Die wirtschaftliche Erholung der Haus- und Gebäudetechnik lässt weiter auf sich warten. Zwar rechnen Branchenexperten für das Jahr 2026 mit steigenden Umsätzen, doch hohe Energie-, Rohstoff- und Materialpreise bremsen die reale Entwicklung erheblich. Gleichzeitig gewinnt der Sanierungsmarkt zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Branchendaten zeigen, welche Chancen Heizungssanierungen, Wärmepumpen und Investitionen in den Gebäudebestand für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe eröffnen und wo die größten Herausforderungen bestehen.
Steigende Energie-, Rohstoff- und Materialpreise setzen die Haus- und Gebäudetechnik weiterhin unter Druck. Zwar rechnen Marktexperten für das Jahr 2026 mit einem nominalen Umsatzwachstum, real dürfte die Branche jedoch kaum vorankommen. Während der Wohnungsneubau und die Sanierung von Heizungsanlagen für neue Impulse sorgen, bremsen die schwache Neubaukonjunktur bei Nichtwohngebäuden sowie die Zurückhaltung vieler privater Bauherren und Eigentümer die Entwicklung. So soll nach aktuellen Branchendaten der Gesamtumsatz der Haus- und Gebäudetechnik im Jahr 2026 um 2,5 Prozent auf 77,39 Milliarden Euro steigen. Im Inland wird ein Plus von 2,1 Prozent auf 63,9 Milliarden Euro erwartet. Das Wachstum wird allerdings nahezu vollständig von höheren Preisen aufgezehrt. Angesichts der anhaltenden Kostensteigerungen bei Energie und Rohstoffen rechnen die Branchenverbände damit, dass die reale wirtschaftliche Entwicklung weitgehend stagniert. Damit bleibt das Marktumfeld für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe anspruchsvoll.
Heizungssanierung im Gebäudebestand wird zum Wachstumstreiber
Positive Signale kommen vor allem aus der Modernisierung des Gebäudebestands. Steigende Energiepreise erhöhen den Druck, ältere Heizungsanlagen auszutauschen und Gebäude energetisch zu sanieren. Gleichzeitig sorgt die leichte Belebung des Wohnungsbaus für zusätzliche Nachfrage. Insgesamt erwarten Marktforscher besonders im Bereich Heizung, Lüftung, Klima und Gebäudeautomation eine dynamischere Entwicklung. Bereits im Jahr 2025 entwickelten sich Wärmepumpen und Biomasse-Heizungen deutlich besser als im Vorjahr. Dieser Trend soll sich in diesem Jahr fortsetzen. Für das Bau- und Ausbauhandwerk entstehen dadurch zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten im Sanierungsmarkt, während der klassische Neubau weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Sanitärmarkt verliert wieder an Tempo
Weniger positiv entwickelt sich dagegen der Sanitärbereich. Nachdem private Badsanierungen im Jahr 2025 wieder angezogen hatten, zeigt sich seit Beginn des Jahres 2026 erneut eine spürbare Investitionszurückhaltung vieler Eigenheimbesitzer. Die steigenden Baugenehmigungen im Wohnungsbau dürften sich erst mit zeitlicher Verzögerung auf die Nachfrage auswirken. Nach Einschätzung der Branchenexperten könnte dies frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 spürbar werden. Bis dahin bleibt der Sanitärmarkt stark von der Investitionsbereitschaft privater Haushalte abhängig.
Beschäftigung in der Haus- und Gebäudetechnik bleibt stabil
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bleibt die Haus- und Gebäudetechnik ein bedeutender Arbeitgeber. Für das laufende Jahr werden rund 565.700 Beschäftigte erwartet, nachdem im vergangenen Jahr bereits etwa 563.700 Menschen in Industrie, Großhandel und Installationsgewerbe tätig waren. Hinzu kommen rund 53.800 Auszubildende, wodurch die Branche weiterhin eine wichtige Rolle bei der Fachkräftesicherung spielt. Die Zahl der Unternehmen dürfte dagegen leicht um 0,2 Prozent auf 48.600 sinken. „Die Branche steht vor der Herausforderung, sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen“, erklärt Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie (VdZ) und Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). „Steigende Energie- und Rohstoffpreise, die schwache Neubaukonjunktur und die Zurückhaltung vieler Eigentümer belasten die Entwicklung.“ Damit bestehen nach Einschätzung von Wischmann vor allem im Gebäudebestand, bei der Heizungssanierung und in der Modernisierung der technischen Gebäudeinfrastruktur erhebliche Marktchancen. Wie sich die neuen politischen Rahmenbedingungen und Förderkonditionen auf die Nachfrage auswirken werden, sei derzeit jedoch noch offen.

















