Tarifverhandlung Bauhauptgewerbe - Große Kritik an Forderungen

News | Frank Kessler | 25.05.2020
Tarifverhandlung Bauhauptgewerbe - Große Kritik an Forderungen
Foto: Roland Riethmüller

Die wieder aufgenommene Tarifverhandlung für das Bauhauptgewerbe ist nach dem ersten Verhandlungstag ohne Ergebnis vertagt worden. Denn obwohl die Bauwirtschaft trotz der Corona-Krise auf Hochtouren läuft, kritisieren die Arbeitgeber deutlich die von der Gewerkschaft aufgestellten Forderungen. Ein Grund für den Stillstand sind die Entschädigungen der Wegzeiten. Außerdem würde eine Steigerung der Lohnkosten die Baufirmen in ernste Schwierigkeiten bringen. Das würde wiederum Jobs kosten.

Vergangene Woche startete die diesjährige Tarifrunde im Bauhauptgewerbe. Der ursprünglich für den 19. März 2020 geplante Beginn der Tarifverhandlungen zwischen den drei Tarifvertragsparteien, dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), musste damals aufgrund der “Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Berlin” verschoben werden. Mittlerweile sind die Kontaktsperren gelockert, so dass die Verhandlungen über den diesjährigen Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe wieder aufgenommen werden konnten.

Noch keine Kompromiss bei Tarifvertragsparteien im Bauhauptgewerbe

Trotz der Corona-Pandemie sind die Arbeitnehmervertreter selbstbewusst in die Tarifverhandlung eingestiegen und fordern neben einer spürbaren Einkommenssteigerung für die rund 850.000 Beschäftigten und Auszubildenden im Bauhauptgewerbe auch eine zusätzliche Entschädigung für lange Wegezeiten zur Baustelle. Die Arbeitgebervertreter argumentierten mit gestiegenen Baukosten bei gesunkenen Aufträgen und unklaren Zukunftsaussichten. Da sich jedoch keine Tarifvertragspartei kompromissbereit zeigte, wurde die erste Tarifverhandlung 2020 kurzerhand ergebnislos vertagt.

Gewerkschaft will Baubeschäftigte an guter Auftragslage teilhaben lassen

Kaum Betriebe in der Bauwirtschaft befinden sich in Kurzarbeit. Dass sich die Situation etwas verschlechtern sollte, ist kaum zu erwarten. Die IG Bau verlangt deshalb eine Einkommenssteigerung von 6,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro. Gleichzeitig wird eine Entschädigung der Wegzeiten gefordert. Alle Auszubildenden sollen unabhängig vom Lehrjahr 100 Euro mehr im Monat bekommen. Die Arbeitgeber sind jedoch in Sorge, dass die allgemeine Rezession auch auf die Baubranche übergreift. “Obwohl es dafür weit und breit keine Anzeichen gibt, sind wir bereit, für diesen Fall flexible Lösungen zu vereinbaren”, erklärt IG BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Carsten Burckhard. “Was aber nicht geht ist, dass Baubeschäftigte allein aufgrund von unbegründeten Ängsten der Arbeitgeber verzichten sollen.“

Kritik an Gewerkschaftsforderungen wegen trüber Aussichten im Bauhauptgewerbe

Für de Arbeitgeber stellt sich die Situation etwas differenziert dar. Denn nicht nur in Hessen wurden Aufträge zunächst erst einmal auf Eis gelegt. Je länger die Corona-Pandemie andauert, umso dünner werden die Auftragsbücher. Frank Dittmar, Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen, kritisiert daher die Forderungen der Gewerkschaft. So würde eine Lohnerhöhung nichts nutzen, wenn der Betrieb zum Schluss Kurzarbeitergeld beantragen müsste. Umfragen haben ergeben, dass der Auftragsbestand beispielsweise bei den hessischen Bauunternehmen deutlich unter den April-Werten der letzten beiden Jahre liege. Über 20 Prozent der befragten Betriebe schätzen demnach ihre Lage als unbefriedigend ein. Im Januar 2020 waren es nur 8,5 Prozent. Trotzdem werde alles dafür getan, die Fachkräfte auch weiterhin beschäftigen zu können. Die Forderungen, die jetzt bei der Tarifverhandlung vorgelegt wurden, können deshalb nicht nachvollzogen werden. "Die Branche kämpft gerade mit steigenden Kosten, Absagen großer Bauaufträge und einer unsicheren Zukunftsprognose”, warnt Dittmar und fordert im gemeinschaftlichem Interesse eine einheitliche Linie aller Tarifparteien. “Eine deutliche Steigerung bei den Lohnkosten kann die Baufirmen jetzt in ernste Schwierigkeiten bringen und letztendlich auch Jobs kosten."

Große Diskussion um Wegezeiten-Entschädigung

Vor allem die Entschädigung der Wegezeiten war ein Knackpunkt bei den Tarifverhandlungen. Dabei geht es um die Fahrten von den Betriebsstätten zu den Baustellen. "Hier steht uns noch eine intensive Überzeugungsarbeit bevor, obwohl es selbstverständlich ist, dass diese Fahrten fremdnützig und damit vergütungspflichtig sind", erklärt Burckhard. Der nächste Verhandlungstermin findet am 4. Juni 2020 in Berlin statt.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Markus Kasten am 22.07.2020 )

  1. Uftragslage ist gut bis sehr gut. Auch in Coronazeiten viel zu tun. 
     
  2. dieses ständige Gejammer von den Arbeitgebervertretern geht mir langsam auf den Sack, denn 1 Geselle muss arbeiten für 2 ausführen, den engen Terminplan für bh abarbeiten. 
     
  3. was bekommt denn ein Geselle an Rente, wenn dieser mit 65 in den Ruhestand geht? 1500€-1600€?? 
    dazu die jährlich abzutretenden 700€ in die lächerliche Zusatzversorgungskasse
  4. überstunden, die auf ein überstundenkonto gutgeschrieben werden, werden nicht mit 25% Aufschlag vergütet!! 
     
  5. Warum zum Kuckuck ist das Dachdeckerhandwerk nicht dem Bauhauptgewerbe zugehörig ? 

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