Eine neue Auswertung der Bauverbände NRW bringt Bewegung in die Debatte um die geplante Sand- und Kiesabgabe: RC-Baustoffe sind im Median über 60 Prozent günstiger als Primärmaterialien. Die Branche warnt daher vor einer weiteren Verteuerung von Sand und Kies, die Baukosten zusätzlich in die Höhe treiben würde. Statt neuer Abgaben fordert sie die rechtliche Gleichstellung von Recyclingbaustoffen – als Schlüssel für nachhaltigeres und wirtschaftlicheres Bauen in NRW.
Die geplante Sand- und Kiesabgabe der nordrhein-westfälischen Landesregierung sorgt seit Jahren für Unruhe in der Bauwirtschaft. Mit der Abgabe auf Primärrohstoffe sollen der Abbau begrenzt und die Nachfrage nach Recyclingbaustoffen (RC-Baustoffe) angekurbelt werden. Doch die Branche sieht in den Plänen weniger ein Steuerungsinstrument als eine einseitige Belastung. Eine neue Erhebung der Bauverbände NRW zeigt nun, dass RC-Material ohnehin schon einen erheblichen Preisvorteil gegenüber Primärmaterialien besitzt. Eine zusätzliche Verteuerung von Sand und Kies wäre demnach kontraproduktiv. So legten die Bauverbände NRW nach monatelangen Diskussionen um Degression und Rohstoffknappheit erstmals konkrete Vergleichsdaten vor. 21 Betriebe aus Straßen-, Tief- sowie Garten- und Landschaftsbau hatten Preisabfragen vorgenommen: 25 Tonnen güteüberwachtes RC-1-Material (0/45) wurden im Median mit 8,50 Euro pro Tonne angegeben, während Primärmaterialien wie Basalt, Kalkstein oder Grauwacke im Durchschnitt 22,00 Euro pro Tonne kosteten. Das entspricht einem Preisvorteil von rund 62 Prozent zugunsten der Recyclingbaustoffe. Trotz regionaler Unterschiede und schwankender Verfügbarkeiten bleibt das Ergebnis deutlich: RC-Baustoffe sind derzeit erheblich günstiger als natürliche Rohstoffe.
Keine Lenkungswirkung durch Verteuerung von Primärrohstoffen
„Damit ist doch klar: Eine zusätzliche Verteuerung von Sand und Kies über Abgaben würde keine Lenkungswirkung entfalten, sondern lediglich die Kosten auf Auftraggeber und Steuerzahler verlagern“, betont Bernhard Baumann, Hauptgeschäftsführer der Bauverbände NRW. Statt Anreizen für den Einsatz von Recyclingmaterial entstünde damit ein weiterer Kostendruck auf öffentliche und private Bauprojekte. Bereits jetzt kämpft die Branche mit gestiegenen Materialpreisen, Fachkräftemangel und hohen Energie- und Transportkosten. Eine neue Abgabe könnte die Baukosten weiter in die Höhe treiben und Investitionen bremsen. Auch aus der Praxis kommt deutliche Kritik. „Natürlich ist RC-Material heute schon wirtschaftlicher – es wird aber zu selten eingesetzt, weil öffentliche Auftraggeber fälschlich Sicherheitsbedenken haben oder die Anwendungsszenarien der Ersatzbaustoffverordnung nicht kennen“, erklärt Joachim Selzer, Vorsitzender des Straßen- und Tiefbauverbandes Nordrhein-Westfalen.
Unsicherheit bremst Recyclingpotenziale der RC-Baustoffe
Die Ersatzbaustoffverordnung legt für alle Einbauszenarien klare Grenzwerte und technische Anforderungen fest. Güteüberwachte RC-Materialien erfüllen diese Vorgaben, sind umweltverträglich und bautechnisch geeignet. Dennoch greifen viele Vergabestellen weiterhin bevorzugt auf Primärrohstoffe zurück – meist aus Unsicherheit oder mangelnder Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Statt geplanter Sand- und Kiesabgabe: Gleichstellung als Schlüssel zur Ressourcenschonung
Die Bauverbände fordern daher eine konsequente Gleichstellung von Recyclingbaustoffen mit Primärmaterialien. Zentral sei eine klare „Abfallende-Regelung“, die güteüberwachte RC-Materialien rechtlich als Produkt anerkennt. Erst so könne das öffentliche Beschaffungswesen die vorhandenen Potenziale ausschöpfen und zur Schonung natürlicher Ressourcen beitragen. Eine solche Reform wäre ein entscheidender Schritt hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und zugleich ein Beitrag zur Kostensenkung im Straßen- und Tiefbau.

















