Steigende Baukosten - Bauindustrie widerspricht Vorwürfen

News , 27.02.2019 , Frank Kessler Steigende Baukosten - Bauindustrie widerspricht Vorwürfen
Foto: Roland Riethmüller

Aufgrund der öffentlichen Diskussion hat der Bauindustrieverband Nordrhein-Westfalen die ständig steigenden Baukosten näher analysiert. Als Ergebnis wurden vier wesentliche Faktoren ermittelt, die für die steigenden Baupreise verantwortlich sind. Auch den Vorwurf der übermäßigen Bereicherung wird von der Bauindustrie entschieden zurückgewiesen. Denn die Rendite in der Bauwirtschaft entsprechen bei weitem nicht denen anderer Branchen.

Die immer wieder aufflammende Kritik in der Gesellschaft an den steigenden Baukosten im Hoch- wie im Tief- und Straßenbau beschäftigt immer wieder die Bauindustrie. “Die Diskussion um steigende Baupreise nimmt ja mittlerweile in Teilen groteske Züge an”, erklärt Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen. “Der Vorwurf, die Bauunternehmen würden sich jetzt die Taschen voll machen, ist geradezu lachhaft und entbehrt jedweder Realität.” Denn tatsächlich sind es vier Faktoren, die schuld an den steigenden Baupreisen sind. Das ist das Ergebnis einer sachlichen Analyse. Als Erstes zu nennen sind die steigenden Preise für Materialien und Rohstoffe. Der nächste Punkt ist der weit überdurchschnittliche Tarifabschluss von 2018. Es folgen die Auslastung von Nachunternehmern und die steigenden Unternehmenseinnahmen. Die Analyse zeigt ferner, dass die Kosten für Wohngebäude im letzten Quartal 2018 um 4,4 Prozent gestiegen sind. Bei den Bürogebäuden betrug die Steigerung 3,9 Prozent und bei gewerblichen Betriebsgebäuden 4,5 Prozent.

Lieferengpässe bei Kies, Sand und Beton

Dem gegenüber stehen massive Lieferengpässe bei Kies, Sand und Beton. Durch die in den letzten Jahren steigende Nachfrage nach Bauleistungen muss die Produktion bei den Rohstofflieferanten zunächst ausgebaut werden. Im Jahr 2018 hat der Betonstahl eine Preissteigerung von rund zwölf Prozent zum Jahr 2017 hinnehmen müssen. Trotzdem unternimmt die Bauindustrie alles, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden und alle Aufträge abzuarbeiten. “Wer aber heute Bitumen aus Österreich und Splitte aus Norwegen holen muss anstatt vom benachbarten Niederrhein, zahlt alleine schon höhere Transportkosten”, mahnt Wiemann. “Ein Preisanstieg für den Auftraggeber ist dann nur logische Konsequenz." So sind die Preise im Straßenbau aufgrund dieser Rohstoffengpässe im letzten Quartal 2018 um 8,2 Prozent angestiegen.

Deutlicher Anstieg bei den Löhnen

Der hohe Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr sorgt ebenfalls für gestiegene Kosten am Bau. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren brachte der neue Tarifabschluss eine Steigerung von 5,7 Prozent. Immerhin 30 Prozent der Gesamtkosten beim Bau entstehen durch Lohn- und Gehaltskosten. Das schlägt sich natürlich auch auf die Baukosten nieder. Die gestiegene Nachfrage führt außerdem zu einer sehr hohen Auslastung bei mittleren und kleinen Bauunternehmen. Auch wenn es Lösung gibt, geraten die Bauunternehmen schnell an die Grenzen, da sie Kapazitäten nicht so schnell umverteilen können.

Ein weiterer Vorwurf der Öffentlichkeit steht im Raum. Demnach sollen sich die Bauunternehmen an ihren Kunden bereichern. Dem wird jedoch widersprochen, denn die Umsatzrendite vor Steuern im Jahr 2016 von 3,5 Prozent würde das in ein anderes Licht rücken. Wiemann sagte dazu weiter, dass die Bauindustrie eher der “Renditezwerg” sei. Für diese Renditen, die in der Hochkonjunktur erzielt werden, würden anderen Unternehmer in anderen Branchen morgens erst gar nicht aufstehen.