Viel Sorge, wenig Positives - das sind die Bautrends 2021

News | Roland Riethmüller | 26.05.2021
Viel Sorge, wenig Positives - das sind die Bautrends 2021
Foto: Roland Riethmüller

Welche Themen bewegen die Baubranche in diesem Jahr? Dieser Frage ist eine aktuelle Untersuchung nachgegangen und hat die aktuellen Bautrends ermittelt. So haben sich die bestimmenden Themen im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschoben und zeigen die neuen Prioritäten. Darunter leidet trotz der positiven Baukonjunktur die allgemeine Stimmung, denn fast alle Bautrends geben der Bauwirtschaft Anlass zur Sorge.

Welche Themen haben in diesem Jahr den größten Einfluss auf die Bauwirtschaft? Wie jedes Jahr hat das Düsseldorfer Marktforschungsinsitut BauInfoConsult auch in diesem Frühjahr wieder die am Bau Beteiligten nach ihrer Einschätzung gefragt. So blicken die an der Umfrage beteiligten 600 Architekten, Bauunternehmer, Dachdecker/Zimmerer, Maler/Trockenbauen und SHK-Installateure trotz der relativ stabilen Baukonjunktur mit Sorge in die Zukunft. Denn obwohl die Bauwirtschaft in den letzten 15 Monaten von der Coronakrise recht verschont blieb, so sehen viele fast nur negative Trends, die ihre Arbeit am Bau erschweren.

Der Fachkräftemangel bestimmt in diesem Jahr die Bautrends

Mit 51 Prozent nennen über die Hälfte der Befragten den Fachkräftemangel als prägenden Branchentrend in diesem Jahr. Das ist ein Anstieg um 11 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem das Bauhauptgewerbe und die Ausbaugewerke sind von diesem Bautrend besonders stark betroffen. Zwar hat sich die Ausbildungsoffensive und die durch Corona gesteigerte Branchenattraktivität bereits bezahlt gemacht. Doch die gestiegenen Ausbildungszahlen können frühestens in ein paar Jahren den gestiegenen Fachkräftebedarf lindern. Vor allem durch die aktuell besonders hohe Nachfrage im Bereich vom Wohnungsneubau und auch die gestiegenen Investitionen im Tiefbau erfordern bereits heute ein Aufstocken von Fachkräften. Daher sind in diesem Bereich immer noch Lösungen gefragt.

Auch die Coronakrise wird als Einfluss-nehmend eingeschätzt

Große Sorge bereitet darüber hinaus immer noch die Coronakrise. Denn auch trotz der glimpflichen Auswirkungen auf die Bauwirtschaft haben immer noch 40 Prozent der Befragten Bedenken hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Das ist zwar ein Rückgang um 23 Prozentpunkte, doch insgesamt immer noch das zweitwichtigste Thema am Bau. Der erhöhte Aufwand durch Hygienekonzepte, die kontaktarme Zusammenarbeit und Mitarbeiter in Quarantäne sind immer noch auf nicht absehbare Zeit Alltag auf der Baustelle. Zusätzlich zu den Sorgen um den Umgang mit dem Coronavirus steigen die Befürchtungen in eine andere Richtung: So rechnen mittlerweile 15 Prozent mit einer erhöhten Anzahl an Insolvenzen.

Große Sorgen um die Baupreise

Auch ein ziemlich neues Thema bereitet der Bauwirtschaft Sorgen. So stehen an dritter Stelle der aktuellen Bautrends die erhöhten Baupreise. Mit 27 Prozent hat über ein Viertel der Befragten Angst vor den Auswirkungen der weiter steigenden Baupreise. Diese Sorge wird vor allem durch die jüngsten Entwicklungen im Rahmen der explodierenden Baumaterialpreise befeuert. So kam es bei einigen Baumaterialien wie Holz, Dämmstoffen und Kunststoffkomponenten zu empfindlichen Preiserhöhungen, auf denen aufgrund zuvor vertraglich festgelegter Preise in der Regel die Bauunternehmen sitzen bleiben. Die Weitergabe an den Kunden wird für kommende Bauvorhaben  in Zukunft zu einem Auftragsdämpfer führen.

Kaum positive Bautrends

Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass kaum positive Themen von den Befragten genannt wurden. Lediglich 20 Prozent sehen Energieeinsparung und Energieeffizienz und 17 Prozent das nachhaltige Bauen als eine positive Entwicklung mit starkem Einfluss auf die Baubranche. Trotzdem werden die anhaltende Klimadiskussion und die hohe Nachfrage nach Fördermitteln zur energetischen Sanierung die nächsten Jahre prägen. Dies setzt quasi einen Gegenpol zu den anderen, eher besorgniserregenden Trends.

Ungewöhnlich ist ebenfalls das Fehlen weiterer Themen. Während im Vorjahr noch vereinzelte Themen mit einem Anteil von wenigen Prozenten genannt wurden, beschränkt sich die Nennung in diesem Jahr tatsächlich auf diesen sechs Themen. Weder der Wohnungsmangel noch die Digitalisierung der Bauprozesse werden angesichts der derzeitigen Situation als bedeutend eingeschätzt.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 26.05.2021 )

„Produktivität ist nicht alles, aber auf lange Sicht fast alles“ (Quelle: US-Ökonom Paul Krugman Nobelpreisträger)

>versus<

Nein, das ginge nicht, beweisen die ("Elite-") Stakeholder der  Wertschöpfungskette Bau (seit über zwei Jahrzehnten.)

  (Geschrieben von Rex Gordon Paerisch am 27.05.2021 )

Wovon niemand spricht, sind die ellenlangen, zeitraubenden und teuren Genehmigungsverfahren der Stadtplanungs-und bauämter. Diese begreifen sich nicht als Dienstleister für die Antragsteller, sondern arbeiten in der Regel daran, Auflagen zu suchen und zu erfinden, welche die Genehmigungen erschweren und verteuern. Bodengutachten, Lärmschutzgutachten, Umwelt-und Naturschutzgutachten, Gutachten für dies, Gutachten für das, Eidechsenhotel für die Lurche, Nistkästen für die fliegenden Gesellen, Umsiedlung von Hamstern und Käfern - Kosten über Kosten! Aktuell wird fast immer ein B-Planverfahren verlangt, manchmal schon für 3-4 Häuser. Folgekostenverträge der Kommunen sind weitere Preistreiber. In den Lohntüten der Bauarbeiter kommt am wenigsten an und der fertige Quadratmeter soll dann noch mit 6,50 EUR vermietbar sein und eine Rendite für den Bauherren garantieren oder einen finanzierbaren Kaufpreis für den Häuslebauer. Wie soll das gehen??

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.