Solardächer trotz Nachfragerückgang: Warum PV weiter boomt

Foto: anatoliy_gleb / envatoelements

Moderne Photovoltaikanlagen mit Speicher, Wärmepumpe und intelligenter Steuerung entlasten das Stromnetz und senken Systemkosten. Das ist das zentrale Ergebnis verschiedener Studie. Damit bleiben Solardächer trotz rückläufiger Nachfrage ein zentraler Treiber der Energiewende und eröffnen neue Chancen für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Warum Dach-PV langfristig dennoch weiter wächst und strategisch wichtiger wird als gedacht, rückt jetzt neu in den Fokus.

Die Nachfrage nach Solardächern im Eigenheimsegment hat sich spürbar abgekühlt. Gleichzeitig bleibt jedoch ihre Bedeutung für eine effiziente Energiewende ungebrochen. Zwar wurden in diesem Jahr bislang deutlich weniger Photovoltaikanlagen installiert als im Vorjahr. Dabei zeigt sich jedoch, dass moderne PV-Systeme das Stromnetz weniger belasten als häufig angenommen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse rücken damit ein Argument in den Fokus, das für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe strategisch relevant ist: die intelligente Verzahnung von Gebäudetechnik, Energieerzeugung und Netznutzung. So wurden nach aktuellen Auswertungen des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) bislang rund 28 Prozent weniger Solarstromanlagen auf Eigenheimen installiert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit ist der Trend langfristig gesehen ziemlich eindeutig: Seit Anfang 2020 hat sich die Zahl der Anlagen von 1,7 Millionen auf 4,1 Millionen vervielfacht. Parallel dazu verweist eine Kurzstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) auf ein Umdenken beim Thema Netzausbau. Demnach löst der weitere Ausbau von Dachsolaranlagen seltener zusätzliche Netzmaßnahmen aus, als bislang befürchtet. Damit korrespondiert das Ziel der Bundesregierung, „private Haushalte zu Akteuren der eigenen Energieversorgung machen“ und gleichzeitig die Systemkosten der Energiewende zu begrenzen.

Solardächer mit intelligenter Technik entlastet die Netze

Die HTW-Studie nimmt das Zusammenspiel moderner Gebäudetechnik unter die Lupe. Neben Photovoltaikanlagen haben Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Werden diese Komponenten über ein intelligentes Energie- und Lastmanagement gesteuert, führt dies zu einer deutlich effizienteren Nutzung der vorhandenen Netzinfrastruktur. Der Zubau von PV-Anlagen verursacht laut den Wissenschaftlern keinen zusätzlichen Netzausbau, der nicht ohnehin für neue elektrische Verbraucher erforderlich wäre.

Prosuming-Modelle mit Systemeffekt

Untersucht wurden verschiedene sogenannte Prosuming-Konstellationen, bei denen Haushalte gleichzeitig Strom erzeugen und verbrauchen. Ein zentraler Vorteil dieser Systeme liege bislang im Schatten der öffentlichen Debatte. „Unsere Analysen zeigen, dass ein großer Vorteil von Dachsolaranlagen bisher unterbeleuchtet war: Wer eine Wärmepumpe und E-Auto mit einer Solaranlage und Speicher intelligent kombiniert, senkt den Netzausbaubedarf, nutzt die notwendige Netzinfrastruktur besser aus und macht damit die Energiewende effizienter und kostengünstiger“, erklärt Joseph Bergner von der HTW Berlin.

Speicher als Schlüsselkomponente für die Energiewende

Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie glätten nicht nur Erzeugungsspitzen von PV-Anlagen, sondern reduzieren auch Lastspitzen neuer stromintensiver Verbraucher wie Wärmepumpen. Aus Sicht der Branche entwickelt sich diese Systemkombination damit zum neuen Standard. „Das Dream-Team aus Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto wird immer mehr zum Standard. Solaranlagen sind Zugpferde der Energiewende auch im Wärme- und Mobilitätssektor. Sie senken die Energiekosten für Privathaushalte und im Falle einer intelligenten Steuerung auch den Netzausbaubedarf“, betont BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Rückläufige Nachfrage von Photovoltaik als Warnsignal

Trotz technischer Fortschritte bereitet die aktuell schwächere Marktentwicklung Sorge. Eine Umfrage des BSW-Solar zeigt, dass bereits acht von zehn neu installierten PV-Dachanlagen mit Batteriespeicher kombiniert werden, vier von zehn zusätzlich mit Wärmepumpe oder E-Auto. Die Nachfrageflaute sei jedoch ein Dämpfer für zentrale Bereiche der Energiewende. Verschlechterungen der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten die Entwicklung weiter bremsen. Das hätte direkte Folgen für Bauwirtschaft und Ausbaugewerke.

Sind Solardächer für Bauunternehmen aktuell eher Chance oder Risiko?

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