Ungeahntes Potenzial durch Kleinstbetriebe im Bauhandwerk

News , 31.07.2016 , Jennifer Brandt Bild zu: Ungeahntes Potenzial durch Kleinstbetriebe im Bauhandwerk
Foto: Roland Riethmüller

Die anhaltend niedrigen Zinsen beflügeln das Bauwirtschaft. Dabei nicht nur der Neubau sorgt für Auftragseingänge. Vor allem Sanierungen und Modernisierungen werden immer häufiger vorgenommen. In diesem Zusammenhang zeigt sich immer öfter, dass vor allem die Kleinstunternehmen und Ein-Mann-Betriebe eine starke Marktposition haben, welche vom Handel und den Herstellern noch viel zu wenig wahrgenommen wird. Doch sollten sie aufgrund der wachsenden Bedeutung gerade darauf ihren Fokus setzen.

Immer mehr Immobilienbesitzer entscheiden sich für Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen an ihrem Eigentum. Dabei sind es immer wieder Arbeiten, wie beispielsweise Malerarbeiten oder das Verlegen neuer Böden. Diese Arbeiten werden in der Regel immer von Kleinstunternehmen oder Ein-Mann-Betrieben durchgeführt. Die Gründe für den Einsatz dieser Mobilen Generalisten in Bauhandwerk liegen dabei klar auf der Hand, denn solche Unternehmen sind flexibler als Großbetriebe und oft auch preiswerter. Unter Umständen kennt man den Unternehmer persönlich oder hat bereits gute Erfahrungen gemacht, die zu Folgeaufträgen führen.

Unterschied zwischen Kleinstbetrieben und Mittelstandsunternehmen

Dass große Baukonzerne längst an Marktmacht verloren haben, ist inzwischen bekannt. Es zeigt sich, dass im Tagesgeschäft insbesondere kleinere Unternehmen die Hauptrolle spielen. Warum dies so ist und wo genau die Unterschiede liegen, versucht das Marktforschungsinstitut BauInfoConsult in einer neuen Studie zu ermitteln. Klar ist, dass gerade einmal sechs Prozent der Unternehmen im deutschen Bauhandwerk 20 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen.

Die Analyse von BauInfoConsult macht deutlich, dass zwei Drittel der Unternehmen im Baugewerbe weniger als fünf Mitarbeiter beschäftigt. Die meisten Kleinstbetriebe haben wohl nur ein bis zwei Beschäftigte. Auf den gesamten Wirtschaftszweig betrachtet, sind es vor allem die Bodenleger (87 Prozent), das Ausbaugewerbe (68 Prozent) und die Maler und Tischler (beide 66 Prozent), die unter fünf Beschäftigte vorweisen können. Es zeigt sich also, dass hier ein großes Potenzial unerkannt schlummert.

Die Kleinstunternehmen im Handwerk besser verstehen

Würde man die Hersteller und den Handel zu seiner Zielgruppe befragen, würden diese immer den traditionellen Mittelstand angeben. Doch die Studie von BauInfoConsult zeigt, dass hier längst ein Wandel stattgefunden hat, den man nicht unbeachtet lassen sollte. Es gilt also, seinen Fokus zu verschieben, hin zu den Kleinstunternehmen.

Damit Hersteller ihren Fokus ändern können, bedarf es jedoch einem besseren Verständnis der neuen Zielgruppe. Für den Kunden ist es oft die größere Flexibilität der Kleinstbetriebe, die sie dazu bringen, ihre Aufträge dort zu vergeben. Und auch der Preis ist ein wichtiger Aspekt. Denn es ist selbstverständlich, dass ein Kleinstbetrieb geringere Kosten hat als ein Mittelständler oder Großbetrieb der Bauwirtschaft. Das spürt der Kunde im Angebotspreis. Und auch die Dienstleistungsvielfalt eines Kleinstbetrieb ist höher, denn allzu oft bietet er dem Kunden einen Alles-aus-einer-Hand-Service an.

Somit variiert auch das Produkt- und Einkaufsverhalten dieser Zielgruppe stärker als bei klassischen Handwerksbetrieben. Der Endkunde spielt eine wichtige Rolle als im sonst üblichen dreistufigen Vertriebsweg und wird unter Umständen auch ernster genommen als vom klassischen Handwerk. Somit kann der Endkunde bei vielen Dingen, wie der Produktwahl, noch stärker agieren, was dem Kleinstunternehmen wiederum seine Arbeit erleichtert.

Neu Fokussierung von Zulieferer und Handel stärken

Langsam erkennen auch die Zulieferer und Hersteller, dass ein Wandel in diesem Bereich stattgefunden hat, auf den es angemessen zu reagieren gilt. Wer hier den Anschluss verpasst, könnte am Ende in die Röhre gucken. Denn es sind immer häufiger die kleinen Betriebe, die ihre Marktposition stärken und damit die Big Player schwächen.