Wenig attraktiv und schlecht bezahlt - Frauen meiden Bauberufe

News | Frank Kessler | 22.02.2021
Wenig attraktiv und schlecht bezahlt - Frauen meiden Bauberufe
Foto: Roland Riethmüller

Trotz steigender Emanzipation arbeiten nach wie vor vergleichsweise wenig Frauen im Baugewerbe. Im Vergleich verschiedener Branchen belegt die Bauwirtschaft sogar den letzten Platz. Laut einer aktuellen Studie liegt der Anteil der weiblichen Beschäftigten in Vollzeit bei sieben Prozent und in Teilzeit sogar bei nur sechs Prozent. Während der Frauenanteil in Architektur und Planung höher ausfällt, ist er bei Berufen im Baugewerbe besonders niedrig.

Vergleichsweise großer Beliebtheit erfreut sich der Bauingenieurberuf bei den Frauen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Frauen am Bau", die jüngst vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) herausgegeben wurde. Von knapp 60.000 Studierenden in dem Studienfach Bauingenieurwesen sind etwa 18.000 und damit ungefähr 30 Prozent weiblich. Ähnlich sieht es bei den Bauingenieursstellen aus. So lag der Frauenanteil bei den überwiegend in Unternehmen tätigen Bauingenieuren im Jahr 2020 bei 28 Prozent und bei den hauptsächlich in der öffentlichen Verwaltung arbeitenden sogar bei 45 Prozent. In der Architektur überwiegt der weibliche Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 51 Prozent sogar gegenüber dem der Männer. Bei Berufen rund um die Bauvermessung und -planung beträgt er 22,1 Prozent.

Sehr niedriger Frauenanteil in gewerblichen Berufen

Sehr niedrig ist der Frauenanteil dagegen in den gewerblichen Berufen des Baugewerbes. Laut Studie liegt der Anteil der weiblichen Beschäftigten in Berufen des Bauhauptgewerbes bei nur 1,5 Prozent. In den ausbaugewerblichen Berufen ist die Frauenquote mit 2,2 Prozent nur geringfügig höher. Besonders niedrig ist der Anteil der Frauen mit 0,4 Prozent im Rohrleitungsbau und mit 0,6 Prozent im Dachdeckerhandwerk. Bei den Ausbildungszahlen kommt der Frauenanteil auf etwas höhere, aber nicht sehr viel höhere Werte. So sind 2,1 Prozent der Auszubildenden im Bauhauptgewerbe Frauen. Bei den ausbaugewerblichen Berufen liegt der Prozentsatz bei 4,2 Prozent.

Bauberufe mit große Diskrepanzen bei den Löhnen

Möglicherweise tragen Lohnunterschiede dazu bei, dass der Frauenanteil in vielen Bauberufen relativ niedrig bleibt. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst weiblicher Fachkräfte in leitender Position sei zwar zwischen den Jahren 2010 und 2020 um 46 Prozent angestiegen. Nahezu gleich blieb im selben Zeitraum allerdings mit 76 Prozent der Abstand zum Gehaltsniveau der Männer. Allerdings weist der HDB auch darauf hin, dass der Verdienst langjähriger männlicher Mitarbeiter in der Statistik mit relativ neu hinzugekommenen weiblichen Arbeitskräften verglichen wird. Komplett erklären lässt sich die Lohndiskrepanz damit aber wohl nicht. Der für Wirtschaft zuständige HDB-Vizepräsident Tim Lorenz nutzte die Präsentation der Studie jedenfalls als Gelegenheit für einen Appell an Unternehmen, die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern zu schließen. Um den Frauenanteil im Baugewerbe zu erhöhen, sieht er die gesamte Branche gefordert, die Attraktivität der Bauberufe gerade für Frauen zu betonen und hervorzuheben.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von BB am 23.02.2021 )

Fragt doch bitte nicht nur nach dem Gehalt sondern auch der Arbeitszeit.

Wie viele der Handwerkerinnen sind denn bereit 55+ Stunden/Woche zu klotzen? Wenn nach 38,5h der Yogakurs ruft, dürfen die bösen alten Männer die Baustelle alleine fertig machen.

 

 

  (Geschrieben von WZ am 23.02.2021 )

Wieviele Männer sind denn bereit, nach dem Feierabend die Kinder und Familie zu versorgen wenn das Sofa und das Bier rufen? Bitte sachlich bleiben!

Die Gehaltsunterschiede gibt es und werden von Männern wie Ihnen gerne unsachlich begründet. Das Gehalt wird für eine bestimmte Arbeitszeit vertraglich vereinbart. Ich traue dem HDB schon zu, dass sie in der Studie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und Ihr Gehalt für die 55h Woche nicht mit dem für eine 38,5h Woche verglichen wird.

Übrigens würde Yoga Ihnen auch gut tun. Om shanti!

  (Geschrieben von GS am 23.02.2021 )

die Fragestellung ist meiner Meinung nach eher ob mal hinterfragt wurde wie viele Frauen sich denn für einen Job am Bau beworben haben. Vermutlich ist der Teil wesentlich geringer als bei Männern.

Ich denke nicht das der Lohnunterschied sondern eher die, für Frauen wesentlich zu hohe körperliche Kraftanstrengung am Bau z.B.: für eine Maurerin zu hoch ist. Da liegt in meinen Augen das größte handicap für Frauen sich für diesen Beruf zu entscheiden.

  (Geschrieben von KD am 23.02.2021 )

Alle Anwesenden sollten sich im Klaren sein, dass das Bauwesen für Frauen ein extrem hartes Pflaster ist. Ich (Master of Science Bauingenieurwesen) habe mehr als nur einmal zu spüren bekommen, dass ich „nur“ eine Frau bin. 
„sie sind eine Frau, mit mir kommen sie nie einen Tunnel (Bewerbungsgespräch)“. „Du bist eine Frau, du hast mir gar nichts zu sagen (Bauarbeiter)”, „wo bekomme ich denn meine Milch her, wenn nicht mal die welche gibt (Polier)“. Solche Sprüche muss Frau aushalten und kontern können. 
Und bereit sein härter zu arbeiten als die Männer. So zum Thema Yoga. 60 Stunden sind durchaus normal für mich. Genauso wie für die andere weibliche Kollegin. Kein Mann kommt bei uns auf diese Stundenzahl. 
 

Grüße von einer Planungskoordinatorin im Tunnelbau

  (Geschrieben von Alexander W. am 23.02.2021 )

Lassen Sie doch bitte diesen abgedroschenen Spruch, daß "Frauen immer härter arbeiten müssen, als die Männer..."

Niemandem wird heute etwas geschenkt - auch Männern nicht.

  (Geschrieben von C. Quiatkowski am 27.02.2021 )

Ein Gender-Pay-Gap lässt sich mit der Überschrift "Wenig attraktiv und schlecht bezahlt - Frauen meiden Bauberufe" schwer begründen.

Außerdem stelle ich mal fest, dass (einige) Bauarbeiter und Poliere nicht explizit nur gegen Frauen asoziales Verhalten an den Tag legen. Ich musste schon diverse Prügeleien und beinahe Totschläge verhindern und durfte die meisten üblichen verbalen Beleidigungen und Drohungen über mich ergehen lassen. Nur habe ich nicht das Privileg zu behaupten ich hätte es besonders schwer als Mann, weil mich Männer beleidigen, meine Anweisungen ignorieren oder mir Schläge androhen.

  (Geschrieben von Fritz Zimmer am 08.11.2021 )

Wer ist denn überhaupt dieser HDB ? Das ist der Zusammenschluß jener Großfirmen, die vom Polier abwärts kaum noch jemanden am Bau beschäftigen und sich stattdessen die Lohnleistungen von fremden Kolonnen ausführen lassen. Jene Großbetriebe beschaffen sich Aufträge zu einem Verrechnungslohn von mehr als 50 Euro pro Stunde und zahlen 25,00 Euro an ihre Subunternehmer je Std. aus; davon soll dann ein Lohn für diese zigtausenden von Beschäftigen gezahlt werden, von man leben können soll. Zugleich verhindern es die Arbeitgeberverbände, die Arbeit am Bau attraktiver zu machen, damit das lukrative System erhalten bleibt auf Kosten der versklavten Bauarbeiter.  

Hinzu kommt, daß i.d.R. ein Bauarbeiter täglich 11 Std unterwegs ist, um 8 Lohnstunden zu erzeugen. Die Gewerkschaft dringt nicht durch, eine Wegezeitentschädigung mit den Arbeitgeberbänden auszuhandeln.

Und wenn nun Frauen kaum am Bau auftauchen, dann kann man ihnen an dieser Stelle attestieren, daß sie vermutlich klüger sind als wir Männer, die sich versklaven lassen.

Welche Studien sind eigentlich redlich ? Wie kann denn überhaupt der HDB über Löhne und Lohndifferenzen eine Aussage machen, wo doch klar ist, daß die gezahlten 25 Euro nach Abzug der Geschäftskosten und der Gehälter in Sklavenbetrieben nicht einmal für den Mindestlohn und die zugehörigen Lohnnebenkosten ausreicht. Und warum wird immer wieder der Zoll fündigt bei Baustellen jener Bauwirtschaft, der dieser HDB vorsteht ?

Sind nicht nach der Tönnies-Affaire gesetzlich die Schlachterkolonnen verboten worden ? Das würde ich mir auch für den Bau wünschen, damit überhaupt die Chance auf geordnete Arbeits-bedingungen entstehen können.

Habe fertig :)

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