Textilbeton revolutioniert den Betonbau

News | Roland Riethmüller | 19.02.2015
Textilbeton revolutioniert den Betonbau
Foto: HWK Oberfranken

Man muss querdenken, um Innovationen zu entdecken. Das dachte sich auch ein Textilhersteller und hat kurzerhand den Stahl im Stahlbon ganz einfach durch Carbon-Fasern ersetzt. Diese 3D-Textil-Armierung im Textilbeton sind deutlich stabiler und leichter als die Stahlarmierungen. Zusammen mit der Handwerkskammer für Oberfranken ist jetzt mit dem Textilbeton ein erstes robustes Straßenmöbel erstellt worden.

Kaum vorstellbar: Ein Hersteller von Schals begibt sich auf ganz neue Wege und produziert für den Betonbau. Jedoch ist es ein logischer Gedanke, dass man mit besonders reißfesten Carbon-Fasern die Funktion einer Stahlarmierung nicht nur ersetzen sondern auch noch optimieren kann. Daher hat sich die V. Fraas Solutions in Textile GmbH auf die Produktion von 3D-biaxiale Hochleistungstextilien für den sogenannten Textilbeton spezialisiert.

Die Carbon-Armierung wird wie die Stahlarmierung verarbeitet und bietet dem Textilbeton die erforderliche Stabilität, um auch Zugspannungen aufnehmen zu können. Der große Vorteil vom Textilbeton besteht darin, dass er wesentlich fester, deutlich leichter und vor allem korrosionsfest ist. Durch die Verstärkung der Carbon-Armierung wird der Textilbeton sechs- bis acht-mal härter als ein vergleichbarer Stahlbeton. Dadurch erzielt man bereits bei deutlich reduzierter Dicke die gleicher Härte ohne an Stabilität einzubüßen. Zudem ist bei gleichem Einsatz der Textilbeton um zwei Drittel leichter als der Stahlbeton. Das ermöglicht die Verwendung von Beton, wo eigentlich normaler Beton unter statischen Gesichtspunkten nicht eingesetzt werden könnte. Darüber hinaus korrodiert der Textilbeton nicht und kann angegriffene Betonflächen auch wieder wasserdicht machen. Wirtschaftlich gesehen ist Textilbeton zwar etwas teurer, doch wird wiederum prozentual weniger Material und Transportkosten benötigt, um die Stabilität von herkömmlichen Stahlbeton zu erreichen.

Da die bauaufsichtliche Zulassung für Textilbeton bereits vorliegt und die Grundlagen für die notwendigen statischen Berechnungen vorhanden sind, kann nun der neue Werkstoff im Einsatz erforscht werden. Dies hat die Handwerkskammer für Oberfranken zum Anlass genommen, um zusammen mit dem Arbeitskreis Stadtentwicklung der Agenda 21 Hof ein robustes Straßenmöbel aus Textilbeton entwickelt. Dabei hat der Ausbildungsmeister der Handwerkskammer, Maurer- und Betonbauermeister Frank Heinisch den neuen Werkstoff im Test eingesetzt und die Verschalung für den Hofer StadtStuhl erstellt.

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