Ab dem kommenden Jahr müssen Straßenbauunternehmen beim Einbau von Walzasphalt strengere Vorgaben zum Gesundheitsschutz erfüllen. Ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole aus Bitumen erhöht den Handlungsdruck auf die Betriebe. Eine neue Branchenlösung zeigt nun, wie sich die Belastung der Beschäftigten reduzieren und die gesetzlichen Anforderungen einhalten lassen. Im Fokus stehen temperaturabgesenkter Asphalt, abgesaugte Straßenfertiger sowie organisatorische Schutzmaßnahmen.
Beim Einbau von Walzasphalt gelten ab dem 1. Januar 2027 strengere Anforderungen an den Gesundheitsschutz. Der neue Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 1,5 Milligramm pro Kubikmeter für Dämpfe und Aerosole aus Bitumen zwingt Straßenbauunternehmen dazu, die Belastung ihrer Beschäftigten wirksam zu reduzieren. Diese entstehen hauptsächlich durch die hohen Temperaturen bei der Verarbeitung und können insbesondere Augen und Atemwege reizen. Für Straßenbauunternehmen bedeutet die Neuregelung, dass bestehende Arbeitsverfahren und Schutzmaßnahmen überprüft werden müssen. Orientierung bietet die aktualisierte Branchenlösung „Bitumen beim Heißeinbau von Walzasphalt“ der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau), die vom Koordinierungsausschuss Bitumen im Walz- und Gussasphaltbau (KoA-Bit) erarbeitet wurde. Im Mittelpunkt stehen temperaturabgesenkter Asphalt und abgesaugte Straßenfertiger.
Gesundheitsschutz: Temperaturabgesenkter Asphalt reduziert Belastung
Eine zentrale Rolle beim Gesundheitsschutz spielt die Vermeidung beziehungsweise Verringerung der Emissionen bereits während der Verarbeitung. Die Branchenlösung setzt deshalb speziell auf temperaturabgesenkte Asphalte. Zusätzlich soll auf mineralölbasierte Trennmittel verzichtet werden. Als wichtige technische Schutzmaßnahme wird außerdem der Einsatz von Asphaltstraßenfertigern mit Absaugung genannt. Damit sollen Straßenbauunternehmen den neuen Arbeitsplatzgrenzwert möglichst zuverlässig einhalten können. „Ein wirksamer Gesundheitsschutz braucht Lösungen, die fachlich fundiert und in der Praxis erprobt und mit vertretbaren Mitteln umsetzbar sind“, erklärt Marc Wählen, Vorsitzender des KoA-Bit. „Deshalb haben die beteiligten Verbände und Sozialpartner sowie die BG Bau ihre Erfahrungen gebündelt und ein gemeinsames Maßnahmenkonzept entwickelt, das den Betrieben eine verlässliche Orientierung bietet.“
Walzasphalt: Gefährdungsbeurteilung und PSA bleiben wichtig
Technische Lösungen allein reichen jedoch nicht aus. Ergänzend sieht das Schutzkonzept organisatorische und personenbezogene Maßnahmen vor. Dazu zählen eine geeignete Planung der Arbeitsabläufe, arbeitsmedizinische Vorsorge und persönliche Schutzausrüstung (PSA). Für die praktische Umsetzung stellt die Branchenlösung zudem Vorlagen für die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung sowie eine Musterbetriebsanweisung bereit. Diese können auch für die Unterweisung der Beschäftigten genutzt werden. „Mit der aktualisierten Branchenlösung für den Walzasphalteinbau geben wir Unternehmen konkrete und praxiserprobte Empfehlungen an die Hand, wie sie den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten nachhaltig verbessern und nach dem Stand der Technik umsetzen können“, betont BG-BAU-Präventionsleiter Björn Kass. „Gleichzeitig schafft sie mehr Handlungssicherheit für Unternehmen bei der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen.“
Neue Branchenlösung ersetzt bisherige Regelung
Die neue Branchenlösung beschreibt den aktuellen Stand der Technik und ersetzt die bisherige Fassung, die sowohl Walz- als auch Gussasphalt umfasste. An ihrer Erarbeitung waren neben der BG Bau unter anderem die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), der Deutscher Asphaltverband (DAV) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) beteiligt. Damit liegt Straßenbauunternehmen rechtzeitig vor Inkrafttreten des neuen Grenzwerts eine gemeinsam entwickelte Grundlage für den Gesundheitsschutz beim Walzasphalteinbau vor.

















