Schimmelbildung? Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 schützt vor Klagen

News | Stephan Gruber | 09.11.2010
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Bauschaden durch unsachgemäßes Lüften!

Als Bauhandwerker gehen Sie bei Neubau und Sanierung ohne einen Beleg für ein Lüftungskonzept im Schadensfall ein hohes Risiko ein. Im Mai 2009 ist ganz still und leise die Novellierung der Din 1946-6 Lüftungen in Wohngebäuden in Kraft getreten. Durch die immer häufiger werdenden Klagen wegen Schimmelbildung nach Sanierungen und auch in Neubauten gewinnt diese eine ziemliche Bedeutung. Nach deren Einführung kehrt sich nun erstmals die "Beweislast" bei Schimmelbildung in Wohnungen um.

Mussten bisher die Mieter nachweisen, dass sie richtig gelüftet haben, so liegt es nun an den Vermietern oder Eigentümern nachzuweisen, dass ein schlüssiges Lüftungskonzept erstellt wurde. Der Vermieter wiederum kann sich an die bauausführenden Firmen, oder im Falle eines Planers an diesen wende. Schlägt der Nachweis fehl, handelt es sich nun um einen Baumangel. Bei Sanierungen tritt die Nachweispflicht schon beim Tausch von 1/3 der Fenster auf, beim EFH beim Dämmen von 1/3 der Dachfläche in Kraft.

Wegen der heute vorgeschriebenen energiesparenden Bauweise, sind die Haushüllen so dicht, dass bei üblichem Lüftungsverhalten nicht genügend neue Luft nachströmt. Die Folgen können Feuchteschäden, Schimmelbefall und Schadstoffanreicherungen in der Raumluft sein. Die verschiedenen Regelwerke u.a. EnEV, DIN 4108-2, DIN 1946-6 forderten gleichzeitig eine dichte Gebäudehülle und die Sicherstellung eines Mindestluftwechsels. Damit standen sie scheinbar im Widerspruch zueinander. Bisher blieb offen, wie diese Mindestlüftung erfolgen muss: manuell durch den Nutzer oder durch eine Lüftungsanlage?

Die nachzuweisenden Luftvolumenströme sind in 4 Stufen gegliedert:

Lüftung zum Feuchteschutz

Lüftung in Abhängigkeit vom Wärmeschutzniveau des Gebäudes zur Gewährleistung des Bautenschutzes (Feuchte) unter üblichen Nutzungsbedingungen bei teilweise reduzierten Feuchtelasten (z. B. zeitweilige Abwesenheit der Nutzer, Verzicht auf Wäschetrocknen). Diese Stufe muss gemäß Norm ständig und nutzerunabhängig sicher gestellt sein.

Reduzierte Lüftung

Zusätzlich notwendige Lüftung zur Gewährleistung des hygienischen Mindeststandards (Schadstoffbelastung) und Bautenschutzes bei zeitweiliger Abwesenheit des Nutzers. Diese Stufe muss weitestgehend nutzerunabhängig sicher gestellt sein.

Nennlüftung

Beschreibt die notwendige Lüftung zur Gewährleistung der hygienischen und gesundheitlichen Erfordernisse sowie des Bautenschutzes bei Normalnutzung der Wohnung. Der Nutzer kann hierzu teilweise mit aktiver Fensterlüftung herangezogen werden.

Intensivlüftung

Dient dem Abbau von Lastspitzen (z. B. durch Kochen, Waschen) und auch hier kann der Nutzer teilweise mit aktiver Fensterlüftung herangezogen werden.

Reicht die Luftzufuhr über Gebäudeundichtheiten nicht aus, um die Lüftung zum Feuchteschutz sicher zu stellen, müssen lüftungstechnische Maßnahmen vorgesehen werden. Selbst bei strikter Einhaltung der Vorgaben kann es sein, dass für die Herstellung eines hygienischen Raumklimas die notwendige aktive Fensterlüftung, die sich auch aus dem Lüftungskonzept ergibt, als unzumutbar eingeschätzt wird. So stufen zum Beispiel die Gerichte zunehmend bei ganztägig berufstätigen Nutzern bereits ein zweimaliges Stoßlüften am Tag als kritisch bzw. als nicht zumutbar ein.

Kritisch wird die Lage auch bei milden Wintern, bei Windstille und in den Übergangsjahreszeiten. Die geringeren Temperaturunterschiede zwischen Wohnungs- und Außenluft verlangsamen den Luftaustausch. Reicht ein 10-minütiges Lüften bei kaltem Wetter aus, um die Raumluft einmal komplett auszuwechseln, reduziert sich die Luftwechselrate bei milderen Temperaturen drastisch. Schon bei 0° Celsius können aus hygienischer Sicht deutlich mehr Lüftungen pro Tag erforderlich sein. Solch häufiges Lüften ist den Bewohnern nach der heutigen Rechtsprechung nicht zuzumuten.

Durch einen entsprechenden Passus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ist diesem Umstand nicht zu entkommen. In einem solchen Fall müssten schon sehr detaillierte Lüftungsanweisungen deutlicher Vertragsbestandteil werden. Und selbst dann ist es nach Ansicht von Rechtsexperten höchst zweifelhaft, ob nicht ein Verstoß gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik vorliegt. Wer auf der sicheren Seite sein will, plant so, dass bei einem realistisch eingeschätzten Lüftungsverhalten der Menschen der hygienische Luftaustausch sicher gestellt ist. Das Lüftungskonzept ist dazu sicherlich ein notwendiges Papier dessen Erhalt Sie sich durch den Bauherren schriftlich bestätigen lassen sollten. Wenn Sie nur für Ihr Gewerk verantworten, dass weisen Sie mit Nachdruck darauf hin, dass weitere unter Umständen technischen Maßnahmen notwendig sind.

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