Vielfältige Gründe für Baurechtsstreitigkeiten

Bild zu: Vielfältige Gründe für Baurechtsstreitigkeiten
Foto: Roland Riethmüller

Baumängel und ihre Beseitigung führen immer wieder zu Streitigkeiten am Bau. Doch in welcher Leistungsphase entstehen die häufigsten Baurechtsstreitigkeiten? Und in welcher Höhe und aus welchen Gründen wird überhaupt gestritten? Diese Fragen klärt eine aktuelle Untersuchung und zeigt damit ebenfalls, dass die einzelnen Gewerke im Baugewerbe kaum Anlass zum Streit sind.

Immer wieder kommt es zu Baumängeln auf deutschen Baustellen. Juristische Schritte sind dann meist die Folge. Doch Rechtsstreitigkeiten am Bau sind oft langwierig, kostspielig und nervenaufreibend. Vor allem für private Bauherren stellen sie ein erhebliches finanzielles und zeitliches Risiko dar. Doch um welche Summen geht es eigentlich konkret bei Baurechtsstreitigkeiten, wer sind die häufigsten Streitgegner und worüber wird gestritten? Dieser Frage ist das Institut für Bauforschung Hannover (IfB) im Auftrag vom Bauherren-Schutzbund (BSB) nachgegangen und hat insgesamt 1.344 baurechtliche Mandate aus den Jahren 2014/15 ausgewertet.

Gewerke im Bauhandwerk nur selten Anlass zu Baurechtsstreitigkeiten

Demnach beträgt der durchschnittliche Streitwert bei Baurechtsstreitigkeiten zwischen privaten Bauherren und Bauträgern, Generalunternehmern und Baufirmen 26.000 Euro. Die Eigenheimbesitzer streiten vor allem mit Bauträgern zu 42 Prozent und Generalübernehmern/-unternehmern zu 29,9 Prozent. Zu Streitigkeiten mit Einzelgewerken kam es im vergangenen Jahr nur in 4,1 Prozent aller dokumentierten Fälle.

Bauträger und Generalunternehmer, bzw. -übernehmer werden immer wichtiger

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Umverteilung im letzten Jahr. Denn 2014 lag der Wert der Auseinandersetzungen mit Einzelgewerken noch bei 16,7 Prozent aller Streitigkeiten. Eine starke Zunahme verzeichneten dagegen Baurechtsstreitigkeiten mit Bauträgern (plus 6,9 Prozentpunkte) und Generalunternehmern bzw. -übernehmern. Gerade bei den letzteren Beiden verdoppelte sich fast der Anteil von 16,6 auf 29,9 Prozent. “in den letzten Jahren haben die Streitigkeiten mit Bauträgern und Generalunternehmern bzw. Generalübernehmern deutlich zugenommen. Hier spiegelt sich die Marktsituation wider. Mehr und mehr private Bauherren erwerben ihr Eigenheim von einem Bauträger. Dieser bietet nämlich gleich ein Grundstück mit an, das gerade in Ballungsregionen zur Mangelware wird”, erklärt BSB-Geschäftsführer Florian Becker.

Baurechtsstreitigkeiten meist vor und nach der Abnahme

Die meisten Baurechtsstreitigkeiten entstehen in 28 Prozent aller untersuchten Fälle durch Mängel vor der Abnahme und 24 Prozent nach der Abnahme. Vertragsverstöße/ Schadenersatz führten in 22 Prozent aller Fälle zu Streitigkeiten. Die Leistungsverweigerung war zu 16 Prozent und die Insolvenz des Auftragnehmers zu 10 Prozent der Streitgegenstand.

Gestritten wurde demnach meist wegen Fehlern und Mängeln am Rohbau. Rund ein Drittel aller Baurechtsstreitigkeiten entfallen auf diese Bauphase. Doch auch der Keller und die Abdichtung sowie die Bauphase der Fenster und Türen sind ein häufiger Streitgrund. Dach- und Zimmererarbeiten sowie Trockenbau, Heizung, Sanitär und Elektro werden dagegen nur sehr selten Gegenstand von Baurechtsstreitigkeiten.

Hauptursache von Baurechtsstreitigkeiten sind Baumängel und ihre Beseitigung

Bei der Frage nach dem Grund der Baurechtsstreitigkeiten stehen mit 25,8 Prozent die Teil- oder Nichtzahlung von Honorar oder Werklohn durch beispielsweise Baumängeln an erster Stelle. Es folgen mit 19,7 Prozent Auseinandersetzungen wegen erhöhter Baukosten und 15 Prozent wegen mangelhaftem Feuchteschutz. Mängel beim Wärmeschutz sind in 10,5 Prozent aller betrachteten Fälle und Schadstoffe zu 5,2 Prozent der Anlass eines Rechtsstreits. Schallschutz und Brandschutz sind zu jeweils 3,8 Prozent der Grund für Baurechtsstreitigkeiten

Obwohl viele Baurechtsstreitigkeiten außergerichtlich geklärt werden konnten, wurden 34 Prozent der untersuchten Fälle vor Gericht entschieden. Dabei  wurden 41 Prozent in der ersten Instanz geklärt und 10,7 Prozent gingen in Berufung. 0,3 Prozent wurden vor dem Bundesgerichtshof entschieden und in 38,5 Prozent wurde ein Vergleich geschlossen.

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.