Rohstoffe knapp? Wie Urban Mining das Bauen revolutioniert

Foto: Porr

Die Bauwirtschaft steht vor einer paradoxen Situation: während Rohstoffe immer knapper werden, stammt über die Hälfte des deutschen Mülls aus Bau- und Abrissprojekten. Daher gewinnt das Konzept Urban Mining immer stärker an Bedeutung. Durch gezielten Rückbau mit ortsnahem Recycling der Materialien können wertvolle Sekundärrohstoffe wiederverwendet werden. So lassen sich Ressourcen schonen, Abfall reduzieren und die Umwelt nachhaltig entlasten. Ein aktuelles Bauprojekt zeigt eindrucksvoll, wie aus Bauschutt wertvolle Baustoffe für zukünftige Bauvorhaben werden.

Die Baubranche zählt einerseits zu den größten Verwendern von Rohstoffen und andererseits zu den größten Verursachern von Abfall. So stammt beispielsweise etwas über die Hälfte des deutschen Müllaufkommens aus Bau- und Abbruchprojekten. Angesichts der zunehmenden Verknappung von Ressourcen und der ökologischen Belastungen durch Abfallentsorgung wird deutlich, dass traditionelle Bau- und Abrissmethoden langfristig kaum mehr tragbar sind. Daher gewinnt das Konzept vom Urban Mining immer mehr an Bedeutung. Bei diesem innovativen Lösungsansatz wird bei der Rohstoffbeschaffung für Neubauprojekte nicht auf endliche Rohstoffvorkommen zurückgegriffen. Stattdessen werden Materialien aus bestehenden urbanen Strukturen wie Gebäuden und Infrastrukturen recycelt und wiederverwendet. Dieser Prozess ermöglicht es, wertvolle Sekundärrohstoffe zu gewinnen, den Ressourcenverbrauch zu senken und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Urban Mining ist somit ein entscheidender Schritt hin zu einer zirkulären Bauwirtschaft und einer nachhaltigen Ressourcennutzung.

Urban Mining schont die Umwelt 

Denn beim Abbruch von einem Gebäude fällt reichlich Bauschutt an. Es handelt sich allerdings dabei aber um wertvolle Rohstoffe, die als Material für neue Bauvorhaben verwendet werden können. Damit dieser Bauschutt wiederverwendet werden kann, werden im ersten Schritt beispielsweise Gipstrennwände oder Abhangdecken ausgebaut und recycelt. Nach einer eventuellen Schadstoffsanierung kommt es dann zum Abbruch, bei dem Metalle entfernt und aussortiert werden. Die mineralischen Massen werden in Mischfraktionen aus Kalksandsteinen, Leichtbeton und Beton getrennt. Nach der Zerkleinerung des Betons wird dieser entweder als Baustoff vor Ort oder für andere Bauprojekte verwendet. Alternativ wird der Betonbruch in die Betonwerke gebracht und zur Herstellung von neuem Beton verwendet. Holz und Glas wird als Rohstoff für die Glasindustrie oder für Holzverbundwerkstoffe eingesetzt. Durch Urban Mining wird folglich der Bedarf an Primärrohstoffen reduziert. Dies trägt zur Schonung natürlicher Ressourcen bei. Urban Mining verringert aber auch den Energieverbrauch und verursacht weniger CO2-Emissionen. Gleichzeitig werden die Deponien entlastet, denn Rückbaustoffe sind kein Abfall.

Ein Beispiel aus der Praxis

Urban Mining nahm auch beim Projekt Rathaus in Korbach eine wesentliche Rolle ein. Durch einen selektiven Rückbau und durch ein ortsnahes Recycling wurden viele Materialien aus dem 70er-Jahre-Bau wiederverwendet. So konnten wertvolle Rohstoffe eingespart werden. Das dafür beauftragte Bauunternehmen Porr konnte dabei gleichzeitig alle Nachhaltigkeitsanforderungen realisieren. Die Abbruchmassen, die zuvor aufbereitet wurden, konnten zum Beispiel bei der Verfüllung von Fundamenten eingesetzt werden. „Die Porr ist eine Vorreiterin im Bereich des nachhaltigen Rückbaus und Urban Mining“, bestätigt Sebastian Grimm, Niederlassungsleiter Gütersloh Porr Hochbau West. „Mit dem Projekt ‘Rathaus Korbach’ zeigt sie, welche Möglichkeiten es im Bereich Aufbereitung und Wiederverwendung von Rohstoffen gibt.“

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