Rückvermeisterung könnte Fachkräftemangel verschärfen

News , 17.12.2018 , Frank Kessler Rückvermeisterung könnte Fachkräftemangel verschärfen
Foto: Roland Riethmüller

Jahrelang hatte sich das Handwerk dafür eingesetzt, in bisher zulassungsfreien Gewerken die Meisterpflicht wieder einzuführen. Nun diskutiert die große Koalition und der Bundestag wieder über dieses Thema. Doch die Auswirkungen und Erfolgsaussichten sind nicht ganz unstrittig. So sehen Kritiker in einer solchen Rückvermeisterung eine Verschärfung des Fachkräftemangels, Einschränkungen des Angebotes in den betroffenen Branchen und letztliches juristisches Scheitern.

Im Jahr 2004 wurde die Handwerksordnung in Deutschland novelliert. Dadurch entfiel in 53 Gewerken die Meisterqualifikation als zwingende Voraussetzung zur Gründung eines Handwerksbetriebs. Hintergrund dieser Liberalisierung war tatsächlich der Wunsch, durch die Senkung der Eintrittsbarrieren das Handwerk anzukurbeln. Doch schnell bewies sich, dass die gut gemeinte Idee einige Nebenwirkungen zeigte. So stieg die Zahl der Solo-Selbständigen und mit ihr die Scheinselbständigkeit. Diese abhängige Selbständigkeit bedeutete wiederum eine Ausbeutung der Facharbeiter und auf der anderen Seite Benachteiligung der rechtschaffenen Betriebe. Darüber hinaus sank ebenfalls die Zahl der Ausbildungsbetriebe dramatisch. Diese und einige weitere Gründe führten letztendlich dazu, dass der Ruf nach Wiedereinführung der Meisterpflicht lauter wurde.

Förderung des Fachkräftemangels durch Verknappung

Nachdem sich mittlerweile die Politik wieder mit dem Thema Rückvermeistertung beschäftigt, melden sich auch die Kritiker der generellen Meisterpflicht zu Wort. So zum Beispiel der Berufsverband der unabhängigen Handwerkerinnen und Handwerker (BUH), der konsequent von einem “Meisterzwang” spricht. Im Rahmen der aktuellen Diskussion wirft demnach BUH-Vorstand Jonas Kuckuk dem Handwerk vor, mit der erneuten Einführung eines exklusiven Meisterstandes wieder eine geschlossene Gesellschaft aus der Handwerkerschaft machen zu wollen. "Weder private noch gewerbliche Kunden haben von einer restaurierten Meisterpflicht etwas Gutes zu erwarten”, erklärt Kuckuk. “Niemand will sich in Zeiten des Fachkräftemangels ein ohnehin knappes Angebot zum Wohle einiger privilegierter Meisterbriefinhaber weiter einschränken lassen."

Rückvermeisterung schadet nicht nur der Entwicklung des Handwerks

Konkret sieht Kuckuk durch eine Rückvermeisterung das Wachstum nicht nur im Handwerk, sondern auch in der gesamten Wirtschaft gefährdet. So könne man am Beispiel des Gebäudereinigerhandwerks besonders gut nachvollziehen, wie positiv sich die Abschaffung des Meisterpflichts auf das Wachstum der Branche ausgewirkt habe. Deshalb bedeutet der Wunsch zur Wiedereinführung der Meisterpflicht eine zusätzliche Gefahr für die weitere Konjunkturentwicklung. Diese sei ohnehin schon durch Zoll- und Handelskriege unter Druck geraten. Darüber hinaus würde sich das Angebot an Handwerkerleistungen durch Verschärfung des Fachkräftemangels wieder verknappen, während auf der anderen Seite lediglich einige Meisterbriefinhaber privilegiert würden.

Wiedereinführung der Meisterpflicht laut BUH rechtlich unzulässig

Kuckuk nahm auch Stellung zu den vorgelegten Gutachten, welche die rechtliche Zulässigkeit der Wiedereinführung einer Meisterpflicht unterstützen. Anhand der von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen und Fakten sei klar zu erkennen, dass in die Richtung dieser Gutachten weisende politische Beschlüsse auch vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben werden.

Auch erwartet der BUH-Vorstand , dass die Kunden Einschränkungen des Angebotes an Handwerkerleistungen freiwillig nicht mehr hinnehmen werden. Nicht zuletzt deshalb seien laut Kuckuk die Entscheider in Bundestag und der Großer Koalition gut beraten, den aktuellen Vorschlägen zur Wiedereinführung des Meisterzwangs in jetzt davon befreiten Handwerksberufen zu widerstehen. Nur so könnten die politischen Entscheidungsträger vermeiden, sich durch Beschlüsse zu Gunsten einer Rückvermeisterung juristischen Niederlagen sowie der Kritik von Verbrauchern, Gewerbe und Industrie auszusetzen.