Schleppende Baugenehmigungen - was den Bau trotzdem stärkt

News | Frank Kessler | 22.05.2020 Schleppende Baugenehmigungen - was den Bau trotzdem stärkt
Foto: Roland Riethmüller

Bereits im Dezember 2015 haben sich alle Staaten auf der Klimakonferenz darauf geeinigt, die Wirtschaft klimafreundlich zu verändern. Die politischen Entscheidungen wurden durch das Pariser Abkommen maßgeblich mitbestimmt. Trotz der Corona-Krise soll daran festgehalten werden. Für die Baubranche ist das eine besondere Herausforderung, damit diese einen klimaneutralen Gebäudebestand schaffen kann, trotz schleppender Baugenehmigungen.

Bis zum Jahr 2050 hat die Baubranche von der Bundesregierung den Auftrag bekommen, einen klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen. Der deutsche Fertigbau möchte seine Rolle als aktiver Partner intensivieren. Die Baubranche ist trotz der Corona-Pandemie der treibende Motor der deutschen Wirtschaft. Mit entsprechenden Rahmenbedingungen soll diese Stellung gefestigt werden. Der moderne Holzfertigbau kann aber erst dann sein volles Potenzial entwickeln, wenn Hemmnisse aus dem Weg geräumt wurden. Der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) hat deshalb die erforderlichen Rahmenbedingungen in einem Fünf-Punkte-Papier zusammengetragen, damit die Baubranche auch weiterhin stark bleibt.

1. Weniger Bürokratie durch Digitalisierung von Genehmigungs- und Planungsprozessen

Die Digitalisierung in den Verwaltungen ist bisher unzureichend. Im EU-Ländervergleich liegt Deutschland nur auf Platz 24 und damit unter dem EU-Durchschnitt. Die Corona-Pandemie hat das sogar noch deutlicher gemacht und damit die Notwendigkeit für den digitalen Wandel gezeigt. Dabei sind gerade jetzt in Zeiten der Krise Investitionen zur Sicherung von Arbeitsplätzen notwendig. 65 Prozent der Betriebe sehen ihre Situation durch die schleppenden Baugenehmigungen negativ beeinflusst. Bei 19 Prozent der bei der Umfrage beteiligten Unternehmen hat das sogar sehr starke Auswirkungen. Aber es geht nicht nur allein darum. Ein aufwändiger Verwaltungsprozess ist auch das Herunterladen zahlreicher Formulare und das Ausdrucken. Sind mehrere Verwaltungsstellen beteiligt, bedeutet dies ein besonders hoher Aufwand. Um diese Mehrbelastung zu minimieren, sollten die Behörden miteinander vernetzt werden. So könnten die heruntergeladenen Unterlagen zentral hinterlegt werden.

2. Förderung von modularem und seriellem Wohnungsbau

Auch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird durch die Corona-Krise noch verstärkt. Um nationale Klimaziele zu erreichen, ist die Bereitstellung von bezahlbarem Bauland notwendig. Außerdem muss energieeffizienter, qualitativer und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Der moderne Holzfertigbau schafft dafür die idealen Voraussetzungen. Die modulare und serielle Bauweise erlaubt die Vorfertigung in Produktionshallen, was eine kurze Montagezeit möglich macht.

3. Ländliche Regionen müssen gestärkt werden

Es sind vor allem die Familien, die aufgrund der hohen Mietpreise aufs Land ziehen. Eine besondere Anziehungskraft kann durch den Ausbau des bedarfsgerechten Angebots erzielt werden. Dazu gehört eine flächendeckende Breitbandversorgung, der Bau von Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen sowie ein großes Angebot medizinischer Versorgung und ein ausgebautes Schienen- und Straßennetz.

4. Die öffentliche Hand hat eine Vorbildrolle

Um holzbasierte Gebäude zu bauen, muss eine entsprechende Akzeptanz geschaffen werden. Hier ist die öffentliche Hand mit ihrer klimapolitischen Vorbildfunktion gefragt. Das Beschleunigen von Baugenehmigungen würde den Bau von bezahlbarem Wohnbau beschleunigen und einen wertvollen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Besonders der emissionsreiche Baubereich sollte durch eine technologieoffene Herangehensweise bei der Bereitstellung von CO2-armen Produkten nachhaltig weiterentwickelt werden. Konventionelle Baustoffe könnten durch innovative Baumaterialien ersetzt werden, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen. Der Baustoff Holz ist dazu bestens geeignet, denn er entzieht der Atmosphäre das klimaschädliche CO2. Dazu müsste allerdings die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

5. Das Baurecht müsste novelliert werden

Holz besitzt ein geringes Eigengewicht. Daher eignet sich der Rohstoff auch gut für die Aufstockung und Nachverdichtung in Ballungsgebieten. In einigen Bundesländern wurde die Landesbauverordnung an die technischen Möglichkeiten angepasst. Leider ist das nicht in jedem Bundesland so. Die Bauregelungen sind dort immer noch nicht auf dem neuesten Stand. Eine bundesweit einheitliche Musterverordnung würde mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und zu mehr Baugenehmigungen führen.

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