Vergütung kein Grund für Ausbildungsabbrüche im Bauhandwerk

News , 11.04.2018 , Roland Riethmüller Bild zu: Vergütung kein Grund für Ausbildungsabbrüche im Bauhandwerk
Foto: Roland Riethmüller

In der aktuellen Diskussion um Ausbildungsabbrüche und einen Mindestlohn in der Ausbildung betont das Handwerk, Fachkräfte verstärkt qualifizieren und an sich binden zu wollen. Ausbildungsabbrüche müssten daher reduziert werden, jedoch nicht durch eine staatlich festgelegte Untergrenze bei den Ausbildungsvergütungen. Diese haben nämlich keinen Einfluss auf die Ausbildungsabbrüche, wie die Praxis zeigt.

Jede vierte Ausbildung im Handwerk wird abgebrochen. Das geht aus dem Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018 hervor. Damit ist die Quote so hoch wie schon lange nicht mehr und fällt in eine Zeit, die ohnehin bereits durch Fachkräftemangel gebeutelt ist. Doch woran liegt das? Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, hat sich in die aktuelle Diskussion um die hohen Ausbildungsabbrüche eingeschaltet und relativiert die pauschalen Anschuldigungen. So seien gerade in der letzten Zeit viele Ausbildungsverträge bei geflüchteten Auszubildenden aufgelöst worden. Sprachdefizite und mangelnde Kenntnisse im Bereich Rechnen, Schreiben und Lesen führten demnach immer öfter zu Problemen in der Berufsschule und damit auch zu Ausbildungsabbrüchen.

Viele Ausbildungen werden nicht abgebrochen sondern in anderen Betrieben fortgesetzt

Außerdem liege das Handwerk im Vergleich zu den Abbrüchen im akademischen Bereich deutlich zurück. “Vorzeitiges Beenden von Ausbildungsverträgen hat sehr unterschiedliche Ursachen. Ein Großteil hat die Ausbildung nicht wirklich abgebrochen, sondern nur den Vertrag gelöst und setzt die Ausbildung in einem anderen Betrieb fort”, erklärt Schwannecke. “Ein Wechsel ist umso leichter, je größer das Ausbildungsangebot ist.”

Ausbildungsvergütung beeinflusst nicht die Abbruchrate

Gleichzeitig widerspricht der ZDH-Generalsekretär der aufgekommenen Diskussion um zu geringe Ausbildungsvergütungen. Denn laut Schwannecke ist dies selten ein Grund für den Abbruch einer Ausbildung. So verdienen Schornsteinfeger-Azubis im Schnitt deutlich schlechter, haben jedoch eine unterdurchschnittliche Abbruchquote. Und bei den derzeit am besten bezahlten Maurer-Auszubildenden gibt es dagegen die höchsten Ausbildungsabbrüche.

Mindestlohn in der Ausbildung würde den Bedingungen im Handwerk nicht gerecht werden

Überhaupt sei eine Ausbildungsvergütung nicht vergleichbar mit dem Lohn, da sie lediglich ein Zuschuss zum Lebensunterhalt sei und das Kindergeld sowie weitere soziale Leistungen ergänze. “Azubis sind keine voll einsatzfähigen Arbeitskräfte, sondern lernen noch”, erinnert Schwannecke. “Die Höhe der Ausbildungsvergütungen orientiert sich an der Leistungsfähigkeit der ausbildenden Betriebe und den steigenden Einsatzmöglichkeiten der Auszubildenden zusammen.” Außerdem gebe es zudem noch regionale und branchenbezogene Unterschiede, denen eine generelle starre Untergrenze nicht gerecht werden könne. Eine Lösung könne daher nur mit einem branchenspezifischen Ansatz gefunden werden, worüber die Sozialpartner entscheiden müssten und nicht die Bundesregierung. “Wir wollen auf keinen Fall, dass die Tarifautonomie ausgehebelt wird”, betont Schwannecke und empfiehlt, stattdessen Auszubildende lieber wie Studenten mit dem Semesterticket durch ein Azubi-Ticket zu unterstützen. Das Handwerk wiederum müsse es schaffen, die schon bestehenden Unterstützungsinstrumente wie die ausbildungsbegleitenden Hilfen und die Assistierte Ausbildung noch bekannter zu machen.