Warnung vor Trenching - Breitbandausbau besser im Tiefbauverfahren

News , 21.09.2018 , Frank Kessler Bild zu: Warnung vor Trenching - Breitbandausbau besser im Tiefbauverfahren
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Die Bauindustrie in Nordrhein-Westfalen warnt vor einem Billigverfahren beim Breitbandausbau. Schließlich sind die neuen Breitbandnetze die Nerven der Digitalisierung und schaffen die Rahmenbedingungen für künftige Produktionsverfahren, autonomes Fahren oder für eine intelligente Logistik. Daher dürfen die neue Gigabitleitungen auf keinen Fall beschädigt werden. Doch wer billig baut, schafft sich neue Probleme. Denn mit dem Trenching steigt die Gefahr von künftigen Beschädigungen.

"Die Kommunen hoffen heute auf schnelle Erfolge und schaffen sich die Probleme von morgen", mit diesen Worten reagiert Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen, auf die steigende Zahl sogenannter "Trenching"-Verfahren beim Ausbau des Breitbandnetzes. Das Problem bei diesem Verfahren ist, dass die Kabel nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche verlegt werden. Bisher war es so, dass ein Sicherheitsabstand eingehalten und die Kabel tief unter der Erde verlegt wurden. Bei diesem etablierten Tiefbauverfahren wird die Lage der bestehenden Gas-, Wasser-, Telefon- und Stromleitungen berücksichtigt. Beim Trenching-Verfahren ist das nicht der Fall. Die Kabel werden einfach durch die Erde gezogen, ohne andere Infrastrukturen zu beachten. Nur weil die digitale Welt immer schneller voranschreitet, sollte jedoch die Grundlage dafür nicht im wenig nachhaltigen Schnellverfahren geschaffen werden.

Gefahr durch Beschädigung

Denn aus Sicht der Bauindustrie NRW besteht eine reelle Gefahr, dass die neu verlegten Kabel bei künftigen Straßenarbeiten schnell beschädigt oder sogar durchtrennt werden. Denn häufig liegt später keine Dokumentation vor, wie die Kabel verlegt wurden. Würde jedoch die Kabelverlegung wie bisher im Tiefbauverfahren erfolgen, bestünde die Gefahr der Beschädigung nicht. Die Kabel würden dann in Versorgungsrohren tief unter der Erde liegen und außerdem wären diese Tiefbauarbeiten entsprechend vermerkt. Ein Katastereintrag ist deshalb zwingend erforderlich. Die Bauindustrie NRW fordert aus diesem Grund die Kommunen auf, die etablierte Tiefbaumethode zu nutzen und die Bauarbeiten der verschiedenen Infrastrukturunternehmen in Zukunft zu koordinieren. So könnten mehrere Arbeiten zusammengefasst und die Glasfaserkabel gleich mit verlegt werden. Außerdem wird von der Bauindustrie das Verlegen von Leerrohren befürwortet. So könnte man auch zu einem späteren Zeitpunkt die Breitbandkabel durchziehen, ohne gleich die Straßen erneut öffnen zu müssen.

Auf Bewährtes zurückgreifen

Vor allem der Breitbandausbau in komplexen Gegenden verlangt nach bewährten Bauverfahren. Davon betroffen sind die Unterquerung von Schnellstraßen, Wasserläufen und Bahnstrecken oder die von Schwerlastverkehr belasteten Straßen. Der konventionelle Tiefbau hat schon seinen Sinn und Digitalisierung sollte nicht aus Flickwerk zustandekommen. Denn grundsätzlich begrüßt die Bauindustrie Nordrhein-Westfalen die neue Zielsetzung von Bundes- und Landesregierung, bei der der Fokus auf dem Ausbau von Glasfaserleitungen liegt anstatt das Hochrüsten alter Kupferkabel zu fördern.