Rückgang der Kreditzusagen bedroht Klimaziele

News | Jennifer Brandt | 04.10.2016
Bild zu: Rückgang der Kreditzusagen bedroht Klimaziele
Foto: Roland Riethmüller

Zum Schutz vor einem Immobiliencrash wie in den USA hat die Europäische Union eine Wohnimmobilienkreditrichtlinie verabschiedet. Doch die deutsche Umsetzung ist deutlich restriktiver als es in Brüssel gefordert wird. Dadurch erhalten heute immer weniger Menschen Kreditzusagen, was dem Verbraucherschutz widerspricht. Das bedroht junge Familien bei der energetischen Sanierung und Senioren beim altersgerechten Umbau.

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie am 21. März 2016 wurden Kreditinstitute verpflichtet, die Bonität der Kreditnehmer genauer zu prüfen. Kredite dürfen demnach nur noch an Personen vergeben werden, die über die gesamte Laufzeit zur Rückzahlung des Kredits in der Lage sind. Denn andernfalls müssen die Kreditinstitute selbst dafür haften.

Umsetzungsgesetz widerspricht dem Verbraucherschutz

Doch während die von der Europäischen Union zugrunde gelegte Richtlinie 2014/17/EU den Verbraucherschutz im Bereich der Kreditvergabe für Wohnimmobilien stärken wollte, widerspricht die deutsche Umsetzung dem Verbraucherschutz. „Der anvisierte Verbraucherschutz wird darin leider konterkariert und schießt somit über das eigentliche Ziel hinaus. Die Folge daraus sind eine stark eingeschränkte Kreditvergabe sowie eine Benachteiligung von mehreren Verbrauchergruppen wie jungen Familien und Senioren“, erklärt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH).

Rückgang Kreditzusagen bei Senioren und Familien

Denn eines wird heute bereits deutlich: Die restriktive Kreditvergabe von Wohnimmobilienkrediten führt bereits zu einem deutlichen Rückgang der Darlehenszusagen im zweiten Quartal diesen Jahres. Laut der Verbände der Genossenschaftsbanken (BVR) und Sparkassen (DSGV) leiden vor allem junge Menschen und Familien sowie Senioren unter den verschärften Kreditwürdigkeitsprüfungen.

Altersgerechter Umbau und energetische Sanierung in Gefahr

So werden vor allem Senioren Kredite zum altersgerechten Umbau oder der energetischen Sanierung verwehrt, wenn die vollständige Tilgung nicht innerhalb der statistischen Lebenserwartung zu leisten ist. Dabei hat nicht einmal Einfluss, wenn der Wert der Immobilie oder des Grundstücks die Restschuld deutlich übersteigt. Doch auch junge Menschen und Familien werden bei der Kreditwürdigkeitsprüfung benachteiligt, wenn sie befristete Arbeitsverträge haben oder Eltern- und Erziehungszeiten in Anspruch nehmen. Denn auch Bürgen wie beispielsweise die Eltern der Kreditnehmer sind nicht zulässig.

Seriöse Baufinanzierung ohne Behinderung gefordert

„Die Kreditvergabe zum Erwerb einer Immobilie durch junge Menschen und Familien ist von besonderer Bedeutung, denn Wohneigentum dient als Altersvorsorge und auch zur Entlastung des angespannten Miet- und Wohnungsmarktes in Deutschland“, erklärt Klaas und fordert zusammen mit BVR und DSGV eine seriöse Baufinanzierung, die nicht von ausufernden Anforderungen an die Kreditwürdigkeit behindert wird. Denn schließlich ist auch die energetische Sanierung des Gebäudebestands eine zentrales klimapolitisches Ziel der Bundesregierung, das durch weitere Kreditzusagen gestärkt werden könnte. Auch der altersgerechte Umbau von Seniorenhaushalten wird langfristig ein gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die frühzeitig thematisiert werden muss.

Daher fordern die Verbände die Überarbeitung des deutschen Umsetzungsgesetzes, um die Spielräume der EU-Richtlinie zu nutzen. Neben der Berücksichtigung des Wertes der Immobilie sollten auch unbestimmte Rechtsbegriffe bei den Vorschriften zur Kreditwürdigkeitsprüfung schnellstmöglich korrigiert werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Das könnte Sie auch interessieren.