Tarifrunde Bau 2021: Höherer Tariflohn trotz trüber Aussichten?

News | Frank Kessler | 21.04.2021
Tarifrunde Bau 2021: Höherer Tariflohn trotz trüber Aussichten?
Foto: Roland Riethmüller

Die Arbeitnehmervertreter haben für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe ein erstes Forderungspaket für die nächste Tarifverhandlung vorgelegt. Dabei geht es allerdings nicht nur um Lohnerhöhungen, sondern auch um Entschädigungen für die meistens unbezahlten Fahrten zu den Baustellen. Außerdem soll der Tariflohn in Ostdeutschland an das Westeinkommen angeglichen werden. Der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit von der Tarifkommission aufgestellt, fällt aber in eine wirtschaftlich ungewisse Zeit.

Geht es nach dem Willen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), dann sollen die Gehälter und Löhne der 890.000 Beschäftigten im Baugewerbe um rund 5,3 Prozent steigen. Außerdem hofft man auf eine Weiterentwicklung des Modells zur Entschädigung der langen Wegzeiten zu den Baustellen, die in der Regel unbezahlt sind. Der Tariflohn in Ostdeutschland soll ebenfalls dem Einkommen in Westdeutschland angeglichen werden. Mit großer Mehrheit hat die Tarifkommission dies in einem Forderungspaket aufgestellt und rüstet sich damit für die diesjährige Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe.

Erhöhung Tariflohn durch kräftiges Umsatzplus im Baugewerbe

Im vergangenen Jahr hat die Bauwirtschaft mit einem Umsatz von 143 Milliarden Euro eine Umsatzsteigerung von rund sechs Prozent erzielt. Gegenüber von vor zehn Jahren ist das eine Steigerung um 77 Prozent. Doch auch wenn die Kurve in den letzten Jahren immer steiler wurde, so ist gerade aufgrund des allgemeinen wirtschaftlichen Rückgangs eine weitere Entwicklung schwer vorhersehbar. Das sieht die IG BAU anders und verweist auf den Ifo-Geschäftsklimaindex vom letzten Monat, nachdem das Bauhauptgewerbe mit einem Plus von 2,3 Prozent rechnen könne. Das sei seit einem Jahr der höchste Wert. "Von der allgemeinen Corona-Krise ist im Bausektor nichts, aber auch gar nichts zu spüren”, erklärt IG-BAU Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer Carsten Burckhardt. “Da ist es nur recht und billig, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auch ein Plus auf ihrem Lohnzettel sehen."

Auch Wegzeiten entschädigen und Tariflohn bundesweit vereinheitlichen

Weiterhin betont Burckhardt, dass das Baugewerbe die zentrale Stütze der Konjunktur sei und gleichzeitig ein Job-Motor, wie es ihn seit über zehn Jahren nicht mehr gegeben habe. Er sagt weiter, dass diese Menschen, die den Boom mittragen, auch entsprechend entlohnt werden müssten. Nachdem im letzten Jahr ein Einstieg bei den Wegzeitenentschädigungen erreicht wurde, sollte dieses Modell bei der Tarifverhandlung 2021 weiter ausgebaut werden. Je nach Einsatzort wechseln die Anfahrtswege ständig und sind oft sehr lang. Wo der Chef die Arbeiterinnen und Arbeiter hin beordert, darauf haben sie keinen Einfluss. Burckhardt betont deshalb, dass auch die Fahrten zur Arbeit entlohnt werden müssten. Außerdem soll nach 31 Jahren der deutschen Einheit der Ostlohn gegenüber dem Westlohn endlich angeglichen werden.

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