Schattenwirtschaft auf geringstem Niveau seit Jahren

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Foto: Roland Riethmüller

Die Schattenwirtschaft belastet Staat, Unternehmen und Beschäftigte. Doch die günstigen Rahmenbedingungen senken die Attraktivität. Durch den legalen Beschäftigungsanstieg und das anhaltende Wirtschaftswachstum reduziert sich das Ausmaß erneut um ca. ein Prozent. Damit liegt das Verhältnis der Schattenwirtschaft zur offiziellen Wirtschaft so gering wie lange nicht mehr. Auch der Einfluss der Flüchtlinge ändert diese Prognose nicht.

Leider gibt es immer wieder einzelne Personen oder auch Betriebe, die sich zu ihrem Vorteil nicht an geltendes Recht halten. Egal ob Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung oder sonstige illegale Praktiken, die Schattenwirtschaft schädigt den Staat und benachteiligt Betriebe und Arbeitnehmer.

Schattenwirtschaft um gut 3 Milliarden Euro zurückgegangen

Der Schattenwirtschaftsexperte Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz hat das Thema näher untersucht und gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen eine aktuelle Prognose zur Schattenwirtschaft in Deutschland vorgelegt. Demnach ist der Umfang der Schattenwirtschaft gegenüber dem Vorjahr um gut 3 Milliarden Euro zurückgegangen und wird für 2016 bei 336 Milliarden Euro erwartet.

Lediglich gestiegene Krankenkassenbeiträge fördern Schattenwirtschaft

Der Rückgang wird durch die anhaltend günstige Wirtschaftslage begründet. Gestiegene Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in der offiziellen Wirtschaft senken die Bereitschaft zur Tätigkeit in der Schattenwirtschaft. Lediglich der gestiegene Beitragssatz vieler Krankenkassen gibt einen Anreiz zur Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung, um die erhöhten Sozialversicherungsbeiträge zu umgehen. Laut der Modellrechnung führt dieser Effekt zu einem verhältnismäßig geringen Anstieg der Schattenwirtschaft um ca. 300 Millionen Euro.

Flüchtlinge und Schattenwirtschaft

Der Einfluss von Flüchtlingen auf die Schattenwirtschaft lässt sich hingegen noch nicht verlässlich darstellen. Obwohl zahlreiche arbeitsfähige Personen auf den Arbeitsmarkt drängen, ist die Zusammensetzung des Flüchtlingsstroms noch relativ unklar. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist mit einer Erhöhung des legalen Erwerbspersonenpotentials um 380.000 Personen zu rechnen. Zusammen mit den Personen aus laufenden oder abgelehnten Asylverfahren kommt Schneider auf insgesamt ca. 800.000 Personen im erwerbsfähigen Alter.

Sollten davon 25 Prozent in der Schattenwirtschaft eine Beschäftigung finden, so wird unter Berücksichtigung einer Entlohnung von 5 Euro pro Stunde bei einem Arbeitsumfang von 20 Stunden pro Woche mit einer zusätzlichen Wertschöpfung von knapp 1,5 Milliarden Euro gerechnet. Dieser Anteil liegt jedoch immer noch unter dem gesamten Rückgang der Schattenwirtschaft.

International liegt Deutschland knapp unter dem Durchschnitt

Damit befindet sich Deutschland im Vergleich mit anderen OECD-Ländern im hinteren Mittelfeld. Das Verhältnis der Schattenwirtschaft zum offiziellen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 10,8 und liegt leicht unter dem Durchschnitt von 11,9. An der Spitze der Staaten mit hoher Schattenwirtschaft stehen die südeuropäischen Länder Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit Werten zwischen 17 und 22 Prozent vom offiziellen Bruttoinlandsprodukt. In den USA und der Schweiz ist das Niveau der Schattenwirtschaft mit 5,6 und 6,2 Prozent am geringsten. Für 2016 wird mit einem weiteren Rückgang der Schattenwirtschaft in den meisten OECD-Ländern gerechnet.

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