Sozialer Wohnungsbau löst keine Wohnungsprobleme

News | Roland Riethmüller | 18.03.2016
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Laut einer aktuellen Studie sind nur 46 Prozent der Bewohner im sozialen Wohnungsbau wirklich bedürftig. Statt einer Quersubventionierung in Form einer stärkeren Förderung zum Bau weiterer Sozialwohnungen raten die Ökonomen vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln daher zu einer verstärkten Flächenbereitstellung und bedarfsorientierten Auszahlung von Wohngeld. Schließlich mangelt es in Deutschland nicht an der Bereitschaft zum Bauen, sondern an Bauland.

Eigentlich sollte die Förderung für den sozialen Wohnungsbau auslaufen. Doch da besonders in Großstädten und Ballungsgebieten ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrscht, wurde die Förderung von 518 Millionen Euro auf eine Milliarde, eventuell sogar zwei Milliarden pro Jahr erhöht. Die Politik erhofft sich damit, die Bautätigkeit anzuregen und die Probleme am Wohnungsmarkt zu lösen. Doch die soziale Wohnraumförderung schießt am Ziel vorbei, wie die Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) jetzt ermittelten.

46% der Haushalte im sozialen Wohnungsbau sind nicht bedürftig

Laut einer aktuellen IW-Studie sind nämlich nur 46 Prozent der Haushalten im sozialen Wohnungsbau wirklich bedürftig. Das große Problem besteht darin, dass nur einmalig die Bedürftigkeit nachgewiesen werden muss. Selbst nach Aufnahme einer Beschäftigung und damit Änderung beim sozialen Status darf die Wohnung weiter bewohnt werden.

Bauland wird bewusst zurückgehalten

Hinzu kommt, dass aufgrund der niedrigen Zinsen Investoren eigentlich durchaus gewillt sind, in den Wohnungsbau zu investieren. Es fehlt lediglich Bauland. Dieses ist entweder knapp, weil zu wenig Bauland durch die Städte ausgewiesen wird. Oder die Grundbesitzer halten absichtlich Flächen zurück, um aufgrund des jährlichen Wertanstiegs von mehr als zehn Prozent selbst höhere Preise zu erzielen.

3 Maßnahmen zur Lösung der Probleme am Wohnungsmarkt

Statt in den sozialen Wohnungsbau zu investieren, empfehlen die IW-Ökonomen daher drei Maßnahmen zur Lösung der Probleme am Wohnungsmarkt. Zum einen müsse der Staat ihrer Meinung nach mehr Bauland bereitstellen. Dazu zählt auch, dass beliebte Städte und Kommunen zusätzliche Flächen infrastrukturell erschließen sollten. Außerdem müsse die Grundsteuer durch eine Bodenwertsteuer abgelöst werden. „Wenn der Marktwert eines Grundstücks besteuert wird, würde verhindert, dass Grundbesitzer Bauland zum Spekulieren zurückhalten“, so IW-Ökonom Michael Voigtländer. Der dritte Vorschlag betrifft die Bezuschussung der Bedürftigen. Statt in den sozialen Wohnungsbau zu investieren, sollte ein bedarfsorientiertes Wohngeld eingeführt werden, das an eine konkrete Bedürftigkeit gekoppelt ist. Positiver Nebeneffekt: Dadurch steht den Antragstellern der komplette Wohnungsmarkt offen und nicht nur der kleine Anteil an Sozialwohnungen.

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