Der Solarboom sorgt für immer mehr Dacharbeiten und damit auch für deutlich steigende Absturzrisiken. Allein in diesem Jahr registrierte die Berufsgenossenschaft bereits über 6.000 Absturzunfälle, viele davon beim Umgang mit PV-Anlagen. Jetzt reagieren das Dachdeckerhandwerk und die BG Bau mit der Initiative „Sicher auf dem Dach“, um vor allem gefährliche Durchstürze zu verhindern und klare Schutzmaßnahmen in die Betriebe zu tragen. Damit rückt die Sicherheit bei PV-Montagen stärker denn je in den Fokus der Bauwirtschaft.
Der anhaltende Solarboom verändert die Abläufe auf deutschen Baustellen und Hausdächern spürbar. Mit der wachsenden Zahl an Photovoltaikprojekten steigt zugleich das Unfallrisiko, insbesondere durch Abstürze und Durchstürze. So zählen Arbeiten auf dem Dach seit Jahren zu den gefährlichsten Tätigkeiten der Baubranche und bestätigen auch im laufenden Jahr 2025 diesen Trend. Angesichts der erneut gestiegenen Unfallzahlen bündeln der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) ihre Kräfte und starten die Initiative „Sicher auf dem Dach“. Ziel ist es, die zunehmenden Gefahren rund um PV-Montagen und Dacharbeiten stärker ins Bewusstsein zu rücken und praktikable Schutzmaßnahmen zu etablieren. Denn die Zahlen der BG Bau sind eindeutig und unterstreichen den Ernst der Lage. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 wurden 6.178 Absturzunfälle gemeldet, 26 davon mit tödlichem Ausgang. Über ein Drittel dieser schwersten Ereignisse ereigneten sich beim Arbeiten auf dem Dach – meist als Durchsturz durch nicht tragfähige Elemente wie Lichtplatten oder alte Wellasbestdächer. Drei der tödlichen Unfälle standen im direkten Zusammenhang mit Photovoltaikarbeiten. Damit bestätigt sich, was viele Betriebe bereits seit Monaten beobachten: Die hohe Nachfrage nach Solaranlagen bringt zunehmend auch ungeübte Kräfte auf Dächer, die Risiken oft unterschätzen. „Absturzunfälle passieren häufig, wenn auf Dächern ohne ausreichende Sicherung gearbeitet wird“, warnt BG-Bau-Hauptgeschäftsführer Michael Kirsch.
Qualifikation als Schlüsselfaktor für sichere PV-Montagen
Für eine fachgerechte Installation moderner Solarsysteme sind bautechnische Expertise, Materialkenntnis und Routine im sicheren Arbeiten in der Höhe unverzichtbar. Ausgebildete Dachdeckerinnen und Dachdecker verfügen über diese Kompetenzen und kennen die Grenzen der Tragfähigkeit verschiedener Dachkonstruktionen. Der ZVDH sieht daher mit Sorge, dass zunehmend Nicht-Fachkräfte mit PV-Montagen auf Dächer steigen. „Dachdeckerinnen und Dachdecker arbeiten zumeist in der Höhe – aber sie wissen, was sie tun“, betont ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx.
Gemeinsame Initiative setzt auf Aufklärung und praxistaugliche Hilfen
Die von ZVDH und BG Bau gestartete Initiative „Sicher auf dem Dach“ bündelt erstmals Kampagne, Arbeitshilfen und technische Empfehlungen. Social-Media-Formate sollen typische Gefahrensituationen zeigen und sichere Vorgehensweisen einfach vermitteln. Ergänzend entstehen neue Unterlagen, die Betrieben helfen, Arbeitsschutzmaßnahmen unmittelbar im Alltag umzusetzen. Dachdeckermeister André Büschkes, Vorstandsmitglied der BG Bau, hebt den praktischen Ansatz hervor: „Unfälle lassen sich vermeiden, wenn man so arbeitet, wie Profis es tun.“
Unterweisungskalender stärkt betriebliche Sicherheit
Ein zentrales Element der Initiative ist der neue Unterweisungskalender für das Jahr 2026. Mit zwölf sicherheitsrelevanten Monatsthemen unterstützt er Betriebe dabei, Gefahren systematisch zu besprechen und den Arbeitsschutz dauerhaft präsent zu halten. Wird der Kalender sichtbar im Betrieb ausgehängt, erinnert er Beschäftigte täglich an die wesentlichen Maßnahmen für sicheres Arbeiten auf dem Dach. Mit der gemeinsamen Offensive setzen ZVDH und BG Bau ein deutliches Zeichen: Angesichts des rasanten Ausbaus der Solarenergie muss die Sicherheit auf Dächern oberste Priorität erhalten – nicht nur für Fachbetriebe, sondern für alle, die dort tätig werden.

















