Wechselkennzeichen für das Bauhandwerk nützlich?

News , 10.09.2010 , Stephan Gruber Bild zu: Wechselkennzeichen für das Bauhandwerk nützlich?
Foto: Roland Riethmüller

Ab 2011 kann wohl ein Kennzeichen auf bis zu drei Autos ausgewechselt werden. Die Regierung hilft beim Geldsparen, denn zukünftig soll man mehrere Fahrzeuge mit einer Kfz-Police fahren können. Österreich und die Schweiz machen es bereits erfolgreich vor. So soll künftig nun auch in Deutschland auf ein Auto-Kennzeichen bis zu drei Fahrzeuge zulassen werden können. Aber bringt die neue Regelung auch Vorteile für das Handwerk? Für den Verbraucher mit Cabrio und Wohnmobil sicherlich eine lohnende Neuerung. Doch auch der selbstständige Handwerker mit privatem KFZ und geschäftlichen Lieferwagen könnte profitieren.

Ob ein Kennzeichen zwischen Bagger und Tieflader gewechselt werden darf, ist noch offen. Sicherlich wäre es eine Entlastung von Bauunternehmen und Handwerksbetrieben mit großen Maschinen- und Fahrzeugpark wünschenswert, von dem immer nur ein Teil benötigt wird.

Schon seit längerem ist das Wechselkennzeichen sowohl in Österreich als auch in der Schweiz Standard. Bei den Eidgenossen gibt es das Nummernschild für bis zu drei Fahrzeuge bereits seit einem halben Jahrhundert. Es gilt jedoch nur für das gerade genutzte Auto - alle anderen müssen derweil in der Garage bleiben. Wechselt der Fahrzeugführer den fahrbaren Untersatz, muss er das Schild umstecken.

In Deutschland wird es mit dem Wechselkennzeichen für die davon betroffenen Autos nur noch eine gemeinsame Haftpflichtpolice geben. Teil- und Vollkaskoschutz hingegen müssen weiter für jedes Fahrzeug einzeln versichert werden. Wer also bislang zum Beispiel für einen Oldtimer, ein Cabrio oder ein Wohnmobil ein Saisonkennzeichen nutzt, wird darauf im Rahmen der Haftpflichtdeckung künftig verzichten können. Zumindest theoretisch.

Denn nach welchen Gesichtspunkten die Versicherer die gemeinsame Haftpflichtprämie für gleich mehrere Fahrzeuge errechnen werden, ist noch offen. Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist Spekulationen zurück, die Messlatte für die Berechnung sei wie in Österreich, wo das jeweils wertvollste Mobil zugrunde gelegt wird: „Die Prämie muss risikogerecht kalkuliert werden.“ Ein nur wenige Wochen im Jahr genutztes Wohnmobil könne teurer sein als eine größere Limousine.

Die für Ende 2010 geplante Gesetzesvorlage findet jedoch keinen ungeteilten Zuspruch. Während sich nämlich Autoindustrie und das KFZ-Handwerk auf einen Anstieg der Verkaufszahlen freuen, sehen die Versicherer Gewinneinbußen im unteren einstelligen Prozentbereich auf sich zukommen. Längst sind nicht alle Fragen geklärt, so Jörg Rheinländer, Aktuar bei der HUK-Coburg: „Insbesondere steht nicht fest, welche Fahrzeuge Wechselkennzeichen führen und zwischen welchen Fahrzeugen die Kennzeichen getauscht werden dürfen.“ Es werde unterschiedlichen Versicherungsbedarf für Fahrzeuge mit diesem neuen Nummernschild geben, ein einzelner Vertrag mit identischem Deckungsumfang für zwei Automobile erscheine deshalb nicht kundenfreundlich.

Zudem, so Allianz-Sprecherin Herrmann, stehe einer weiten Verbreitung des von der Regierung geplanten Schildes ein ganz subtiles Problem gegenüber: „Nicht genutzte Fahrzeuge müssen auf einem nicht öffentlichen Platz abgestellt werden.“ Bei mehreren Pkws pro Haushalt müsse also genügend privater Parkplatz zur Verfügung stehen – in größeren Städten ein Problem.