Tarifausstieg von Hochtief scharf kritisiert

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Foto: Roland Riethmüller

Viel Unverständnis und Kritik erntete der Baukonzern Hochtief auf die Ankündigung, bis Ende des Jahres aus dem Arbeitgeberverband auszutreten. Zwar spart das Unternehmen damit erhebliche Verbandsgebühren, doch unterliegt damit auch nicht mehr der bundesweiten Tarifbindung. Das könnte negative Auswirkungen für die Beschäftigten haben und den Konzern in die politische Isolation führen, befürchten die Arbeitgebervertreter.

Die Ankündigung des Hochtief-Vorstands, den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) zu verlassen, hat für großen Wirbel in der Bauwirtschaft gesorgt. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) äußerte vollständiges Unverständnis und kritisierte den Schritt aufs Schärfste. “Der Hochtief-Vorstand begibt sich damit ins gesellschaftliche Abseits. Die Verbandsbindung gehört zu den wesentlichen Bestandteilen des deutschen Sozialwesens”, erklärte Dietmar Schäfers, stellvertretender Bundesvorsitzende der IG BAU.

Aufkündigung der Tarifbindung

Denn die IG BAU verhandelt als Arbeitnehmervertreter gemeinsam mit dem HDB sowie dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) als Arbeitgebervertreter die Tarifverträge für die Bauwirtschaft. “Ein ohne Not herbeigeführter Bruch sendet zugleich ein deutliches Signal an die Beschäftigten des Baukonzerns. Die Tarifbindung wird mit Verlassen des Verbands aufgekündigt”, kritisiert Schäfers und kündigt eine Abstimmung mit dem Konzernbetriebsrat von Hochtief an. Gleichzeitig fordert der Gewerkschaftsvertreter an: “Das Ausscheren aus der bundesweiten Tarifbindung darf für den Hochtief-Mitarbeiter keine Nachteile haben.”

Politischer Einfluss eines einzelnen Baubetriebs zweifelhaft

Die Ankündigung des Vorstands, sich künftig selbst um die Interessen des Baukonzerns mit seinen 3.600 Arbeitnehmern zu kümmern, hält Schäfers für äußerst zweifelhaft: “Es ist mehr als fraglich, ob einem einzelnen Betrieb im politischen Berlin und Brüssel mehr Gehör geschenkt wird als einem Verband.” So könnte die empfundene Unabhängigkeit leicht zur Isolation werden, befürchtet der Gewerkschaftsfunktionär.

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