Tarifverhandlungen Mindestlohn im Bauhauptgewerbe vertagt

News , 05.09.2019 , Frank Kessler Tarifverhandlungen Mindestlohn im Bauhauptgewerbe vertagt
Foto: Roland Riethmüller

Die Tarifparteien im Bauhauptgewerbe sind über eine Erhöhung vom Mindestlohn uneinig. Daher sind die Tarifverhandlungen bisher ohne Ergebnis verlaufen. Arbeitgebervertreter und Arbeitnehmervertreter trennten sich vergangene Woche in der aktuellen Tarifrunde, ohne ein konkretes Ergebnis zu erzielen. Ein wesentlicher Streitpunkt ist der Mindestlohn 2, der nun auch im Osten eingeführt werden soll. Der Widerstand stößt jedoch auf Unverständnis, da der Mindestlohn auch für faire Wettbewerbsbedingungen sorgt.

"Bei den Verhandlungen geht es um den Schutz des Wettbewerbs und somit um faire Bedingungen in der Baubranche”, erklärt Dietmar Schäfers, der Stellvertretende Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), zur aktuellen Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe. Es sei daher völlig unverständlich, warum die Arbeitgeber diesbezüglich auf der Bremse stehen würden, wundert sich daher der Verhandlungsführer. Denn die Einführung vom Mindestlohn 2 im Osten ist der wesentliche Streitpunkt der Tarifparteien aus IG BAU, sowie den beiden Arbeitgeberverbänden Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Weiterhin sagte Schäfers, dass sich im Westen die Lohnuntergrenze bereits seit Jahren bewährt hätte. Inzwischen profitieren auch andere Bereiche der Baubranche davon. "Wir wollen nach 30 Jahren Mauerfall in Ost und West endlich gleiche Bedingungen haben”, erklärt auch IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt und fordert die konsequente Einführung vom Mindestlohn für qualifizierte Arbeit auch im Osten. “Das schützt den seriösen Wettbewerb."

Deutliche Forderung der IG Bau zur Erhöhung der Mindestlöhne

Die IG Bau setzt sich daher für eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne ein. Außerdem wird die Einführung vom Tarifmindestlohn 2 im Osten gefordert. Im Bauhauptgewerbe gilt zurzeit ein bundesweiter Branchenmindestlohn von 12,20 Euro pro Stunde. Qualifizierte Facharbeiter bekommen eine höhere Mindestvergütung in Höhe von 15,20 Euro. Im Osten ist das jedoch nicht der Fall. Die IG Bau will das nun ändern. Die Arbeitgeber haben sich zu diesem Vorschlag noch nicht geäußert. In den tarifgebundenen Betrieben liegt der Stundenlohn bei mindestens 16,54 Euro. Im Osten hingegen bekommen die Beschäftigten nur mindestens 13,77 Euro. Geht es nach dem Willen der IG Bau, soll das auch im Osten angepasst werden. Die Tarifverhandlungen werden am 23. September in Wiesbaden fortgeführt.

Mindestlöhne werden in vielen europäischen Ländern als positiv angesehen

Positive Erfahrungen zum Mindestlohn gibt es aus vielen anderen europäischen Ländern. Das Abrutschen des Lohngefüges wird damit verhindert und insgesamt als sinnvolle Ergänzung betrachtet. Auch in anderen Branchen haben sich die Mindestlöhne seit ihrer Einführung durchaus bewährt. Mit der Untergrenze soll gleichzeitig das Lohndumping eingeschränkt werden.