Sinkende Attraktivität von öffentlichen Aufträgen im Baugewerbe

News , 16.07.2018 , Roland Riethmüller Bild zu: Sinkende Attraktivität von öffentlichen Aufträgen im Baugewerbe
Foto: Roland Riethmüller

Durch steigende Ausgaben der öffentlichen Hand werden auch verstärkt öffentliche Aufträge vergeben. Doch die Attraktivität von öffentlichen Ausschreibungen ist in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen. Eine aktuelle Studie in Berlin und Brandenburg zeigt deutlich, warum viele Betriebe die Teilnahme scheuen. So fordert das Baugewerbe eine Reihe von Maßnahmen bei der Vergabe und Genehmigung.

Die Auftragslage im Baugewerbe ist bekanntermaßen sehr positiv. Das mag einer der Gründe sein, warum sich nur eine begrenzte Anzahl an Handwerksbetrieben für öffentliche Aufträge bewirbt. Doch der wahre Grund ist ein anderer, wie die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg im Rahmen einer aktuellen Mitgliederbefragung unter seinen rund 900 Betrieben ermittelt hat.

Das Für und Wider von öffentlichen Aufträgen

Immerhin 28,57 Prozent der Berliner und 23,08 Prozent der Brandenburger Betriebe verneinten klar die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen. Über drei Viertel der Berliner Unternehmer und alle befragten Unternehmer in Brandenburg bemängeln den hohen bürokratischen Aufwand. 57,14 Prozent der Handwerksbetriebe in Berlin und 28,57 Prozent in Brandenburg schrecken darüber hinaus auch die vielen vergabefremden Aspekte ab. Rund ein Drittel der Berliner Betriebe halten die schlechte Planung und Projektabwicklung sowie der lange Rechnungslauf und die schlechte Zahlungsmoral von einer Bewerbung für öffentliche Aufträge ab. Auch 28,57 Prozent der baugewerblichen Betriebe in Brandenburg halten die Aufträge nicht für sonderlich auskömmlich.

Doch es gibt auch die andere Seite. Denn 57,14 Prozent der Mitglieder der FG Bau in Berlin und 69,23 Prozent der Mitglieder in Brandenburg nimmt durchaus an öffentlichen Ausschreibungen teil. Rund ein Drittel der befragten Betriebe gaben demnach an, fester Partner der Öffentlichen Hand zu sein. Als weiteren Grund für die Teilnahme gaben 67,86 Prozent in Berlin und 66,67 Prozent in Brandenburg an, die hinterlegten verbindlichen Rahmenbedingungen wie beispielsweise die VOB sehr zu schätzen. Dass die Aufträge besonders lukrativ sind, ist für 35,71 Prozent der Berliner und 51,85 Prozent der Brandenburger von besonderer Bedeutung. Die gute Zahlungsmoral der Öffentlichen Hand loben 28,57 Prozent der Berliner und 44,44 Prozent der Brandenburger Unternehmer.

Genehmigungsverfahren senken die Attraktivität von öffentlichen Aufträgen

Beanstandet wurde von einem Drittel der Baubetriebe ebenfalls die Verschlechterung der Abläufe im Genehmigungsverfahren. Der bürokratische Aufwand steht sowohl in Berlin mit 80,49 Prozent als auch in Brandenburg mit 77,14 Prozent ganz oben auf der Liste der Erschwernisse im Genehmigungsverfahren. Dahinter werden die Personalnot in der Verwaltung, die undurchsichtige Verwaltungsstruktur, die strengen Vorschriften und unklaren Anforderungen sowie die schlechte Erreichbarkeit angeprangert.

Die Forderungen der FG Bau

“Wir brauchen leistungsfähige Behörden mit schlanken Strukturen, eindeutigen Zuständigkeiten und effektiven Verwaltungsprozessen - ob bei Vergabe oder Genehmigung”, erklärt Klaus-Dieter Müller, Präsident der FG Bau. Dazu gehört vor allem die Verschlankung der Prozesse und Reduzierung vergabefremder Aspekte. Doch auch die Einführung klarer Zuständigkeiten, die Stärkung der Auftraggeberkompetenz und die mittelstandsfreundliche Vergabe ist neben der Verstetigung der Mittel und Einführung effizienter Kontrollen eine wichtige Aufgabe für die Politik. “Dringend notwendig ist außerdem das Bewusstsein der öffentlichen Hand, dass seriöse Bauunternehmen ihren Preis haben: Das Bereitstellen guter Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Fortbildung der Mitarbeiter, das gesetzestreue Abführen von Sozialleistungen und viele Qualitätsmaßnahmen wirken sich auf den Preis aus”, so Müller. Denn das sei bei privaten Auftraggebern schließlich bereits üblich.