Schwarzarbeit in Deutschland: Im Baugewerbe mehr als 20.000 Verfahren

News | Stephan Gruber | 01.07.2010
Bild zu: Schwarzarbeit in Deutschland: Im Baugewerbe mehr als 20.000 Verfahren
aboutpixel.de / maschine aus © maçka

Einem Bericht der Zeitschrift Wirtschaftswoche zufolge sind im Jahr 2009 alleine im Baugewerbe über 20.000 Ermittlungsverfahren auf Grund von Schwarzarbeit eingeleitet worden. Diese erschreckende Zahl wurde vom Bundesfinanzministeriums auf parlamentarische Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion bekannt gegeben. Mehr als 7.500 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten und etwa 1.3000 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten wurden bei Überprüfungen am Bau durch den Zoll erhoben.

Auch das Bauhandwerk ist nicht frei von schwarzen Schafen. So wird den privaten Bauherren angeboten, Arbeiten „ohne Rechnung“ auszuführen, in Verbindung mit einem entsprechendem „Rabatt“. Doch es geht es nicht um den finanziellen Nachlass, sondern um Straftaten: Hinterziehung von Umsatzsteuern, Unterschlagung von Lohn- und Einkommenssteuer sowie Betrug mit Sozialabgaben.

Die Sozialkassen (Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung) haben im Jahr 2009 Nachforderungen für Versicherungsbeiträge in Höhe von 216 Millionen Euro gestellt. Dabei sind Säumniszuschläge von 96 Millionen Euro angefallen.

Bundesregierung und die Bauwirtschaft setzen in stärkerem Maß auf „Bündnisse gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung“. Hier arbeiteten Zoll, Arbeitgeber und Beschäftigte eng zusammen. Aktuell befindet sich das Bundesfinanzministerium mit den Tarifpartnern des Maler- und Lackiererhandwerks in den Verhandlungen für ein weiteres Bündnis im Baugewerbe. Zusätzliche Gewerke haben auch Interesse an einer Kooperation zur Bekämpfung der Schwarzarbeit angemeldet.

10 illegale Arbeitsplätze vernichten im Durchschnitt 6 legale Arbeitsplätze. Man muss von mindestens 300.000 illegal Beschäftigten in der Bauwirtschaft ausgehen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass mehr als 180.000 legale Arbeitsplätze verdrängt werden.

Die gesamte Schattenwirtschaft, über die Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung hinaus, macht mittlerweile etwa ein Sechstel des deutschen Bruttosozialproduktes aus. Das sind immerhin 370 Mrd. Euro. Mehr als 30 Prozent entfallen davon allein auf den Bausektor und das Bauhandwerk. Die haushaltsnahen Dienstleistungen haben nur einen Anteil von weniger als 15 Prozent.

Mit illegaler Beschäftigung sind folgende Straftatbeständen verbunden: Hinterzeihung von Sozialabgaben, Fälschen von Dokumenten, Lohnwucher, Betrug, Nötigung, Korruption und die Beschäftigung von illegal eingereisten Ausländern. Meist besteht der Strafbestand aus einer Kombination diverser Vergehen, und oft können die Ermittler des Zolls Strukturen organisierter Kriminalität nachweisen.

Artikel in der Wirtschaftswoche:
http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/schwarzarbeit-sozialversicherungen-kassieren-300-millionen-euro-434113/

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.