Steigende Baukosten im Wohnungsbau müssen nicht sein

News , 24.09.2018 , Frank Kessler Bild zu: Steigende Baukosten im Wohnungsbau müssen nicht sein
Foto: Roland Riethmüller

Man kann darüber streiten, ob Deutschland zu viele Normen habe. Dies trägt auch wesentlich dazu bei, dass sich die Preissteigerung im Wohnungsbau in einer Endlosspirale befindet. Doch es geht auch anders, denn in den Niederlanden hat man dieses Problem schon vor Jahren erkannt. Seitdem wird dort auf Ziele gesetzt und nicht mehr auf die Vorgaben. Der Erfolg gibt unseren Nachbarn recht, denn das System funktioniert.

Das Bauen in Deutschland wird immer teurer. Im Jahr 2007 mussten die Bauherren rund 1.250 Euro für den Quadratmeter ohne Grundstück bezahlen. Zehn Jahre später sind es bereits 36 Prozent mehr. Denn der Quadratmeter kostete mittlerweile 1.700 Euro pro Quadratmeter. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Material ist immer teurer geworden und die Löhne für qualifizierte Fachkräfte kontinuierlich gestiegen. Der Hauptfaktor sind aber die Anforderungen, die an den Neubau gestellt werden. So sind es primär die internationalen und nationalen Vorgaben, die Schuld an der Preissteigerung sind.

Vieles muss beim Wohnungsbau beachtet werden

Über 3.300 Normen müssen Bauherren mittlerweile im Wohnungsbau beachten. Dazu kommen noch Auflagen der Kommunen und der Landesbauordnungen. Außerdem sind in den vergangenen Jahren neue Normen hinzugekommen, die zusätzlich beachtet werden müssen. Doch auch der Klimaschutz, Brandschutz und eine bessere Lärmisolierung sind zu berücksichtigen. Das sind alles Faktoren, die die Preise in die Höhe treiben. Dass das jedoch nicht zwingend notwendig ist, beweisen unsere niederländischen Nachbarn. Zwar ist der Wohnungsbau in den Niederlanden in den letzten Jahren auch teurer geworden, aber längst nicht so wie in Deutschland. Die Baukosten in den letzten zehn Jahren sind in den Niederlanden nur um rund sechs Prozent gestiegen. Das liegt daran, dass dort schon längst die Bauordnung reformiert wurde. Das sieht in der Praxis so aus, dass es den Bauherren selbst überlassen bleibt, wie sie Energie einsparen und die Wohnungen gegen Schall schützen wollen. Das funktioniert, so lange die Richtwerte erreicht werden.

Mehr Innovation statt steigende Baukosten

Dadurch wird auch das Innovationspotenzial der Baufirmen geweckt. So gibt es eine Reihe von energiesparenden Konzepten beim Fertigbau, die in Deutschland bisher kaum zum Einsatz kommen. Es ist die Aufgabe der Länder, ihre veralteten Landesbauordnungen zu überarbeiten und unnötige Verordnungen zu streichen. Besser wäre jedoch gegen die Preissteigerung im Wohnungsbau eine Musterbauordnung. Die sollte offen sein für neue Technologien und auf zu viele Vorgaben verzichten. Das würde den Anstieg der Baukosten deutlich eindämmen.