Solo-Selbständigkeit: Studie spricht für Meisterpflicht

News , 10.09.2019 , Frank Kessler Solo-Selbständigkeit: Studie spricht für Meisterpflicht
Foto: Roland Riethmüller

"Selbständig: Solo und prekär?" ist der Titel einer aktuellen Studie zur Solo-Selbständigkeit in Berlin, die kürzlich von der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales vorgestellt wurde. Demnach seien Berliner Solo-Selbstständige oft schlecht bezahlt und würden sehr prekär arbeiten. Das Baugewerbe wertete die Studienergebnisse als Beleg dafür, dass eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für alle Handwerke notwendig ist.

Im Rahmen der allgemeinen Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht sieht auch Dr. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, deutlichen Handlungsbedarf. So argumentierte sie einerseits für die Sicherung der Qualität bei der Bauausführung aufgrund enormer baulicher Herausforderungen in Berlin und Brandenburg. Das gelinge nur mit gut qualifizierten Unternehmern.

Andererseits weist Frau Dr. Schreiner darauf hin, dass in der Meisterfortbildung nicht nur technische Fertigkeiten vermittelt werden, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Das sei die Grundlage eines erfolgreichen Unternehmertums. Zudem werde das Rüstzeug für Ausbildung vermittelt, was die Meisterfortbildung aus ihrer Sicht zu einem Garant für das System der dualen Ausbildung macht. Die Folge mangelnder Aus- und Fortbildung unter den Solo-Selbständigen sind für sie nicht alleine Arbeiten mit mangelnder Qualität, sondern oftmals auch die prekären sozialen Verhältnisse.

Solo-Selbständigkeit: in Berlin relativ häufig

"Zwei Drittel der gut 260.000 Selbstständigen in Berlin sind solo-selbstständig. Sie haben oft nur ein niedriges Einkommen, aus dem dann weder der Lebensunterhalt noch die Sozialbeiträge gedeckt werden können", erklärt die Berliner Arbeitssenatorin Elke Breitenbach. Laut der Studie "Selbständig: Solo und prekär?" liegt der Anteil der Solo-Selbstständigen an der Erwerbsbevölkerung in Berlin bei elf Prozent. Das ist spitze im Bundesländervergleich. Im Saarland sind es beispielsweise nur drei Prozent.

Trotzdem zeigt die Studie allerdings auch, dass der Anteil der Solo-Selbstständigen in der Baubranche und in verwandten Bereichen im Vergleich zu allen Berlinern Solo-Selbstständigen eher gering ist. Architektur- und Ingenieurbüros kommen auf einen Anteil von 3,95 Prozent. Die Solo-Selbständigen im Bereich vorbereitender Baustellenarbeiten, der Bauinstallationen und sonstiger Ausbaugewerke stehen bei 3,82 Prozent. Zum Vergleich: Im Bereich der kreativen, künstlerischen und unterhaltenden Tätigkeiten liegt der Prozentsatz bei 19,51 Prozent.

Zu Umsätzen in den Branchen fehlen Zahlen

Wie sehr Solo-Selbständigkeit im Baubereich zu prekären Situationen führt, bleibt in der Studie letztlich offen. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Zahlen zur Solo-Selbständigkeit in einzelnen Branchen sich nicht mit Verdienst- und Umsatzzahlen verknüpfen lassen. Sie nehmen jedoch an, dass "in der Baubranche freiberufliche Ingenieur*innen eine auskömmliche Solo-Selbstständigkeit erzielen können". Dagegen sei die Situation von Bauarbeitern und Bauhelfern kritischer zu betrachten. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für alle Branchen die Situation verbessern würde.