Rückvermeisterung reduziert Betriebe stärker als Corona

News | Frank Kessler | 27.10.2020
Rückvermeisterung reduziert Betriebe stärker als Corona
Foto: Roland Riethmüller

Hat die Corona-Pandemie oder eher die wiedereingeführte Meisterpflicht einen größeren Einfluss auf die Ein- und Austragungen in den Handwerksrollen? Dieser Frage nach der Betriebsdynamik und Resilienz, also der Fähigkeit zur Krisenbewältigung, ist kürzlich ein Forscherteam nachgegangen. Laut Studie sank die Gesamtzahl der Einträge im Betrachtungszeitraum. Dafür ist aus Sicht des Forschungsteams die wiedereingeführte Meisterpflicht Hauptursache, nicht jedoch für die ebenso gesunkene Zahl der Austragungen.

"Resilientes Handwerk? Auswirkungen der Corona-Krise und der Rückvermeisterung auf die Betriebsdynamik", so heißt die aktuelle Studie des aus Katarzyna Haverkamp, Petrik Runst und Till Proeger bestehenden Forscherteams am Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen). Sie verzeichnet für den Verlauf des Jahres 2020 bis August einen deutlichen Eintragsrückgang verglichen mit denselben Zeiträumen im Vorjahr. Laut der Studie sank die Zahl der Eintragungen im Zeitraum von Januar bis zum August 2020 um acht Prozent. Nimmt man nur den Zeitraum von März bis August, lag der Rückgang sogar bei 14 Prozent. Das lässt einen Einfluss der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns auf die Betriebsdynamik vermuten. Den sehen auch die Forscher, bezeichnen ihn jedoch als eine sekundäre Ursache. Primär sei die geringere Zahl auf die Novellierung der Handwerksordnung mit einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken im Handwerk zurückzuführen.

Rückvermeisterte Handwerke: Einträge sinken um 70 Prozent

Den Einfluss der novellierten Handwerksordnung auf die Eintragszahlen stützen die Göttinger Forschenden ebenfalls mit Zahlen aus ihrer Studie. So sei die Zahl der Eintragungen bei den zur Meisterpflicht zurückgekehrten Handwerken (rückvermeisterte Handwerke) gegenüber dem Vorjahreszeitraum (März-August) um 70 Prozent gesunken. Dagegen gab es bei den seit dem Jahr 2004 ununterbrochen zulassungspflichtigen Handwerken mit einem Minus von sieben Prozent eine viel geringere Betriebsdynamik. Die weiterhin zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Gewerke (Handwerke der Anlagen B1 und B2) erreichten gar Werte über denen des Vorjahres.

Größter Rückgang im Ausbaugewerbe

Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Einträge in den verschiedenen Handwerkszweigen, zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede: So gab es in den Ausbauhandwerken von März bis August 2020 (gegenüber Vorjahresperiode) mit minus 33 Prozent den stärksten Rückgang. Das Lebensmittelgewerbe kam auf minus 25 Prozent, das Baugewerbe auf plus/minus Null. Die Handwerke für den privaten Bedarf kamen auf minus drei, die für den gewerblichen Bedarf auf plus ein Prozent.

Bei den Austrägen sinken die Zahlen ebenfalls

Der Blick auf die Betriebsdynamik bei den Austragungen aus der Handwerksrolle zeigt ebenfalls eine sinkende Tendenz. Hier gab es im Jahr 2020 ein Minus von 21 Prozent und von März bis August einen Rückgang von 25 Prozent. Hierbei stechen ebenfalls die rückvermeisterten Betriebe mit einem Minus von 35 Prozent hervor. Die Handwerke der Anlagen B1 und B2 erreichten minus 27 beziehungsweise minus 22 Prozent, sowie die seit dem Jahr 2004 meisterpflichtigen Handwerke ein Minus von 18 Prozent. Hier vermutet das Forschungsteam primäre Ursachen bei rechtlichen Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Krise und nur sekundäre in der novellierten Handwerksordnung.

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