Trotz allgemeinem Trend: Zahlungsmoral am Bau verschlechtert

Trotz allgemeinem Trend Zahlungsmoral am Bau verschlechtert
Foto: Roland Riethmüller

Die Zahlungsmoral säumiger Kunden hat sich trotz Inflation und hoher Energiekosten über alle Branchen hinweg kaum nennenswert verändert. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Überraschend ist dabei, dass ungeachtet von Corona und der damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Dauerkrise die Rechnungen noch immer pünktlich bezahlt werden. Leider gilt das nicht für die Baubranche, wo sich im Vergleich zum Vorjahr bereits ein negativer Trend abzeichnet.

Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso Unternehmen (BDIU) unter deutschen Inkassounternehmen hat sich das Zahlungsverhalten der Kunden in den meisten Branchen kaum verändert. Rund 48 Prozent der Käufer weisen demnach nur eine leicht verschlechterte Zahlungsmoral auf. 39 Prozent der Unternehmen berichten sogar, dass das Zahlungsverhalten gegenüber dem Jahr 2021 gleichgeblieben sei. Bei der Umfrage wurde jedoch auch gefragt, in welcher Branche eine besonders schlechte Zahlungsmoral bestehe. 27 Prozent der Befragten nannten daraufhin das Baugewerbe. Im Jahr 2021 haben nur 17 Prozent diese Antwort gegeben. Hier zeigt sich folglich ein negativer Trend auf. Allerdings könnte es noch schlimmer sein. Denn Spitzenreiter ist die Dienstleistungsbranche mit 58 Prozent. Es folgen die Vermieter/Immobilienwirtschaft mit 41 Prozent, Versorger mit 38 Prozent, das Handwerk mit 37 Prozent, Fitnessbetriebe mit 31 Prozent, Gastgewerbe mit 29 Prozent, Einzelhandel mit 25 Prozent, Freiberufler mit 24 Prozent und das KFZ-Gewerbe mit 23 Prozent. Im Gesamtvergleich steht das Baugewerbe also mit einer Nennung von 27 Prozent noch vergleichsweise positiv da.

Zahlungsmoral und Zahl der Inkassoaufträge fast unverändert

„Es ist schon ein wenig paradox, denn obwohl wir seit zwei Jahren – mit Beginn der Coronapandemie – in einer Art wirtschaftlichen Dauerkrise leben, werden Rechnungen immer noch überraschend gut beglichen“, erklärt BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd. Lediglich 34 Prozent melden leichte Auftragssteigerungen. Die Kostenkrise ist im Forderungsmanagement noch nicht angekommen, so Pedd. Jetzt haben die Unternehmen noch Zeit, sich gegen schlimmeres zu wappnen. Somit können sie auch den anhaltenden Inflationsdruck senken, denn die durch die Forderungsausfälle entstehenden Fehlbeträge müssen dann durch steigende Preise wieder ausgeglichen werden. Nach dem Grund für Zahlungsausfälle gefragt, gaben die Inkassounternehmen an, dass die Inflation daran Schuld sei. Viele Haushalte müssten jetzt bereits an ihr Erspartes gehen, um die laufenden Kosten zu decken. Dabei kommt der große Kostenschock noch, wenn die günstigen Energieverträge auslaufen. Besonders betroffen von Zahlungsausfällen waren Vermieter und Versorger. Der Hauptgrund für die schlechte Zahlungsmoral bei den gewerblichen Kunden waren die Rechnungsausfälle durch die eigenen Kunden.

Kostensteigerungen auch bei den Inkassounternehmen

Auch die Inkassounternehmen haben mit Kostensteigerungen zu kämpfen. 82 Prozent berichten von gestiegenen Betriebskosten. Außerdem kommt es aufgrund der neuen Inkasso-Gebührenordnung zu Umsatzrückgängen. Fest steht aber auch, dass sich die Zahlungsmoral im Jahr 2023 deutlich verschlechtern wird. Das sagen neun von zehn Inkassounternehmen, Besonders betroffen dürften die privaten Schuldner sein.

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