Vier Trends für Baubranche und Bauzulieferer in 2020

News , 20.11.2019 , Frank Kessler Vier Trends für Baubranche und Bauzulieferer in 2020
Foto: Roland Riethmüller

Welche Trends werden wirklich die Baubranche verändern? Da sich das Jahr 2019 langsam seinem Ende nähert, wird es Zeit für die Formulierung der Trends für das Jahr 2020. Für die Baubranche und die Bauzulieferer sehen Branchenexperten unter anderem die Digitalisierung der Wertschöpfungskette am Bau sowie einen wachsenden Ertragsdruck für Hersteller von Baumaterialien als kommende wichtige Trends.

Die sich klar abzeichnende Digitalisierung in der Wertschöpfungskette am Bau verursacht aktuell eine regelrechte Revolution, die die Rollen sämtlicher Akteure in der Branche verändert. Für Bauzulieferer wie die Hersteller von Materialien bietet die Digitalisierung laut dem Branchenexperten Florian Kaiser vom Beratungsunternehmen Dr. Wieselhuber & Partner zum Beispiel die Möglichkeit einer direkteren und effizienteren Interaktion mit der Baustelle. Dabei entstehen neue Optionen durch Just-in-Time- (JIT) und Just-in-Sequence-Produktion (JIS), wie man sie aus der Automobilbranche kennt. Materialien werden exakt zum Zeitpunkt produziert und geliefert, an dem sie benötigt werden. Zukunftsfähig bleiben bei alledem diejenigen Akteure, die rechtzeitig und konsequent Antworten auf die digitalen Herausforderungen finden. Digitalisierung am Bau ist für Kaiser derjenige Trend, der mit der Impact-Stufe 10 den größten Effekt auf die Baubranche ausübt.

Steigender Absatz- und Ertragsdruck für Hersteller

Florian Kaiser prognostiziert darüber hinaus Probleme für den Absatz der herstellenden Bauzulieferer durch verzögerte Projekte, einen Mangel an Grundstücken und volle Auftragsbücher des Handwerks, die Bauprojekte noch zusätzlich ausbremsen können. Vielen Bauausführenden fehlt dabei auch die Zeit für die vertriebliche Beratung zum Einsatz neuer, anspruchsvoller Systeme der Hersteller. Sie setzen stattdessen auf margenarme Standardlösungen. Das setzt die Hersteller im Bezug auf die Marge und den Absatz unter Druck. Reagieren können Hersteller aus Sicht Kaisers darauf zum Beispiel durch ein optimiertes Targeting, Effizienzsteigerung und Internationalisierung. Der Trend zum Ertragsdruck hat für Kaiser die Impact-Stufe 9 von 10.

Wichtig sind zukunftsfähig konzipierte Datenmodelle

Zukunftsfähig konzipierte Datenmodelle sind ebenfalls ein Trend für Bauunternehmen und Bauzulieferer, die eng mit Digitalisierung verbunden sind. Sie ermöglichen einen effizienten Blick auf die Customer Journey der Zielgruppen. Noch sieht die Situation bei Herstellern in der Baubranche aber allzu oft anders aus. Sie ist geprägt von heterogenen Systemen und Datenstrukturen sowie durch einen uneinheitlichen Blick auf den Markt. "Wer seine Zielgruppe und deren Customer Journey tatsächlich kennt und gestaltet, den Ressourceneinsatz zur Zielgruppenbearbeitung konsequent steuert und optimal allokiert, steigert seinen Markterfolg messbar und dauerhaft", urteilt Kaiser. Für ihn erreicht der Trend zu zukunftsfähig konzipierten Datenmodellen die Impact-Stufe 8 von 10.

Auch modulares Bauen ist ein bedeutender Trend

Ebenfalls Stufe 8 von 10 sieht Kaiser beim vierten Trend für 2020: der Modularisierung und Vorfertigung von Elementen für den Bau. Sie kann bis zur Vorfertigung vollständiger Funktionseinheiten wie Bäder oder Zimmer reichen. Als Beispiele nennt Kaiser unter anderem komplexe Betonfertigteile, Fassadenmodule sowie vorkonfektionierte Systeme aus der Gebäudetechnik. Durch knappe Kapazitäten und die anhaltende Digitalisierung wird das modulare Bauen immer stärker an Bedeutung gewinnen. Die Bau- und Bauzulieferindustrie sollte daher den Wandel in der Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft ebenso genau beobachten wie die Veränderung in den Wettbewerbsstrukturen und sich frühzeitig strategisch darauf einstellen.