Die steigende Nachfrage nach Smart Home stellt SHK-Betriebe in Deutschland vor neue Herausforderungen. Insbesondere der Markt für smarte Gebäudetechnik erfordert ein breites Wissen, das oft über die klassischen SHK-Kompetenzen hinausgeht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich die SHK-Betriebe in Deutschland zunehmend auf das Know-how der Elektrohandwerker verlassen, wenn es um smarte Technologien geht. Die Bereitschaft, selbst in Fortbildungen zu IT- und Programmierkenntnissen zu investieren, bleibt jedoch begrenzt. Dennoch behauptet sich das deutsche SHK-Handwerk erfolgreich auf dem Zukunftsmarkt.
Die Smart-Building-Technologie integriert zahlreiche digitale Tools in Wohnräumen, wie auch im Bereich der Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen. Smarte Thermostate, Wassersensoren und Zonenregelungen gehören damit im Rahmen von Smart Home längst zum Angebot vieler SHK-Betriebe. Allerdings ist die Installation durchaus herausfordernd, was fast ein Drittel der Befragten als erheblichen Mehraufwand gegenüber traditioneller Methoden empfindet. Das ist das Ergebnis der aktuellen europäischen SHK-Studie “European Mechanical Installation Monitor Q2 2024 – Smart Buildings And Products” der USP-Gruppe unter 682 europäischen SHK-Installationsfirmen. Demnach erfordert die notwendige Interkonnektivität der smarten Geräte ein technisches Wissen, das oft eher im Elektrohandwerk verortet wird. Fast vier Fünftel der SHK-Betriebe sehen daher die enge Zusammenarbeit mit Elektrikern als unverzichtbar an.
Zusammenarbeit statt eigenem Aufbau von IT-Kompetenzen
Während die Kooperation mit dem Elektrohandwerk im großen Umfang etabliert ist, zeigt sich ein anderer Trend bei der Weiterbildung: Lediglich etwas über die Hälfte der deutschen SHK-Betriebe plant, in der eigenen Firma IT-Kenntnisse zu vertiefen, um komplexe, smarte Lösungen selbstständig zu programmieren und zu installieren. Noch weniger Betriebe sind dazu bereit, klassische Elektroinstallationsfähigkeiten im eigenen Betrieb zu fördern. Der Grund hierfür liegt in der stark verankerten Gewerketradition in Deutschland, wo Elektro- und SHK-Installationen in getrennten Bereichen operieren und spezialisierte Fachkompetenzen bevorzugt werden.
Europäische Vergleichsstudie: Deutschland ist Sonderfall
Ein europäischer Vergleich offenbart eine erhebliche Abweichung Deutschlands im Bereich von Smart Home. In anderen europäischen Ländern, darunter Belgien, Polen und die Niederlande, streben SHK-Betriebe weitaus häufiger an, elektroinstallationsnahe Fähigkeiten aufzubauen. Besonders in Frankreich und Großbritannien zeigt sich ein offenerer Umgang mit der Integration neuer Kompetenzen in den SHK-Bereich. Die Ursachen für diese Mentalitätsdifferenz liegen wahrscheinlich in der strikten Trennung der Gewerke in Deutschland, die sich im europäischen Ausland deutlich weniger ausgeprägt zeigt.
Vorsprung durch frühe Investitionen in Smart-Kompetenzen
Das geringe Interesse an Fortbildungen für smarte Technologien hat jedoch auch positive Gründe: Deutsche SHK-Betriebe zählen europaweit zu den Vorreitern in der Implementierung smarter Technologie. Viele Unternehmen haben bereits in entsprechendes Wissen investiert, wodurch weniger zusätzlicher Schulungsbedarf besteht. Während europäische Nachbarländer bei Smart-Building-Lösungen teils noch aufholen müssen, haben deutsche SHK-Betriebe also ihre Hausaufgaben schon gemacht und den Markt für smarte Gebäude erfolgreich erschlossen.

















