Soloselbständige verdienen schlecht, leiden aber kein Armut

News , 13.08.2019 , Frank Kessler Soloselbständige verdienen schlecht, leiden aber kein Armut
Foto: Roland Riethmüller

Soloselbständige im Handwerk erzielen ein Nettoeinkommen, das im Schnitt deutlich unter den Werten für Selbstständige mit Beschäftigten und auch für Angestellte liegt. Ihre Soloselbständigkeit pauschal mit einer prekären Lebensweise gleichzusetzen, ist aber nicht richtig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zum Einkommen von Soloselbständigen. Die Studie fand auch heraus, dass es sich bei Soloselbständigen um eine sehr heterogene Gruppe handelt.

Laut der aktuellen Studie "Soloselbstständigkeit im Handwerk: Ergebnisse des Mikrozensus 2014" von Dr. Katarzyna Haverkamp am Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk (ifh) in Göttingen verdient ein Soloselbständiger im Handwerk durchschnittlich 1.681 Euro und im Median 1.489 Euro pro Monat. Dagegen kommen Selbstständige mit Beschäftigten auf 2.678 Euro beziehungsweise 2.255 Euro Euro. Abhängig Beschäftigte erreichen 1.728 Euro beziehungsweise 1.629 Euro. Laut der Studie ist eine relativ hohe Teilzeitquote von 19 Prozent bei den Soloselbständigen eine wichtige Ursache für die beobachtbaren Einkommensunterschiede.

Nur jeder fünfte Soloselbständige ist armutsgefährdet

Trotz vergleichsweise niedriger Verdienste: Der Anteil der Soloselbständigen mit einem persönlichen Nettoeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt ist eher gering. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 917 Euro. "Nur" jeder fünfte Soloselbständige (20 Prozent) verdient weniger. Immerhin zwölf Prozent der Soloselbständigen haben auf der anderen Seite hohe persönliche Einkommen, die 3.057 Euro monatlich übersteigen.

Obwohl die Verdienste vieler Soloselbständiger über der Armutsgefährdungsschwelle liegen, ist die Situation für viele Soloselbständige nicht immer völlig unproblematisch. Laut der Studie sind Soloselbständige im sozialen Kontext nicht besser abgesichert als abhängig Beschäftigte. Sie sind zudem seltener rentenversichert als Selbstständige mit Beschäftigten und sie verfügen seltener über Wohneigentum.

Soloselbständige sind eine heterogene Gruppe

Die Studie hat ebenfalls ergeben, dass es sich bei den Soloselbständigen im Handwerk um eine sehr heterogene Gruppe handelt. Überrepräsentiert sind dabei Teilzeittätige, Alleinstehende, Frauen, EU-Ausländer, Personen im Rentenbezugsalter sowie Personen mit einem akademischen Abschluss. Dagegen ist die Gruppe der abhängig Beschäftigten relativ homogen. Ihre Mitglieder haben in der Regel keine Hochschulzugangsberechtigung und können einen beruflichen Abschluss des dualen Bildungsganges vorweisen. Nur sieben Prozent von ihnen haben ein persönliches Nettoeinkommen unter der Schwelle für Armutsgefährdung.

Ebenfalls eher homogen präsentiert sich die Gruppe der Selbständigen mit Beschäftigten. Sie sind - so die Studie - durchschnittlich etwas älter als die abhängig Beschäftigten. Knapp ein Drittel von ihnen verfügt über ein hohes Einkommen. Es liegt bei mindestens 200 Prozent des Medians eines bedarfsgewichteten Nettoeinkommens für einen Ein-Personen-Haushalt.

Relativ oft soloselbständig gearbeitet wird im zulassungsfreien Handwerk. Dennoch gehören fast Dreiviertel der Soloselbständigen im Handwerk (72 Prozent) zu den zulassungspflichtigen Berufen aus der Anlage A der Handwerksordnung.