Rückblick auf das Bauhandwerk im Jahr 2015

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Foto: Roland Riethmüller

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende und Weihnachten steht wieder einmal vor der Tür.  Die Redaktion Meistertipp möchte sich für die große Treue der Leser bedanken und wie in den letzten Jahren noch einmal alle großen Themen des Jahres im Bauhandwerk zusammenfassen. Mit dem Rückblick auf das Jahr 2015 werden auch wir ein paar Tage Ruhe einleiten und Kraft für das nächste Jahr schöpfen. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Das Jahr 2015 stand eindeutig im Zeichen der Digitalisierung am Bau. Durch die wachsende Anzahl gescheiterter Großprojekte mit immer größeren Kosten- und Zeitüberschreitungen stieg auch der Druck auf die Politik.

Viele Probleme bei Großprojekten sind hausgemacht

Denn ob beim Berliner Großflughafen BER mit einer Problemspirale aus 10 Gründen oder der Hamburger Elbphilharmonie mit ihren Fehlern, bei vielen Großprojekten waren die Schäden hausgemacht. Eine Umfrage unter Architekten hat sogar eine Top 3 der gescheiterten Großprojekte hervorgebracht, die möglicherweise besser abgerissen werden sollten. Daher war es von großer Bedeutung, dass Mitte des Jahres die Reformkommision Großprojekte endlich ihren Abschlussbericht mit einem 10-Punkte-Aktionplan für Großprojekte vorlegen konnte.

Digitales Bauen mit BIM

Wichtigste Erkenntnis aus dem Bericht war die Empfehlung zur Nutzung von Building Information Modeling (BIM). Während Architekten bereits rudimentär damit arbeiten, steht dies der Bauwirtschaft noch bevor. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat daher die verbindliche Einführung von BIM bis 2020 zur Chefsache erklärt.

Auch das Bauhandwerk rüstet sich für Digitalsierung

Doch auch im Eigenheimbau ist die Anzahl der Baumängel gestiegen und bietet eine große Chance für den Einsatz von BIM. Allerdings ist die Baubranche noch weit vom digitalen Bauen entfernt. Der erste Internet-Marketing-Tag fürs Handwerk hat allerdings gezeigt, dass das Interesse groß ist. Ob BIM oder die digitale Reputation, auch für das Bauhandwerk ist die Digitalisierung am Bau sehr wichtig.

Welche Innovationen revolutionieren den Bau?

Neben der Digitalisierung wurde in 2015 auch über Innovationen kontrovers diskutiert. Kann etwa ein Mörtelpad die Baubranche revolutionieren? Bringt ein selbstheilender Beton die Lösung? Nachweislich ist schadstoffarmes Bauen bereits zu einem Megatrend geworden, über den nicht mehr groß diskutiert werden muss. Doch auch Textilbeton bietet zahlreiche Vorteile und gilt am Bau als extrem resourcenschonend. So konnte die Weiterentwicklung Carbonbeton schon zwei renommierte Nachhaltigkeitspreise gewinnen. Da steht das Thema Beton aus dem 3D-Drucker noch ganz am Anfang der Entwicklung. Zwar kommen bereits erste Bauprodukte tatsächlich aus dem 3D-Drucker, doch bis zur Massenfertigung wird es noch dauern. Im Straßenbau gestaltet sich die Situation anders: Hier gibt es zwar mit dem Flüsteraspalt eine bedeutende Innovation, doch rechnet sich die Branche kaum Chancen dafür aus.

Das klassische Bauhandwerk im Wandel

Im Wandel befindet sich jedoch nicht nur der Markt der Bauprodukte. Auch das klassische Bauhandwerk diskutiert über Veränderungen, wie dem Phänomen der “Mobilen Generalisten”. Während die einen von Kosteneffizienz sprechen, fordern die anderen gar die Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Gewerken. Für sie ist klar, dass die Solo-Selbständigen oftmals unter Mindestlohn arbeiten und vor allem weniger kompetent sind. Fakt ist jedenfalls, dass Meister seltener arbeitslos und deshalb auch schwerer nachzubesetzen sind.

Flüchtlinge als Chance

Aus diesem Grund werden auch immer wieder Diskussionen über die Arbeitsfähigkeit von Flüchtlingen geführt. Denn während sich überall der Fachkräftemangel negativ auf die Ausführung auswirkt, strömen immer noch unzählige Flüchtlinge nach Deutschland. Viele Betriebe sehen jedoch nur indirekt eine Chance für das Bauhandwerk, nämlich als Auszubildende und Hilfsarbeiter. Aber dennoch bietet die Flut an Asylbewerbern eine große Chance für die Bauwirtschaft. So wird natürlich auch Wohnraum für die Flüchtlinge benötigt, um sie kurz- und mittelfristig unterzubringen.

Weitere Einflüsse für das Bauhandwerk

Ob ÖPP oder Meisterpflicht, das Bauhandwerk wird nur mit den richtigen Rahmenbedingungen weiterhin der Motor der Volkswirtschaft bleiben. Dazu zählt auch, dass möglichst bald die kaufrechtliche Mängelhaftung am Bau reformiert wird und die Probleme mit den öffentlichen Ausschreibungen gelöst werden. Auch gilt es, mehr Anreize zu schaffen, damit die energetische Sanierung wieder rentabel wird.

Doch alles diese Themen werden in den kommenden anderthalb Wochen in den Hintergrund rücken. Bis zum neuen Jahr steht die Familie im Vordergrund. Dazu wünschen wir Ihnen frohe Weihnachten im Kreise Ihrer Liebsten. Genießen Sie die freie Zeit und starten Sie erfolgreich ins Neue Jahr. Auch die Redaktion Meistertipp wird sich eine kurze Zeit der Besinnung gönnen und steht ab 4. Januar wieder für Sie zur Verfügung.

Weitere Informationen:
Die Jahresrückblicke 2014, 2013, 2012 und 2011