Volle Auftragsbücher im Holzfertigbau und Holzhandwerk

News | Frank Kessler | 08.12.2020
Volle Auftragsbücher im Holzfertigbau und Holzhandwerk
Foto: Wolfgang Flamisch/DHV, Ostfildern; www.d-h-v.de

Noch ist nicht abzusehen, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht. Sicher ist aber, dass die Bauwirtschaft bisher gut dabei weggekommen ist. Besonders überraschend ist aber, dass der handwerkliche Holzbau und der Holzfertigbau volle Auftragsbücher haben. Das hat mehrere Gründe. Es werden nicht so viele Fachkräfte benötigt wie bei anderen Bauweisen und außerdem hat diese Sparte schon in der Vergangenheit vorausschauend agiert.

Holz als Baumaterial wird seinen Marktanteil bis Ende des Jahres 2021 noch vergrößern. Das ist die Meinung, die das in Düsseldorf ansässige Marktforschungsunternehmen BauInfoConsult vertritt. Die aktuelle Prognose basiert auf den Baufertigstellungen 2019, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt hat. Befragt wurden 600 Baufachleute im April und Mai 2020, mitten im ersten coronabedingten Lockdown. Schon damals prognostizierten die Marktforscher einen starken Anstieg von Holz als Baustoff. Der Baustoff Ziegelstein dürfte sich auf dem Vorjahresniveau bewegen. Mit geringen Zuwächsen wird beim Stahlbeton, Porenbeton und Kalksandstein gerechnet.

Serielles Bauen im Holzfertigbau hilft gegen Wohnungsnot

"Der Holzbau ist in Zeiten der Krise, wie wir sie gegenwärtig durchleben, in der Tat im Vorteil”, erklärt Erwin Taglieber, Zimmermeister, Präsident des Deutscher Holzfertigbau-Verband (DHV) und Geschäftsführer eines Holzbau-Unternehmens in Oettingen/Bayern. “Das liegt zum einen daran, dass die rund 400 Holzfertigbau-Betriebe in Deutschland bauartbedingt gewohnt sind, weitsichtig vorauszuplanen und Standard-Bauteile bedarfsgerecht vorzufertigen". Weiterhin betonte er, dass hier weniger Fachkräfte benötigt werden als bei anderen Bauweisen. Außerdem besteht der Unterschied auch darin, ob komplexe Wand-, Dach- oder Deckenelemente als Baugruppen mit maschinentechnischer Unterstützung in der Werkstatt bzw. Halle entstehen und auf der Baustelle nur noch mit wenigen Handgriffen montiert werden müssen. Das bedeutet eine große Zeitersparnis, einen geringeren Personalbedarf und eine bessere Passgenauigkeit. Das Problem des Wohnungsmangels lasse sich laut DHV nur mit der seriellen Bauweise und mit einer automatischen Produkttechnologie beseitigen. Die Gefahr bestehe allerdings darin, wieder in den Kleintafelbau der 60er Jahre zurückzufallen. Einige Betriebe im DHV haben jedoch bereits hochkomplexe, schlüsselfertige Raummodule zu ansprechenden Wohngebäuden, Schulen, und Kindergärten kombiniert, die kurze Zeit nach dem Montagebeginn an die Auftraggeber fertig übergeben wurden.

Ermutigende Ergebnisse

Die Ergebnisse seien laut DHV so ermutigend, dass mit dem Holzfertigbau in der Zukunft verstärkt zu rechnen sei. Die Entwicklung geht schließlich dahin, dass in den Fertigungshallen von Hausbau-Unternehmen - ähnlich wie in der Automobilindustrie - Maschinen einen Großteil der anstehenden Arbeiten übernehmen. Der klassische Bau von Gebäuden auf der Baustelle verlagert sich dadurch zunehmend in die wettergeschützten Werkhallen des Holzfertigbaus. Eine zentrale Rolle spielt die besondere Eignung von Holz für die maschinelle Verarbeitung.

Der anhaltende Wettstreit zwischen Holzbau und Mauerwerksbau

Als wenig zielführend bezeichnet der DHV die verstärkt veröffentlichten Medienberichte, dass der Mauerwerksbau 'umweltfreundlicher' als der Holzbau sei. So betont der DHV, dass Mauerwerk sehr energieintensiv hergestellt werden müsse, per se keinerlei Kohlendioxid speichern könne und deshalb nicht wirklich ein Nützling sei, wenn es um die Eindämmung der Erderwärmung geht.

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