Wie Digitalisierung im Handwerk ankommt

News | Frank Kessler | 11.03.2020 Wie Digitalisierung im Handwerk ankommt
Foto: Roland Riethmüller

Die Digitalisierung ist auch im Handwerk nicht zu stoppen. So nutzen Dachdecker Drohnen, SHK-Betriebe setzen auf Tablets und große Holz-Werkstätten erhalten über Trackingsysteme einen Überblick über die Maschinen und Ausrüstung. Mittlerweile setzt bereits jeder zweite Betrieb in Deutschland digitale Anwendungen und Technologien ein. Das sind gegenüber der letzten Untersuchung im Jahr 2017 acht Prozentpunkte mehr. Weit verbreitet ist Cloud Computing, doch auch smarte Software wird immer häufiger eingesetzt.

Das Handwerk ist viel digitaler unterwegs, als gemeinhin angenommen. Mit 53 Prozent hat mittlerweile jeder zweite Handwerksbetrieb digitale Anwendungen im Einsatz. Vor zwei Jahren waren es erst 45 Prozent. Das ergab eine Studie, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführt wurde. Dazu wurden 502 Handwerksbetriebe repräsentativ befragt.

Cloud Computing ist führend

Rund 27 Prozent der Betriebe nutzen Cloud Computing. In jedem achten Betrieb (13 Prozent) wird smarte Software eingesetzt. Diese kann zum Beispiel Arbeitszeiten nach Projektstatus einteilen. 12 Prozent der Befragten nutzen Trackingsysteme zur Überwachung von Betriebsmittel und Maschinen. Weiterhin kommen 3D-Technologien zur Anwendung und sind Drohnen wie auch Roboter im Einsatz. Obwohl gerade letztere Innovationen tatsächlich noch eher selten genutzt werden. "Es gibt inzwischen viele positive Beispiele dafür, wie die Digitalisierung erfolgreich im Handwerk umgesetzt wird", sagt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte. Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp ergänzt: "Digitale Technologien können den Arbeitsalltag erleichtern, Zeit sparen und Abläufe in den Betrieben enorm vereinfachen.”

Digitale Anwendungen als Chance sehen

Rund 66 Prozent der Befragten sehen in den digitalen Anwendungen eine Chance und 54 Prozent gaben sogar an, dass digitale Anwendungen zur Existenzsicherung dienen. Jeder zweite Betrieb sieht darin allerdings auch eine Herausforderung. 36 Prozent gaben an, dass sie Probleme in ihrem Unternehmen mit digitalen Anwendungen hätten. Bei 13 Prozent der Befragten gilt die neue Technologie als Risiko. Laut Schulte sei es enorm wichtig, dass sich die Betriebe mit diesem Thema beschäftigen. Gleichzeitig sagte er den Betrieben Unterstützung bei der Umsetzung mit Hilfe des Kompetenzzentrum Digitales Handwerk sowie einem weitreichenden Beraternetzwerk zu. Denn digitale Skills sei eine der wichtigsten Herausforderungen.

Innovationen nutzen

Nur jeder fünfte Handwerksbetrieb gab an, dass die digitale Technik Einfluss auf das Geschäftsmodell habe. Lediglich 21 Prozent bieten neue Dienstleistungen und Produkte an. Hier würde jedoch noch ein großes Potenzial liegen. Durch die Digitalisierung könnten Produkte und Dienstleistungen völlig neu angeboten werden. Nur auf diese Weise können die Handwerksbetriebe wettbewerbsfähig bleiben. Trotzdem fehle es an passfähigen Lösungen speziell für die Bedürfnisse im Handwerk. Schulte kündigte diesbezüglich eine enge Zusammenarbeit mit Startups an.

Anders sehe es bei der Kommunikation aus. Fast jeder Handwerksbetrieb, rund 97 Prozent, hat eine Homepage. 84 Prozent haben sich bei digitalen Plattformen werliefertwas oder Google Maps eintragen lassen. Rund 30 Prozent sind in sozialen Netzwerken aktiv. Das gilt insbesondere für größere Betriebe. Jeder vierte Betrieb ist bei Bewertungsplattformen aktiv. Auf ein digitales Büro setzen knapp zwei Drittel der Betriebe.

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