Verrückt: Mehr Steuereinnahmen durch geringere Grunderwerbsteuer

Foto: Roland Riethmüller

Die Grunderwerbsteuer steht schon seit langer Zeit in der Kritik, denn sie beeinträchtigt Investitionen zur Bildung von Wohnungseigentum. Eine Senkung könnte den Wohnungsbau erheblich ankurbeln: Laut einer aktuellen Studie würde eine Halbierung der Steuer zu mehr Baugenehmigungen, steigenden Baufertigstellungen und langfristig zu höheren Steuereinnahmen führen. Besonders in Zeiten steigender Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum könnte dies ein entscheidender Impuls für den Wohnungsbau sein. 

Durch die steigende Zuwanderung in den Ballungsräumen und die gleichzeitig abnehmende Bautätigkeit wächst kontinuierlich der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Dabei wirkt sich vor allem die Grunderwerbsteuer nachteilig auf den Wohnungsbau aus und verhindert Investitionen. Eine Absenkung der Grunderwerbsteuer könnte ein sinnvoller Impuls und daher valider Lösungsvorschlag zur Ankurbelung der Bautätigkeit sein. Das ergab eine aktuelle Umfrage, die die Bauwirtschaft Baden-Württemberg (BBW), der Landesverband Bayerischer Bauinnungen, der Baugewerbe-Verband Niedersachsen, die Bauverbände NRW sowie der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) in Auftrag gegeben hatten. 

Investitionen in die Bautätigkeit ziehen weitere Investitionen nach sich

Grundsätzlich stellten über alle Bundesländer hinweg die Steuereinnahmen aus Grunderwerb in Höhe von 25,2 Milliarden Euro im Jahr 2023 eine wichtige Einnahmequelle für die Länder dar. Damit liegt der Wert jedoch im Vergleich zum Ergebnis aus dem Jahr 2021 aufgrund der rückläufigen Investitionen bereits um 33 Prozent niedriger und wird weiter sinken. Die Wirtschaftsforscher haben nun berechnet, dass durch eine Absenkung der Grunderwerbsteuer um 50 Prozent von aktuell 5,0 auf 2,5 Prozent die Steuereinnahmen um rund drei Milliarden Euro zurückgehen würden. Gleichzeitig würde jedoch die Zahl der Baugenehmigungen um neun Prozent steigen. Zusätzlich würde sich die Zahl der Baufertigstellungen erhöhen, was wiederum einen Anstieg weiterer Steuereinnahmen verursachen würde. Oder anders ausgedrückt: Die Kosten für den staatlichen Neubau der gleichen Anzahl an Wohnungen, wie sie über eine entsprechende Grunderwerbsteuersenkung geschaffen werden würden, betragen zehn Milliarden Euro. Folglich zieht jeder Euro, der in Bauinvestitionen fließt, bis zu sieben Euro an Folgeinvestitionen nach sich. „Die Rechnung ist einfach“, bestätigt BBW-Hauptgeschäftsführer Thomas Möller. „Klar ist, es werden mehr neue Wohnungen gebraucht. Diese könnten durch eine Senkung der Grunderwerbsteuer entstehen.“ 

Senkung der Grunderwerbsteuer verursacht unter dem Strich höhere Steuereinnahmen

Auch für ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa sind die Ergebnisse der Studie Anlass für einen erneuten Appell an die Länder, die Sorge vor Steuerrückgängen zu überwinden. „Die Grunderwerbsteuer hat sich für Familien zu einer riesigen Hürde bei der Eigentumsbildung aufgetürmt“, so Pakleppa. „Mit Blick auf die Wohnungsnot brauchen wir aber jedes private Bauvorhaben.“ Denn die Senkung der Grunderwerbsteuer würden letztendlich sogar einen Anstieg der Steuereinnahmen bedeuten. Somit mache die Studie deutlich, dass eine Senkung der Grunderwerbsteuer wesentlich günstiger für die Länder wäre, als die Wohnungen selbst zu bauen.

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