Weniger Bauunternehmen: Gründungen sinken auf 20-Jahres-Tief

Foto: halfpoint / envatoelements

Die Zahl der Neugründungen im Baugewerbe ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen: Mit nur noch 14.700 neuen Bauunternehmen verzeichnet die Branche ein Minus von 12,7 Prozent. Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Gründungen damit mehr als halbiert. Steigende Kosten, hohe Zinsen und Unsicherheit am Markt verschärfen die Krise. Für Bauwirtschaft und Handwerk drohen gravierende Folgen, von sinkender Innovationskraft bis hin zu einem massiven Verlust an Dynamik.

Die Gründungszahlen im deutschen Baugewerbe durch einen deutlichen Abwärtstrend gekennzeichnet. Nach Angaben vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wurden im Jahr 2024 bundesweit nur noch rund 14.700 neue Unternehmen aus der Kategorie Baugewerbe gegründet. Das entspricht einem Rückgang von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Zahl der Neugründungen am Bau deutlich unter dem Niveau der Jahre 2019 bis 2021, als sie noch bei über 20.000 lag. Besonders gravierend ist allerdings der längerfristige Vergleich. Während im Jahr 2004 noch über 36.000 Bauunternehmen neu in den Markt eintraten, hat sich diese Zahl zwanzig Jahre später mehr als halbiert. Einziger positiver Ausreißer war das Jahr 2019, als ein kurzfristiger Anstieg auf mehr als 20.000 Neugründungen verzeichnet wurde. Seitdem geht es kontinuierlich bergab. Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht, wie eng die Gründungstätigkeit am Bau mit den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft ist.

Baugewerbe verliert an Gründungsdynamik

Damit dokumentiere die Zahlen zweifellos auch die Krise in der Baubranche. Gestiegene Materialpreise, hohe Finanzierungskosten und eine spürbare Investitionszurückhaltung bremsen Bauherren wie Unternehmer gleichermaßen. Nach Einschätzung von ZEW-Wirtschaftsforscherin Sandra Gottschalk birgt der Rückgang erhebliche Risiken: „Der Rückgang bei forschungsintensiven Industriegründungen könnte dazu führen, dass künftig weniger innovative Produkte auf den Markt kommen. Das schwächt bereits heute die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“. Auch im Baugewerbe selbst bedeutet die abnehmende Zahl neuer Marktteilnehmer weniger Innovationsimpulse. Gerade kleine und junge Betriebe haben in den vergangenen Jahrzehnten wichtige Entwicklungen vorangetrieben, sei es bei energieeffizientem Bauen oder in der Digitalisierung der Baustellenprozesse.

Strukturwandel setzt Baubranche unter Druck

Die Zahlen des Mannheimer Unternehmenspanels (MUP) zeigen, dass das Baugewerbe im Jahr 2024 rund 5.500 Neugründungen weniger verzeichnete als noch im Jahr 2019. Der Rückgang fällt damit deutlich stärker aus als in vielen anderen Branchen. Besonders auffällig ist die Verschiebung hin zu Dienstleistungen: Während Bau und Industrie schrumpfen, legten Unternehmensberatungen, Werbeagenturen und das Gastgewerbe zuletzt deutlich zu. Für die Bauwirtschaft bedeutet das einen schleichenden Verlust an Marktanteilen innerhalb der Gründungslandschaft. „Wirtschaftskrise und Bürokratie bremsen das Gründungsgeschehen massiv“, betont Patrik-Ludwig Hantzsch, Sprecher des Verbandes der Vereine Creditreform. Bürokratische Hürden, Fachkräftemangel und hohe Bauzinsen erschweren jungen Unternehmen den Eintritt in den Markt.

Folgen der geringen Gründungszahlen für Bauunternehmen und Handwerk

Zusätzlich hat die Entwicklung Konsequenzen weit über die Gründungsstatistik hinaus. Denn weniger neue Betriebe bedeuten auch weniger Wettbewerb, weniger Innovationsdruck und damit ein insgesamt geringeres Modernisierungstempo. Für bestehende Bauunternehmen kann dies kurzfristig zwar den Preisdruck mindern. Mittel- bis langfristig droht jedoch ein Verlust an Dynamik und Innovationskraft, die die gesamte Bauwirtschaft weiter schwächen könnte.

Warum brechen die Neugründungen im Baugewerbe so stark ein?

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Man kann den Neubau von Mehrgeschoss-Wohnhäusern drehen und wenden wie man will. Aber…..

Das Gebot der Zeit im Wohnungsbau ist die Korrelation von Klimaneutralität, Nachhaltigkeit, Ressourcen-Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Eine alternative Lösung ist ein Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit.

Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.

Dabei geht es nicht darum, alles Alte über Bord zu werfen. Aber wer das Bewährte mit dem Vorausschauenden verbindet, muss nicht immer nur reagieren. Der kann den Wandel auch selbst mit gestalten.

Der Journalist und Gesellschaftskommentator Malcom Gladwell schrieb einmal über Steve Jobs, er sei ein „Tweaker“, ein „Optimierer“.
Er erklärte: „Der Visionär beginnt mit einem Blatt leerem Papier und stellt sich die Welt ganz neu vor. Der Optimierer findet die Dinge vor, wie sie sind, und dann muss er so lange zerren und ziehen, bis er sie zur Perfektion geführt hat. Das ist keine geringe Aufgabe.“

Die provokante Frage von Buckminster Fuller: „Wie viel wiegt Ihr Gebäude, Mr. Foster?“ ist nach wie vor hoch aktuell. Insbesondere zu Zeiten, wo die Ressourcen-Produktivität im Bauwesen eine zunehmende Rolle spielt.

Aber was bedeutet Leichtbau oder Lean-Construction als schlanke Konstruktion?
Beispielhaft hier der Vergleich des Eigengewichts von Geschossdecken mit gleichen technischen Eigenschaften:
Eine traditionelle 16 cm- Stahlbeton-Geschossdecke und Nutzschicht wiegt ca.5,40 kN/m².
Eine modifizierte AE Aestuver Stahltrapezblechdecke von James Hardie – Fermacell mit ca.30 cm Bauhöhe wiegt ca.0,85 kN/m².
Das bedeutet: Bei einer Geschossfläche des Wohnblocks von bspw. 3.000 m², ist das eine Materialreduktion von ca. 13.650 kg.
Dazu die Reduzierung der damit verbundenen technisch-konstruktiven Folgen.

Das bedeutet: 13.650 kg Material muss nicht gefördert, transportiert, verarbeitet und eingebaut werden.
Für mich als Baukonstrukteur und Baudesigner hat Einsparung generell einen höheren Stellenwert als Recycling. Oder, wie es Mies van der Rohe formulierte: „Weniger ist Mehr“.

Inhaltlich mag die häufige pauschale Aussage erst einmal verständlich sein, dass eine industrielle Produktion wegen der typischen und mit den Bedingungen anderer Branchen nicht vergleichbaren Situation in der Bauwirtschaft nicht möglich sei. Aber bei einfach strukturierten Prozessen, wie das Bauen von typisierten Geschoss-Wohnhäusern, ist es durchaus machbar..
Voraussetzung ist allerdings eine hoch entwickelte Produkt-, sowie Produktionsplanung und –steuerung, die es erlaubt, das gesamte Spektrum der Entstehungsprozesse zu planen und zu steuern.
Das ist wesentlich mehr als Digitalisierung, Vorfertigung der Bauteile oder serielles und modulares Bauen.

Die Konsultanten von McKinsey hatten das in einer Studie so beschrieben
„Infrastruktur & Wohnen – Deutsche Ausbauziele in Gefahr“ (2/2018):
„Zunächst kann die private Bauwirtschaft unmittelbar signifikante Produktivitätssteigerungen durch breitere Anwendung von seriellem Bauen und Lean Construction erreichen.“
„Einige bewährte Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung durch Lean Construction umfassen die optimale Verteilung von Ressourcen und Equipment (Critical-Chain-Projektplanung), sowie die Minimierung der benötigten Materialien für einzelne Aufgaben.
Bei der Critical-Chain-Projektplanung geht es um die optimale Planung aller voneinander abhängigen Schritte, die für die Projektfertigstellung abgeschlossen werden müssen. Bei der optimalen Verteilung von Ressourcen und Equipment wird der Ablauf von Aktivitäten so geplant, dass Verbrauch und Aktivitätsdauer minimiert werden. Zudem werden die
benötigten Ressourcen für Prozessschritte und Aufgaben auf dem kritischen Pfad zur Projektfertigstellung auf ein Minimum reduziert.“
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr

Subventionen aus Steuergeldern

Subventionen sind die Belohnung für das Versagen
(Dr. Markus Krall)

Es kann keine zukunftsfähige Lösung sein, wenn beim Wohnungsneubau mit Subventionen, auch geförderter Wohnungsbau genannt, die sogenannte Sozialbindung nach 15 Jahren wegfällt und diese Wohnungen dann zu „Marktmieten“ angeboten werden können.
Vermutlich müssen dann sehr viele Mieter aus finanziellen Gründen ihre Wohnung, sowie ihre damit verbundenen und seit langem bestehenden sozialen Beziehungen, aufgeben.

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