Sondervermögen: Im Hochbau kommt von den Milliarden wenig an

Foto: marn123424 / envatoelements

Das Sondervermögen soll der Bauwirtschaft neue Aufträge bringen, doch die Erwartungen bleiben gedämpft. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass viele Baustoffhersteller in diesem Jahr kaum mit zusätzlichen Geschäften rechnen. Vor allem im Hochbau kommt von den Milliarden bislang wenig an. Bessere Aussichten haben dagegen Rohbau, Elektro und Heizung. Entscheidend für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe wird nun, wie schnell aus dem Sondervermögen konkrete Bauprojekte und Ausschreibungen entstehen. 

Das milliardenschwere Sondervermögen der Bundesregierung soll Investitionen ankurbeln und der Bauwirtschaft neue Impulse geben. Doch ausgerechnet in der Baustoffindustrie bleibt die erhoffte Aufbruchstimmung bislang aus. Eine aktuelle Erhebung des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult zeigt, dass viele Hersteller für das Jahr 2026 kaum mit zusätzlichen Geschäften rechnen. Vor allem Unternehmen mit Schwerpunkt im Hochbau sehen nur begrenzte Chancen. Anders fällt die Einschätzung bei Rohbaustoffen und Elektroinstallationsmaterial aus. Insgesamt stimmen nur 18 Prozent der befragten Hersteller voll und ganz der Aussage zu, dass durch das Sondervermögen Bauinvestitionen angestoßen werden, von denen das eigene Unternehmen bereits im laufenden Jahr profitieren wird. Weitere 43 Prozent erwarten zumindest eingeschränkt positive Auswirkungen. Dagegen rechnen 33 Prozent überwiegend nicht mit einem entsprechenden Effekt. Acht Prozent erwarten überhaupt keine Vorteile oder machten keine Angabe. Grundlage sind Online-Interviews mit 40 Herstellern von Baustoffen und Installationsmaterialien. Die Ergebnisse fließen in die neue „Jahresanalyse Deutschland 2026/2027“ von BauInfoConsult ein.

Sondervermögen erreicht Hochbau nur teilweise

Ein Grund für die Zurückhaltung liegt in der Ausrichtung der zusätzlichen staatlichen Investitionen. Ein erheblicher Teil soll in die öffentliche Infrastruktur fließen. Davon profitieren jedoch längst nicht alle Bereiche der Bauwirtschaft gleichermaßen. Besonders skeptisch zeigen sich laut BauInfoConsult Hersteller aus den Segmenten Ausbau, Außenwand, Küche, Türen und Tore sowie Badezimmer. Für diese stark vom Hochbau abhängigen Bereiche entstehen durch zusätzliche Infrastrukturprojekte nur begrenzte Absatzchancen. Damit könnte sich das Sondervermögen für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe je nach Gewerk sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Während zusätzliche Tiefbau- und Infrastrukturprojekte bestimmte Marktsegmente stärken können, bleiben die unmittelbaren Impulse im klassischen Hochbau zunächst begrenzt. Hinzu kommt die verbreitete Unzufriedenheit mit dem langsamen Reformtempo in Deutschland, die laut BauInfoConsult ebenfalls zur zurückhaltenden Einschätzung beitragen könnte.

Rohbau und Elektro hoffen auf Aufträge

Deutlich bessere Erwartungen gibt es dagegen in einigen anderen Bereichen. Hersteller von Rohbaustoffen und Elektroinstallationsmaterial versprechen sich bereits im laufenden Jahr einen gewissen Aufschwung. Auch im Heizungsbereich rechnen einzelne Unternehmen mit positiven Auswirkungen. Ein wichtiger Grund dafür dürfte sein, dass über das Sondervermögen nicht ausschließlich klassische Infrastrukturprojekte finanziert werden. Zusätzliche Mittel stehen unter anderem auch für Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude zur Verfügung. Dadurch können wiederum Aufträge für Hochbau und Ausbauhandwerk entstehen. Deshalb dürfte für die weitere Baukonjunktur entscheidend sein, wie schnell aus den bereitgestellten Milliarden tatsächlich konkrete Bauprojekte und Ausschreibungen werden. Die Untersuchung zeigt jedenfalls, dass zusätzliche staatliche Mittel allein noch keine breite Aufbruchstimmung auslösen. Für das Jahr 2026 erwartet die Baustoffindustrie vielmehr eine sehr unterschiedliche Entwicklung zwischen Infrastruktur, Rohbau und hochbauorientierten Marktsegmenten. Die kommende Jahresanalyse untersucht neben der Baukonjunktur unter anderem auch Fachkräftemangel, Sanierung, Digitalisierung, BIM sowie Tief- und Straßenbau.

Kommt das Sondervermögen wirklich bei der Bauwirtschaft an?

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