Urteil gegen Branchenbuch-Abzocker

News | Roland Riethmüller | 19.09.2014
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In der Vergangenheit gab es unzählige Fälle von vermeintlichen Branchenbuch-Verlage, die mit amtlich aussehenden Formularen tausende unbedarfter Handwerksmeister täuschten und in die Abo-Falle lockten. Ein Handwerksmeister aus Reutlingen hat nun gegen einen solchen unseriösen Branchenbuch-Abzocker geklagt und Recht bekommen.

Das Konzept ist simple und basiert darauf, dass die unbedarften Handwerksmeister nicht richtig das Kleingedruckten lesen. Nach außen sehen die Formulare amtlich aus und suggerieren Seriosität. Doch in Wahrheit handelt es sich um Verträge, die erst nach Eintragung und Unterschrift durch den Getäuschten wirksam werden. Es ist immer das gleiche: Nach der Rücksendung werden die Branchenbuch-Abzocker aktiv. Innerhalb kurzer Zeit erhält der Geschädigte eine überteuerte Rechnung. Wird die Rechnung nicht bezahlt, so wird sofort Druck auf den vermeintlichen Schuldner ausgeübt. „Es ist üblich, dass Zahlungsverweigerer recht schnell mit Mahnungen und Schreiben von Anwälten überhäuft werden“, bestätigt der Justiziar Richard Schweizer von der Handwerkskammer Reutlingen. Dies sei Teil des Konzepts.

Im vorliegenden Fall tappte ein Handwerksmeister aus Reutlingen in die Abo-Falle. Er sollte eine Rechnung über rund 1.000 Euro bezahlen, verweigerte jedoch die Zahlung wegen Täuschung. Nach der Einreichung einer negativen Feststellungsklage beim Amtsgericht Düsseldorf, bestätigte das Gericht nun, dass keine Zahlungsverpflichtung bestünde (Az.: 30 C 11870/13). Der GEW-Wirtschaftsinformationsdienst GmbH machte nach eigener Aussage aufgrund prozessökonomischer Gründe von sich aus einen Rückzieher und verzichtete freiwillig in vollem Umfang auf die Forderung. Schweizer hält dies für einen vorgeschobenen Grund: „Ein vollumfänglich begründetes Urteil über die unseriösen Praktiken liegt nicht im Interesse der Anbieter.“

Zwar erfordert der Klageweg gegen Branchenbuch-Abzocker einen langen Atem und robuste Nerven, doch lohnt sich. Geschädigte Betriebe erhalten Hilfe bei den juristischen Beratungsstellen der Handwerkskammern.

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