Trotz Baukrise: So sichern Bauunternehmen ihre Zukunft

Foto: Lemnaouer / envatoelements

Die Baukrise hat in vielen europäischen Ländern die Prioritäten von Bauunternehmen verändert. Viele Unternehmen in Deutschland und Spanien bezeichnen aktuell eine gesicherte Finanzierung als ein besonders relevantes Anliegen. Eine aktuelle Studie ist daher der Frage nachgegangen, ob die Betriebe die bewährten kurzfristigen Kostensenkungsmaßnahmen beibehalten oder eher auf zukunftsweisende Investitionen setzen, die ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern. All das macht deutlich, dass die europäische Bauwirtschaft aktuell vor einer richtungsweisenden Entscheidung stehen.

Das globale Strategieberatungsunternehmen L.E.K. Consulting hat im Rahmen seiner Umfrage insgesamt 1.000 europäische Bauunternehmen befragt, um ihre aktuellen Strategien gegen die Baukrise zu erfahren. Dabei hat die Studie aufschlussreiche Erkenntnisse darüber geliefert, wie Bauunternehmen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kurzfristige betriebliche Herausforderungen mit langfristigen Strategien vereinbaren. Für 37 Prozent der Befragten gehört demnach der Abschluss neuer Verträge zu den wichtigsten Prioritäten für Bauunternehmen. 32 Prozent nennen die Verbesserung der Arbeitssicherheit und Unfallprävention und 29 Prozent die Senkung der Betriebskosten. Eine große Herausforderung bleibt der anhaltende Fachkräftemangel, der die Produktivität und Personalkosten in allen in der Umfrage berücksichtigten Regionen negativ beeinflusst. Auch deshalb geben Bauunternehmen kurzfristigen geschäftlichen Überlegungen aktuell tendenziell den Vorrang gegenüber langfristigen Zielen wie der Einführung neuer Technologien und Nachhaltigkeit. Dennoch sind auch sie in der Baukrise nicht völlig unwichtig geworden.

Nachhaltigkeit ist besonders den großen Bauunternehmen wichtig

Obwohl wirtschaftlicher Druck die Nachhaltigkeit kurzfristig in den Hintergrund gedrängt hat, bleibt sie für viele Unternehmen von zentraler Bedeutung. Allerdings geben nur sechs Prozent der kleineren Bauunternehmen mit weniger als einer Million britischer Pfund Umsatz der Nachhaltigkeit einen wirklich hohen strategischen Stellenwert. Dagegen bleibt für 60 Prozent der befragten größeren Bauunternehmen mit einem Umsatz von über 60 Millionen Pfund Nachhaltigkeit in der Baukrise langfristig ein strategisch wichtiger Schwerpunkt mit Chancen für Innovation und Wertschöpfung. Für diese sind vor allem die Energieeffizienz von Gebäuden als wichtigsten Ansatz zu einer Dekarbonisierung. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Verwendung nachhaltiger Materialien nannten dagegen nur noch 48 Prozent statt bisher 70 Prozent.

Die Nutzung neuer Technologien schreitet bei den Unternehmen trotz Baukrise langsam, aber spürbar voran. Abermals sind größere Unternehmen Vorreiter und setzen beispielsweise auf Baumanagement-Software für höhere Effizienz und reduzierte Kosten. Weitere verwendete Instrumente sind Drohnen, 3D-Druck und auf künstlicher Intelligenz basierende Analysen.

Baukrise ist (auch) Wohnungsbaukrise

Verantwortlich für die Baukrise ist nicht zuletzt ein schwächelnder Wohnungsbausektor, wobei für das Jahr 2025 eine Markterholung erwartet wird. Das gilt vor allem für das Vereinigte Königreich, während Frankreich und Deutschland weiter zurückbleiben werden. Mit einem erneuten Aufschwung im deutschen Wohnungsbau rechnet L.E.K. Consulting nicht vor Ende 2025 oder 2026. Strategisch sehen die Berater Europas Bauunternehmen in der aktuellen Baukrise vor einer doppelten Herausforderung: durch einen unmittelbaren betrieblichen Druck und den Anforderungen für ein zukunftsgerichtetes und langfristiges Wachstum. Am erfolgreichsten werden dabei diejenigen sein, die das richtige Gleichgewicht zwischen beiden Strategien finden. Aus der Sicht der Berater sind in der Baukrise aber auch die Zulieferer gefragt: als Entwickler passender Produkte und Lösungen in einem unsicheren Nachfrageumfeld.

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