Tarifstreit beendet - Schlichtung im Bauhauptgewerbe

News | Frank Kessler | 08.09.2020
Tarifstreit beendet - Schlichtung im Bauhauptgewerbe
Foto: Roland Riethmüller

Gute Neuigkeiten für alle 850.000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe: Der diesjährige Tarifstreit wurde Ende letzter Woche in einer 15-stündigen Tarifverhandlung mit mehrheitlichem Schlichterspruch erfolgreich beigelegt. Nun dürfen sich die Fachkräfte am Bau über mehr Lohn, eine Corona-Prämie, mehr Azubi-Vergütung und eine Fahrzeit-Entschädigung freuen. Die Tarifparteien haben jetzt 14 Tage Zeit, diesen Schlichterspruch anzunehmen.

Die Tarifverhandlungen in der Baubranche sind seit letzter Woche erfolgreich beendet. "Wir sind froh, dass wir für die diesjährige Tarifrunde einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft gefunden haben und dass uns ein Arbeitskampf erspart bleibt", kommentiert Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Auch Jutta Beeke, Vizepräsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) freut sich: "Es waren schwierige Verhandlungen, doch am Ende gab es zu den einzelnen Punkten gute Kompromisse".

Die Ergebnisse der Tarifrunde im Bauhauptgewerbe im Einzelnen

Die Laufzeit vom neuen Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe läuft rückwirkend vom 1. Mai 2020 bis zum 30. Juni 2021. Die Beschäftigten im Baugewerbe erhalten demnach eine einmalige Corona-Prämie für das Jahr 2020 in Höhe von 500 Euro. Die Auszubildenden erhalten 250 Euro. Diese Prämie ist frei von Steuern und Sozialabgaben. Außerdem erfolgt ab Januar 2021 eine Erhöhung vom Tariflohn um 2,1 Prozent für das Tarifgebiet West. Für das Tarifgebiet Ost beträgt die Erhöhung vom Tariflohn im Baugewerbe 2,2 Prozent. Darüber hinaus wird ab dem 1. Januar 2021 die monatliche Vergütung der Lehrlinge nach Lehrjahren gestaffelt angehoben: um 40 Euro im ersten, 30 euro im zweiten und 20 Euro im dritten Lehrjahr. “Damit ist es uns gelungen, jungen Menschen zur Berufswahl eine Botschaft mit auf den Weg zu geben: Der Bau lohnt sich – auch finanziell”, freut sich Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). “Schon jetzt gehören die Bau-Azubis im Vergleich aller Branchen zu den ‚Bestverdienern‘ unter den Auszubildenden. Zudem bietet der Bau berufliche Perspektive.”

Wegezeit-Entschädigung wird eingeführt

Besonders hervorzuheben ist, dass die Beschäftigten auch eine Entschädigung für die langen Wegezeiten bekommen.  Ab dem 1. Oktober 2020 erhalten die Beschäftigten demnach einen Zuschlag von 0,5 Prozent des Tariflohns als Pauschale für Wegezeiten. Damit sei es gelungen, in die Diskussion um das „Job-Problem Nr.1 auf dem Bau“ einzusteigen, erklärt Feiger. Schließlich seien die “oft enorm langen Fahrten zu den Baustellen“ eine große Belastung für den Großteil der Beschäftigten. Darüber hinaus sind konkrete Vereinbarungen getroffen worden, wonach bis Juni 2021 die Tarifparteien zusammen mit dem Schlichter eine Lösung zur verbindlichen Einführung einer Wegezeit-Entschädigung erarbeiten sollen.

Schlichtung muss noch angenommen werden

Insgesamt dauerte die diesjährige Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe damit vier Verhandlungstage. Der endgültige Durchbruch im Tarifstreit kam in der Nacht zum vergangenen Donnerstag um 2.35 Uhr. Die diesjährige Tarifrunde läuft seit März 2020. Diese Schlichtung im Bauhauptgewerbe muss jedoch noch von den Tarifparteien angenommen werden. Dafür haben die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und der ZDB und HDB als Arbeitgeberverbände im Bauhauptgewerbe zwei Wochen Zeit. Dieses Ergebnis kam nach zähen Verhandlungen zustande.

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