial für die Akteure auf dem Markt bietet aus ihrer Sicht "die Professionalisierung der internen Prozesse und des Ausschreibungsmanagements". Das Wettbewerbsumfeld im Rohrleitungsbau wird in zehn Jahren "von großen überregionalen, spezialisierten Anbietern und lokalen, reaktiven Unternehmen geprägt sein", schreiben sie. Um hier zu bestehen, werden für viele Unternehmen im Rohrleitungsbau Veränderungen nötig sein.

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